Indien: Arbeitnehmerinnen in der informellen Wirtschaft bis 2011

Hilfe zur Selbsthilfe für indische Frauen
Projekt: Stärkung von Arbeitnehmerinnen in der informellen Wirtschaft in Indien 
Laufzeit: 2008 - 2011

„Bevor ich zu SEWA kam“, sagt Meeta, eine indische Hausangestellte, „war ich ängstlich und traute mich nicht mit meinem Hausherrn zu sprechen. Ich konnte nicht alleine Bus fahren, da ich weder lesen noch schreiben konnte.“ Seit Meeta an den Alphabetisierungskursen der Nationalen Akademie von SEWA teilnimmt, die in den Slums von Ahmedabad stattfinden, hat sich ihre Lebens- und Arbeitssituation verändert. Ihr Selbstbewusstsein wurde durch die Orientierungskurse der gewerkschaftlichen Frauenorganisation gestärkt.

Diese Kurse werden von SEWA Akademie durchgeführt, einer Unterorganisation der Gewerkschaft für Frauen im informellen Sektor (Self Employed Women Association, SEWA). SEWA hat ihren Hauptsitz in Ahmedabad. Sie wurde 1972 aus dem Frauenflügel einer von Mahatma Gandhi 1917 in Gujarat mitbegründeten Arbeitervertretung von Textilarbeiterinnen heraus gegründet. Ihr Slogan ist "Kampf und Entwicklung" (Struggle und Development). Entsprechend stehen einerseits die Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung von Frauen durch z.B. Kooperativenbildung und Fortbildungen ("development") und andererseits der organisierte Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Frauen im informellen Sektor im Vordergrund.

In Indien arbeiten mehr als 90 Prozent der Werktätigen im so genannten informellen Sektor. Trotz der anhaltenden Diskriminierung der indischen Frauen und der Schwierigkeiten, informelle Arbeiterinnen zu organisieren, ist es SEWA gelungen, mehr als 1,3 Millionen Frauen in neun Bundesstaaten als Mitglieder zu gewinnen. Die Frauen kommen aus allen Glaubensrichtungen, von Hindi über Muslime bis Christen. Zu ihnen gehören Hausangestellte, Straßenhändlerinnen, Heimarbeiterinnen, Landarbeiterinnen oder Bauarbeiterinnen.

Dabei spielt die 1991 als eigenständige Organisation gegründete SEWA Akademie eine besondere Rolle. Die SEWA Akademie versteht sich als die Bildungseinrichtung im informellen Sektor und führt Mitgliederschulungen, Berufsbildung, Alphabetisierungskurse, Video- und Radioprogramme, Forschungen und Informationsveranstaltungen durch.

Namrata Bali, Direktorin der SEWA Academy, betont die Bedeutung der angepassten regionalen und inhaltlichen Bildungsangebote, die auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der marginalisierten Arbeitnehmerinnen abgestimmt sein müssen, um nachhaltig wirken zu können: „Unsere Bildungsangebote passen sich den Bedürfnissen der im informellen Sektor tätigen Frauen in Indien an, wir bieten Alphabetisierungskurse und Maßnahmen zur Schaffung von Selbstvertrauen genauso an, wie Weiterbildungsprogramme für Computer und Marketing.“

Seit Dezember 2008 unterstützt das DGB Bildungswerk im Rahmen eines Projektes die SEWA Academy. Durch gezielte Trainings- und Ausbildungsprogramme (z.B. in den Bereichen Computer, Arbeits- und Sozialrecht, Organizing), Alphabetisierungskurse, Newsletter, Radioprogramme, Videos und wissenschaftliche Forschung leistet die SEWA Academy in Kooperation mit dem DGB Bildungswerk einen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmerinnen in der informellen Wirtschaft. Weitere Ziele der Bildungsmaßnahmen ist die Verbesserung des Zugangs zu formalen Beschäftigungsverhältnissen durch eine bessere Ausbildung sowie das Einbringen der Bedarfe der marginalisierten Arbeitnehmerinnen in die politische und gesellschaftliche Diskussion.

Dabei zeichnet der Einsatz vielfältiger Methoden zur Wissens- und Informationsvermittlung die SEWA Akademie aus. Schon früh benutzten SEWA und die SEWA Akademie das Medium Video als Kommunikationsmittel. Seit einigen Jahren sendet SEWA regelmäßig kommunale und landesweite Radiosendungen zu wichtigen Themen im informellen Sektor. Am 7. April 2011 erhielt das kommunale Radioprogramm von SEWA zwei Auszeichnungen des indischen Informationsministeriums für die thematische Ausrichtung und die kommunale Beteiligung. Seit September 2011 arbeitet SEWA außerdem mit Fernschulungen via Internet, die direkt in den Dörfern empfangen und diskutiert werden können.

Links:

Den aktuellen SEWA-Newsletter finden Sie hier:

http://www.sewa.org/sewanewsletter.asp

Broschüren:

Länderprofil Indien: http://www.nord-sued-netz.de/sites/nord-sued-netz.de/dateien/download/Laenderportrait-Indien.pdf

Informeller Sektor in Indien: http://www.nord-sued-netz.de/sites/nord-sued-netz.de/dateien/download/Indien_www.pdf

Aktuelle Mitteilung vom 26.05.2010 über den Besuch der Direktorin der SEWA Academy, Namrata Bali, in Deutschland:

 

Ort

Self Employed Women's Association
Ahmedabad Victoria Garden
Indien
Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: Michael Gubi/flickr, CC BY-NC 2.0

 

 

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,

CC BY 2.0 

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe II/2017

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe II/2017

Türkei: Ausnahmezustand im Ausnahmezustand; Der Kommentar: Gewerkschaften im Kampf gegen Rechtspopulismus; USA: „Im Bauch des Monsters“; Philippinen: Geduld mit Duterte; Ungarn: Kaltgestellt aus Prinzip; Brasilien: „Arbeitsrechte stehen auf dem Spiel“; Aus den Projekten: Sonntags am Statue Square u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2017-ii

Foto: © Murat Bay

 

 

 

 

 

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