Demokratie in Gefahr – Ecuador

Internationaler Druck stärkt lokale Strukturen

Ecuador ist der größte Bananenexporteur weltweit. Die Situation der Plantagenarbeiter_innen aber hat sich in den letzten Jahren besonders verschlechtert. Eine Kooperation aus Öffentlichkeit, Aktivist_innen und Gewerkschaften weltweit stemmt sich dagegen.

Der Hilfsappell ging im Februar diesen Jahres beim Präsidenten Ecuadors, Lenín Moreno Garcés, ein. 20 internationale Nichtregierungsorganisationen hatten sich zusammengeschlossen, um die Regierung eindringlich zu bitten, die Arbeit der Gewerkschaften im Land zu schützen. Auslöser für den Appell waren Morddrohungen gegen Jorge Acosta. Er ist Koordinator der Bananenarbeitergewerkschaft ASTAC in Ecuador – kurz für Asociación Sindical de Trabajadores Agrícolas, Campesinos y Bananeros. Zu den Unterzeichnern des Appells gehören Gewerkschaftsunterstützer_innen aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Rumänien, Holland, Portugal, Italien, Slowenien oder Polen.

Der Appell wurde international gestreut, die Unterzeichner_innen forderten Politik und Wirtschaft auf, sowohl bei Geschäftsverhandlungen als auch bei politischen Gesprächen auf die Lage der Arbeiter_innen auf den Bananenplantagen aufmerksam zu machen. Ecuador zählt zu den weltweit größten Bananenexporteuren. Hauptimporteure sind die EU und die USA. Niedrige Löhne und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen sind Alltag auf den Plantagen. Arbeiternehmer_innenvertretungen haben es schwer. „Sowohl in Ecuador, Honduras als auch in Guatemala gibt es Gegenden, die weitestgehend gewerkschaftsfrei sind“, sagt Frank Braßel von Oxfam. Die Entwicklungsorganisation hat den Appell mit unterzeichnet. Dort hätten die Arbeiternehmer_innen kaum Möglichkeiten sich zu organisieren. In einzelnen Plantagen von Kolumbien oder Costa Rica gebe es freie Gewerkschaften, wenn auch nicht ohne Repressionen.

Laut Braßel, der Leiter der „Fairness Eintüten!“-Kampagne bei Oxfam ist, hat sich vor allem in Ecuador die Lage in den vergangenen eineinhalb Jahren verschärft. Versuche, Betriebsgewerkschaften zu gründen, seien in jüngster Zeit gescheitert, und die Leute stünden nun auf der Straße. Grund dafür sei auch der Machtwechsel in Ecuador. Der neue politische Zungenschlag des Präsidenten Moreno Garcés spiegele sich in den Arbeitsbedingungen der Arbeiter_innen auf den Bananenplantagen wider. „Immer mehr von ihnen sind nur für einen Teil ihrer Arbeit sozialversichert und haben damit keinen vollständigen Anspruch auf eine Gesundheits- oder Rentenversorgung“, sagt Braßel.

Mehr denn je setzt er auf die Kooperation von Öffentlichkeit, Aktivist_innen und Gewerkschaften weltweit, um die Lage vor Ort zu verbessern. „Generell scheint es in allen Ländern so zu sein, dass internationaler Druck immer eine Stärkung lokaler Organisationen bedeutet“, sagt Braßel. „Wenn die Absatzmärkte, also die Gewinne, berührt werden, dann erst verbessern sich auch die Bedingungen für die Arbeiter_innen.“

Ecuadorianische Banane; Foto: Donna Brown, flickr/CC BY-NC-ND 2.0„Wenn die Absatzmärkte berührt werden, dann erst verbessern sich auch die Bedingungen für die Arbeiter_innen.“ – Ecuadorianische Banane,
beliebt in EU und USA; Foto: Donna Brown,
flickr/CC BY-NC-ND 2.0

 

 

 

 

 

In dem Schreiben an die ecuadorianische Regierung fordern die Unterstützer_innen nicht nur, die Sicherheit Acostas sowie anderer Gewerkschafter_innen zu gewährleisten, sondern sie drängen auf eine weltweite Debatte für mehr Rechte für Arbeitnehmer_innen im Bananensektor. Staatliche Instanzen schienen nur wenig zu unternehmen, um die grundlegenden Menschenrechte in diesem Sektor zu schützen, heißt es. Dies bedeute eine Verletzung der Konventionen 87 und 98 der Internationalen Arbeitsorganisation. Eine Schlüsselrolle spielt das Weltbananenforum, ein Gremium der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen. Vertreter_innen aus rund 40 Staaten kommen bei den Konferenzen zusammen, dabei sind die Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Regierungsvertreter aber auch die Exporteure und der Einzelhandel. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich die Teilnehmer_innen vor rund einem Jahr für nachhaltige Produktionsweisen aus und Fortschritte bei der Festlegung von Standards für gute Lebensbedingungen der Arbeiter_innen.

Das Weltbananenforum unterstützt zudem Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Produzentenorganisationen. Ein Beispiel: Im Sommer 2016 einigten sich in Peru die Vertreter_innen mehrerer Vereinigungen von Bananenkleinbäuer_innen und die Landarbeiter_innengewerkschaft SITAG auf ein gemeinsames Abkommen, das Gewerkschafts- und Arbeitsrechte regelt. Als Vermittler waren Fairtrade International, internationale Nichtregierungsorganisationen wie Banana Link oder BanaFair sowie die Lateinamerika-Koordinierung der Bananengewerkschaften COSIBA dabei. Die Zusammenarbeit soll die Schlagkraft der Arbeitnehmervertretung vor Ort, aber auch international erhöhen.

Braßel sieht die Unternehmen in der Pflicht, mehr Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die in den Produktionsländern arbeiten. „Warum sollten nicht Einzelhändler und Gewerkschaften zusammenkommen und gemeinsame Strategien im Sinne der Arbeitenden entwickeln?“, fragt er. Momentan fehlten aber strukturelle Ansätze in den Branchen – und auch strengere gesetzliche Vorgaben. „Für Bananenarbeiter_innen aus Ecuador, die bei ihren Lieferanten für eine unserer großen Supermarktketten arbeiten, muss es die Möglichkeit geben, gegen die Verletzung ihrer Menschenrechte in der Lieferkette des Supermarktes juristisch vorzugehen.“ Bis es solche juristischen Instrumente in den EU-Staaten gibt, werden wohl Jahrzehnte vergehen.

Tanja Tricarico
 

Die Autorin beschäftigt sich seit Jahren mit internationalen Arbeitnehmer_innenrechten.

Ecuador – Internationaler Druck stärkt lokale Strukturen

„Wenn die Absatzmärkte berührt werden, dann erst verbessern sich auch die Bedingungen für die Arbeiter_innen.“

Foto: David Brossard / flickr,
CC BY-SA 2.0

Bild 1 von 1