Brasilien: Arbeits- und Gesundheitsschutz

Wenn Arbeit krank macht müssen gesetzliche Regeln erst eingefordert werden
Teilprojekt Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz am Arbeitsplatz

João Moacir arbeitet seit vielen Jahren in einer Geflügelfabrik in der brasilianischen Stadt Toledo. Er steht wie viele seiner Kollegen tagtäglich am Fließband und zerlegt die frisch geschlachteten Geflügeltiere in einzelne Teile. Eine Tätigkeit, die ihn regelrecht krank gemacht hat, da die Arbeitsschritte immer gleich bleiben. Die Schmerzen im Armgelenk treten meist nachts auf und lassen kaum Schlaf zu. Von den 8000 Mitarbeitern der Fabrik werden jährlich 500 arbeitsunfähig, aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen. Durch ein Seminar des brasilianischen Gewerkschaftsbundes (CUT), das João im letzten Jahr zum Thema „Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz “ besucht hat, wurde er als Arbeitnehmervertreter seiner Fabrik ermutigt, die Arbeitsbedingungen in Verhandlungen mit der Fabrikleitung zu thematisieren. Mittlerweile finden regelmäßige Gespräche statt, in denen João die gesetzlichen Regeln für die Mitarbeiter einfordert. Auch die Geschäftsführung ist an einer konstruktiven Lösung interessiert und möchte ein präventives Gesundheitsprogramm für die Mitarbeiter erstellen.
Dennoch sind in vielen Betrieben Brasiliens "Sicherheit" und "Gesundheit" noch Fremdwörter - vom Umweltschutz ganz zu schweigen. Die hohe Zahl tödlicher Arbeitsunfälle zeugt davon, dass der betriebliche Arbeitsschutz in Brasilien oft mangelhaft ist. Obwohl Gesetze vorhanden sind, werden Verstöße nur selten geahndet.
Der brasilianische Gewerkschaftsbund CUT hat Arbeitsschutz und Gesundheitspolitik zu einem Schwerpunkt seiner Bildungs- und Lobbyarbeit gemacht und daher 2009 ein Sekretariat „Gesundheit des Arbeiters“ innerhalb des Gewerkschaftsdachverbandes eingerichtet.
Das DGB Bildungswerk fördert die Arbeit des gewerkschaftlichen Arbeitsschutzinstituts INST (Instituto Nacional de Saúde no Trabalho), das Informationsmaterialien erstellt und Bildungsveranstaltungen durchführt. Vertreter der Arbeitsschutzkommissionen, der Fabrikkommissionen und der Gewerkschaften werden im Rahmen von Workshops und Seminaren darüber informiert, wie sie Aktivitäten zur Förderung der Gesundheit und der Sicherheit am Arbeitsplatz vornehmen und hierzu Verhandlungen mit den Unternehmen führen können. Das Projekt zielt damit auf eine Verringerung der Zahl von Arbeitsunfällen und berufsbedingten Erkrankungen durch Beteiligung von Arbeitnehmern an Maßnahmen zum präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Link:
http://www.cut.org.br

Broschüre: "Brasilien - Soziale Reformen und gewerkschaftliche Solidarität"

http://www.nord-sued-netz.de/sites/nord-sued-netz.de/dateien/download/Br...

 

Ort

Brasilien