2011:Konferenz zu CSR und Rolle der Gewerkschaften in Hanoi 6.-7. 12.

Es war eine illustre und außergewöhnliche Truppe, die sich da versammelt hatte. Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen aus Schweden, Deutschland, Singapur, Großbritannien, Kolumbien, Indonesien, Australien, Finnland, Südkorea und Brasilien trafen sich in Hanoi mit ihren vietnamesischen Kollegen und Kolleginnen um darüber zu diskutieren, wie Gewerkschaften CSR (Corporate Social Responsibility) Maßnahmen nutzen können, um das Ziel „gute Arbeit“ (decent work) für alle zu erreichen. Selten gab es in der Vergangenheit eine Veranstaltung zu CSR, die sich so auf die Rolle der Gewerkschaften konzentrierte und Raum für internationale Strategiebildung bereitstellte.

Eingeladen hatten der vietnamesische Gewerkschaftsbund (Vietnamese Confederation of Labour, VGCL) und das DGB-Bildungswerk. Die Konferenz rundete ein vierjähriges Projekt der beiden Organisationen zu CSR in Vietnam ab. Ziele der Projektzusammenarbeit waren der Aufbau von Wissen zu CSR in den vietnamesischen Gewerkschaften, die Analyse der Arbeitsbedingungen und der Einhaltung von Sozialstandards in ausgewählten Betrieben in der Privatwirtschaft in Vietnam, sowie die aktive Nutzung von CSR zu Verhandlungen mit dem Management in den Privatunternehmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter. Auf der Konferenz sollten nun Blickwinkel und Standpunkte aus aller Welt in die Diskussion in Vietnam einbezogen und Anregungen für die neue Projektphase gewonnen werden, die im Januar 2012 beginnt. Im Anschluss an die Konferenz konnten die internationalen Teilnehmer und Teilnehmerinnen Ford Vietnam besuchen und mit der Betriebsgewerkschaft und dem Ford Management über CSR im Unternehmen diskutieren.

Bei etlichen Gewerkschaftern und Gewerkschafterinnen besteht ein gesundes Misstrauen gegenüber CSR, da es sich zumeist um freiwillige Maßnahmen der Unternehmen handelt. Darüber hinaus drehten sich anfänglich die Diskussionen um CSR in den Unternehmen zumeist um karitative Fragen. Doch soziale Standards und gute Arbeitsbedingungen wurden mehr und mehr ein integraler Bestandteil der Diskussion - nicht zuletzt aufgrund der Kampagnen von Nichtregierungsorganisation und Bündnissen zwischen diesen und den Gewerkschaften, wie z.B. die clean clothes campaign (in Deutschland: Kampagne für saubere Kleidung). Wie mehrmals auf der Konferenz gesagt wurde: CSR beinhaltet nicht wofür die Unternehmen ihr Geld ausgeben sondern wie sie es verdienen. Die Einhaltung von Sozialstandards sollte eindeutig vor karitativen Maßnahmen stehen. Und damit ist klar, dass Gewerkschaften hier eine besondere Rolle zu spielen haben.

In den zwei Konferenztagen wurden im Plenum und in Arbeitsgruppen unterschiedliche Punkte aufgegriffen und diskutiert: Die Rolle der Gewerkschaften beim Monitoring von CSR; die OECD guidelines für multinationale Konzerne und wie sie für die gewerkschaftliche Arbeit nutzbar gemacht werden können; das Zusammenspiel von gesetzlich verbrieften Mitbestimmungsrechten und freiwilligen CSR Maßnahmen; die unterschiedlichen Rollen der Akteure in der Lieferkette; CSR unter schwierigen Bedingungen am Beispiel Kolumbien etc. Insbesondere in den Arbeitsgruppen beteiligten sich internationale wie vietnamesische Teilnehmer und Teilnehmerinnen intensiv an der Debatte und führten rege Diskussionen.

Eine Vielzahl von Fragen und Themen wurden angerissen und der Bedarf nach weiteren intensiven Debatten wurde deutlich. Aber es gab auch einige Punkte, die immer wieder auftauchten und daher als gemeinsamer Nenner der Debatten betrachtet werden können:

·         Gewerkschaften können es nicht den Unternehmen überlassen zu definieren, was Social Responsibility bedeutet. Eine aktive Rolle beim Setzen von Standards ist erforderlich.

·         Durch Information und Aufklärung ihrer Mitglieder können Gewerkschaften dafür sorgen, dass die Arbeitnehmervertreter und –vertreterinnen vor Ort die Bedingungen in den Betrieben analysieren, die Debatten zu CSR in ihren Unternehmen verfolgen, beeinflussen und die Umsetzung überprüfen können. 

·         Eine weitere wichtige Rolle der Gewerkschaften besteht darin, Unternehmen für die Einhaltung ihrer CSR Versprechen und Sozialstandards national und international verantwortlich zu halten.

·         Durch internationales Netzwerken und Informationsaustausch zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten können doppelte Standards der Unternehmen in ihren Herkunftsländern und den Produktionsländern aufgedeckt und skandalisiert werden. Der Austausch von Informationen zu wichtigen ökonomischen Eckdaten und der Leistungskraft des Unternehmens ist eine weitere wichtige Hilfestellung für die Verhandlungen vor Ort.

·         Koalitionen mit anderen Akteuren wie z.B. Nichtregierungsorganisationen können insbesondere da, wo Gewerkschaften schwach sind, helfen den gewerkschaftlichen Wirkungsgrad zu vergrößern.

·         Für Vietnam wurde außerdem angeregt, CSR Maßnahmen in die Tarifvereinbarungen aufzunehmen und sie damit verbindlich zu machen.

Eine weitere Schlussfolgerung war, dass eine strategische Herangehensweise der Gewerkschaften an das Thema CSR nottut. Das heißt sich genau anzuschauen, welche Gefahren und welche Chancen in bestimmten CSR Maßnahmen und Verhandlungsprozessen enthalten sind. Eine gute Strategie sollte ausgearbeitet werden, um die Möglichkeiten für eine tatsächliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu nutzen und gewerkschaftliche Arbeit zu stärken. CSR das die Gewerkschaften schwächt, kann nicht im Interesse der Werktätigen sein. Aber CSR zu nutzen, um Unternehmen verantwortlich zu halten und tatsächliche Verbesserungen zu erreichen kann eine wichtige Strategie unter anderen sein.

www.congdoanvn.org.vn/english/default.asp

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

Bild 4 von 4

Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: Michael Gubi/flickr, CC BY-NC 2.0

 

 

Bild 3 von 4

Nord|Süd news, Ausgabe IV/2016

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe IV/2016

Titel: WTO oder TTIP? Global oder regional?; Der Kommentar: Der Bohrer ist angesetzt; Zukunft des Freihandels – TTIP und die Länder des Südens: „Man könnte dazu auch Ausgrenzungsabkommen sagen“; TISA und die Daseinsvorsorge: Viel zu viele offene Fragen; EU und Südostasien: Freihandel soll „Schutz gegen Chinas Dominanz“ bieten u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2016-iv

Foto: fuzheado, CC BY-SA 2.0

 

 

 

 

Bild 2 von 4

Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verh

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0

 

 

 

 

Bild 1 von 4