Nord | Süd news II/2009

„Eigennutz kennt keine Farbe“ – Hausangestellte in Südafrika

Vor dem Gesetz sind Putzhilfen, Gärtner und Farmarbeiter in Südafrika als Arbeitnehmende anerkannt, seit das Land demokratisch regiert wird. Heute steht ihnen sogar ein Mindestlohn von monatlich umgerechnet etwa 100 Euro für 45 Arbeitsstunden die Woche zu, außerdem bezahlte Krankheits- und Urlaubstage. Doch der Alltag ist voll von Herabsetzungen. Oft werden die Löhne zu niedrig bemessen, Überstunden und Urlaubstage unzureichend vergütet.

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Kommentiert: Lobby für Mindeststandards

Karin PapeNiemand weiß genau, wie viele Hausangestellte es weltweit gibt. Ein neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geht von "zig Millionen" aus, Tendenz steigend. Das sind im Wesentlichen Frauen, aber auch viele Kinder.

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Vorgestellt: Casimira Rodríguez Romero –
Vielseitige Dienstleistungen

Casimira Rodríguez Romero"Auf der Straße müssen wir unsere Rechte durchsetzen. Wir müssen auf uns aufmerksam machen, denn von allein ändert sich gar nichts", erklärt Casimira Rodríguez und nimmt den hellen Strohhut ab. Die Bolivianerin weiß genau wovon sie spricht, denn als Vorsitzende der Gewerkschaft der Hausangestellten hat sie genauso für Veränderung gesorgt wie als Justizministerin. Leise und bestimmt spricht die Frau, die weit über Bolivien hinaus für Schlagzeilen gesorgt hat. Als Boliviens erste indigene Ministerin ließ sie sich 2006 traditionell gekleidet vereidigen, mit dem Umhang, dem Faltenrock, der Pollera, und dem Strohhut, unter dem die beiden dicken Zöpfe hervorquellen.

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Vorgestellt: Barbara Miranda – Papierlose Gewerkschafter

Barbara MirandaNoch einen Milchkaffee. Dann muss sie los. Zu Verdi. Um Menschen ohne Papiere zu beraten, wenn sie Ärger mit dem Arbeitgeber haben. Barbara Miranda gehört zu dem Arbeitskreis, der die Beratung im Berliner Gewerkschaftshaus organisiert. Das Projekt ist noch neu. Sie ist aufgeregt. Wer wird wohl heute kommen? Im Hauptberuf ist Barbara Miranda Kindermädchen. Sie kam vor sieben Jahren aus Chile nach Deutschland, weil Teile ihrer Familie hier leben. Als Touristin. Und blieb. Ohne Papiere. Die 28-Jährige trägt modische Sneakers, dazu ein buntes warmes Tuch um die Schultern, einen Stil-Mix aus Berlin-Kreuzberg und Latino, ein Bild für ihr Lebensgefühl: "Ich bin mit dem einen Fuß hier und mit dem anderen Fuß da", sagt sie. So zu leben wie ihre Freundinnen in Chile würde ihr heute schwer fallen. Aber hier in Berlin sehen viele sie als Fremde. Erst gestern sagte wieder ein Mann "schlimme Worte" zu ihr, weil sie Ausländerin ist. Trotzdem: "Das ist mein Zuhause."

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Aus der Arbeitswelt: Berlin – Europa macht härter

Maria* ist Peruanerin und seit fünf Jahren in Deutschland. Sie putzt in Berlin für ein karges Einkommen, ihr Sohn in Peru blieb in Cusco zurück. Himmelblau sind Marias Gummihandschuhe. Die 39-Jährige schrubbt nicht vorhandene Kalkstellen aus einem Bürospülbecken irgendwo in Berlin-Kreuzberg. Sie steht gebeugt, die Sonne auf dem Rücken. "Tengo que trabajar, trabajar, trabajar" - Ich muss arbeiten, arbeiten, arbeiten. Nur die Arbeit verschaffe ihr Rückendeckung, erzählt sie. Denn ihre Aufenthaltserlaubnis läuft im August 2010 aus. Verlängert wird sie nur, wenn ihr Lebensunterhalt gesichert ist - so steht es im Zuwanderungsgesetz. Momentan allerdings ist nichts sicher in Marias Leben. Im Juli letzten Jahres hat sie ihre Anstellung bei einer Putzfirma verloren. Seitdem bezieht sie 350 Euro Arbeitslosengeld. Außerdem putzt sie drei Stunden die Woche in Kreuzberg und sporadisch bei einem Professor in Potsdam. In ihrer Freizeit sammelt sie Pfandflaschen. Dass sie in der elften Woche schwanger ist, macht die Sache nicht leichter.

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Aus der Arbeitswelt: Emirate – Intime Verhältnisse

In den Vereinigten Arabischen Emiraten reinigen Migrantinnen aus Asien die Häuser der Reichen. Für das Einkommen einiger Jahre liefern sie sich aus. Die riesige Eingangstür der Villa führt direkt ins Entrée. Ein Marmormosaik ergießt sich über den Fußboden, spiegelblank, ohne den geringsten Makel. Das Hausmädchen, in klassisch schwarz-weißer Dienstuniform mit Röckchen und Spitze, führt uns vorbei am duftenden Blumenbouquet in den Salon.

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Aus der Arbeitswelt: Sierra Leone – Hoffen auf den großen Stein

120.000 Schürfer werden in Sierra Leones Diamantenminen ausgebeutet. Die Minenarbeitergewerkschaft versucht sie zu organisieren, doch "Unterstützer" schüchtern die Arbeiter ein. Zielstrebig schreitet Mohamed Bah zu seinem Arbeitsplatz unten am Wasser. Unter dem Arm klemmt sein Arbeitswerkzeug: ein flaches, wagenradgroßes Sieb. "Ich muss warten, bis meine Kollegen das Geröll herüber tragen", erklärt der 39-Jährige, der seit zehn Jahren Diamanten schürft. Wie eine offene Wunde frisst sich das Abbauloch mit seinen Auswucherungen in den Busch hinein.

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Aus Projekten und Kampagnen: Unilever Pakistan –
Permanente Leiharbeit

Der multinationale Nahrungsmittelkonzern Unilever hält sich in Pakistan nicht an die Gesetze, sagt die Internationale Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter (IUL). Die IUL wirft der Firma in einem Bericht auf ihrer Webseite vor, Kontraktarbeiter für dauerhafte Arbeit einzusetzen: "Unilever beschäftigt etwa 750 Arbeiter in der Lipton-Teefabrik in Khanewal, doch davon sind nur 22 direkt bei Unilever angestellt, die anderen werden von Leiharbeitsfirmen beschäftigt. Diese Arbeiter bekommen nur ein Drittel von dem, was die permanenten Arbeiter kriegen, und dürfen nicht einmal ihre Stimme durch die Gewerkschaft erheben."

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Meldung: Mexiko – Gleichheit für Frauen beim Autobau

Beim Bauen von Karosserien verdienen Frauen in Mexiko gut ein Drittel weniger als Männer. Das hat eine Studie über die Arbeitsbedingungen in der deutschen Automobilindustrie am Beispiel von Volkswagen Puebla ergeben, die im Rahmen eines vom DGB Bildungswerk geförderten Projekts zur Unterstützung von Frauen in den Gewerkschaften erhoben wurde.

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Notiert: Korrektur von Zahlen

Ein aufmerksamer Leser der „Nord Süd news“ hat die Redaktion auf einen Widerspruch in der letzten Ausgabe aufmerksam gemacht: Die Spitzenmeldung auf Seite 8 berichtet an dieser Stelle aus der jährlichen Übersicht des Internationalen Gewerkschaftsbundes, dass Kolumbien mit 39 ermordeten Kolleginnen und Kollegen 2007 das gefährlichste Land für Gewerkschafter war. Auf Seite 7 jedoch wird im Bericht „DGB Bildungswerk in Belém – wem nützen Großprojekte?“ ein brasilianischer Kollege bei einer Podiumsdiskussion mit der Aussage zitiert, „750 Gewerkschafter seien allein im letzten Jahr ums Leben gekommen“ – womit Brasilien weitaus gefährlicher wäre.

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Notiert: Widersprüche in Indien

„Arbeitsmarkt, Konkurrent, Kooperationspartner – Indien im Spannungsfeld von Wirtschaftsboom, Weltmachtstreben und sozialer Misere“, mit diesem Untertitel ist der inhaltliche Bogen des „Länderporträt Indien“ gespannt. Auf 70 Seiten beschreibt die vom DGB Bildungswerk in Zusammenarbeit mit der IG Metall und der Friedrich Ebert Stiftung herausgegebene Broschüre Geschichte, wirtschaftliche Entwicklung und regionale Eingebundenheit des südasiatischen Subkontinents und geht auf die Besonderheiten der indischen Wirtschaft ein. 20 Seiten sind Arbeitsmarkt, Sozialpolitik und der Gewerkschaftsbewegung eingeräumt; dabei werden auch mögliche Kooperationsbereiche für die internationale Gewerkschaftsarbeit aufgegriffen. Die Broschüre ist 2008 erschienen und kann beim DGB Bildungswerk bestellt werden.

 

Notiert: Reformen in Brasilien

Um die sozialen Reformen der gewerkschaftsnahen Regierung Lula geht es in einer neuen Broschüre von IG Metall und DGB Bildungswerk über Brasilien. Untermauert von vielen Fakten und Daten, werden Programme zur Armutsbekämpfung oder gegen Sklavenarbeit vor dem Hintergrund der sozialen Lage analysiert und bewertet. Ein eigenes Kapitel ist der Situation der Gewerkschaften und der Reform des Gewerkschaftsrechts gewidmet, die mit vielen Einzelheiten ausgeführt wird.

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Notiert: Lebendige Erzieher

Die GEW sei eine lebendige Gewerkschaft, und das sei das wichtigste, fand der Gewerkschaftsvorsitzende Mamadou Barro aus Burkina Faso nach der Verfolgung kontroverser Debatten beim Gewerkschaftstag der GEW Ende April in Nürnberg.

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Notiert: Regeln für alle

"Verbindliche Regeln, die für alle gelten!" - unter dieser Überschrift hat der DGB Bundesvorstand im April ein Positionspapier zur "Corporate Social Responsibility" (CSR) vorgelegt. In zehn Punkten stellt der Bundesvorstand seine Haltung zur sozialen Verantwortung von Unternehmen klar: Freiwillige Vereinbarungen können gesetzliche Schutzregelungen für Arbeitnehmer nicht ersetzen.

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Arbeiten und Wirtschaften in den Grenzen des Wachstums.

Broschüre (2017): Arbeiten und Wirtschaften in den Grenzen des Wachstums. Die Rolle der Gewerkschaften in einer ökologischen und sozialen Transformation.

Erscheinungsjahr: 2017
Umfang: 68 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Boris Ott / flickr,
CC BY-NC 2.0

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe III/2018

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe III/2018

Demokratie in Gefahr: Arbeitnehmendenrechte müssen verteidigt werden; Der Kommentar: Ein neues Entwicklungsmodell ist gefragt!; Brasilien: Die Herausforderung Bolsonaro; Argentinien: Mit Generalstreiks gegen Sparpolitik; Kolumbien: Lieber groß und gemeinsam; Ecuador: Internationaler Druck stärkt lokale Strukturen; Aus den Projekten: Globale Herausforderungen lokal denken u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2018-iii

 

Ausschnitt Infografik (re): © ITUC CSI IGB

 

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