Nord | Süd news I/2008

Mindestlöhne am Fließband der Welt

Unternehmen in China sind berühmt berüchtigt dafür, dass die Beschäftigten bei Betriebskontrollen gefälschte Lohnabrechnungen vorlegen (müssen). Für die Inspekteure wird eine doppelte Buchführung vorbereitet. Papier ist geduldig und behauptet dann, dass die lokalen Mindestlöhne pünktlich ausgezahlt und Überstunden dem Gesetz entsprechend entlohnt werden.

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Zur Dialektik von Mindestlöhnen

Flächendeckende Mindestlöhne sind in Deutschland nach hundertjährigem Dornröschenschlaf ins Zentrum gemeinsamer Gewerkschaftsstrategien gerückt, um eine Mindestsicherung gegen Lohndrückerei und Armutslöhne einzurichten. Über vier Jahrzehnte galt für deutsche Gewerkschaften im internationalen Vergleich die selbstgewisse Devise: "Einen Mindestlohn haben wir nicht und brauchen wir nicht, unsere Mindestlöhne sind die unteren Einkommensstufen der Tarifverträge".

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Neues Arbeitsgesetz

Seit dem 1. Januar 2008 gilt in China ein neues Arbeitsvertragsgesetz. Es schreibt zum ersten Mal vor, dass spätestens nach vier Wochen Beschäftigung ein schriftlicher Arbeitsvertrag geschlossen werden muss. Das kann auch ein Fristvertrag sein. Ohne schriftlichen Vertrag gilt das Arbeitsverhältnis nach spätestens einem Jahr als unbefristet. Länger als zwei Jahre soll ohnehin keine Befristung dauern. Probezeiten dürfen nach dem neuen Gesetz nicht länger als sechs Monate dauern.

Guangzhou: Mittagspause vor der Fabrik

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Vorgestellt: Dale Forbes – Kritik unerwünscht

Er ist noch immer etwas misstrauisch. Warum willst du das wissen, fragt er zurück und kneift dabei skeptisch die Augen zusammen, wenn man sich nach seiner politischen Vergangenheit erkundigt. Dale Forbes, der Gewerkschaftsfunktionär aus Kapstadt, ist 39 Jahre alt und hat Gewerkschaftsarbeit in Südafrika noch unter den Bedingungen der Apartheid kennen gelernt.

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Vorgestellt: Peter Camin – Gute Nachbarschaft

"Als ich hier anfing, war ich noch Reisender", sagt Peter Camin von sich selbst. Man kann sich den beinahe schlaksigen Mittfünfziger immer noch ohne Weiteres mit Rucksack vorstellen. Doch "hier", beim Hamburger Aluminiumwalzwerk, das heute der norwegischen Hydro gehört, ist er sesshaft geworden: Seit 30 Jahren gehört Peter Camin zum Betriebsrat des Walzwerks.

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Löhne zum Leben?

In Simbabwe hat sich der Arbeitgeberbund Employers’ Confederation of Zimbabwe zur Zahlung von Löhnen auf dem Niveau des Existenzminimums bereit erklärt. Vorher wollten sie allerdings noch prüfen, ob sich die Unternehmen das auch leisten können, sagte ihr Sprecher John Mufukare nach einem Bericht der Tageszeitung „The Herald“ im Januar. Danach haben die Einkommen in Simbabwe bei Weitem nicht mit der Inflation Schritt gehalten. Allein die Preise für Grundnahrungsmittel seien um 1000 Prozent gestiegen. Nach dem Verständnis der Arbeitgeber gehören zum Konzept eines Lohnes, der zum Leben ausreicht, auch Zuschüsse für Wohnung, Transport oder Bildungsmaßnahmen.

 

Aus der Arbeitswelt: Arbeitsrechte für den schönen Schein

In Kambodscha stehen 2008 Wahlen bevor. Gewerkschafter erhoffen sich davon wenig - sie riskieren zuweilen ihr Leben. Eingehalten wird das Arbeitsrecht nur, wo die Weltgemeinschaft zusieht.

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Aus der Arbeitswelt: Gleicher Mindestlohn in ganz Nordamerika?

Global gleiche Löhne wären das Ende der Standortkonkurrenz auf Kosten der Beschäftigten. Arbeitnehmer in Mexiko fordern das schon mal für Nordamerika.

Wunschtraum eines Arbeiters in Mexiko:
sechs Dollar pro Stunde statt fünf Dollar pro Tag als Mindestlohn

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Auslagerung Angedroht

Der Arbeitgeberverband Confederation of Tanzania Industries will für das ostafrikanische Land keine Erhöhung der Mindestlöhne von 41 auf 140 Dollar akzeptieren. Nach einem Bericht der Zeitung "The East African" vom Januar kündigen die Unternehmer Arbeitsplatzverluste und die Verlagerung von Investitionen in Länder an, wo Arbeit billiger ist.

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Aus der Arbeitswelt: Kinder wollen Recht auf Arbeit

In Bolivien wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die Kinderarbeit nicht unter Strafe stellt. Eine Kindergewerkschaft hat sich gegen internationale Forderungen durchgesetzt. Sie macht einen Unterschied zwischen Arbeit und Ausbeutung.

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Aus den Projekten: Novamed Türkei – Reden statt Regieren

Nach mehr als einem Jahr Konflikt sind 85 Frauen bei der Firma Novamed in der Türkei wieder eingestellt worden. Ihre Gewerkschaft Petrol-Is hat den ersten Tarifvertrag in einer Freihandelszone unterschrieben. Die Gewerkschaft Petrol-Is hat bei der Tochterfirma des deutschen Unternehmens Fresenius in Antalya im Dezember 2007 ihre eigene Anerkennung durchgesetzt: dort wird in Zukunft mit den Arbeitnehmervertretern geredet.

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Sozialdialog fördern

Arbeitgeber in der Türkei werden sich an Gespräche mit ihren Beschäftigten gewöhnen müssen. Zu den Aufnahmekriterien der Europäischen Union jedenfalls gehört die Einhaltung ihrer Sozialcharta. Ein Projekt des DGB Bildungswerks in Zusammenarbeit mit der IG Metall und der Ruhruniversität Bochum zur Förderung des sozialen Dialogs will die türkischen Sozialpartner in diesem Prozess unterstützen.

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Notiert: Globale Computer

Der Weg eines Computers - von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung - steht im Mittelpunkt eines Bildungsangebots für Schulen sowie gewerkschaftliche und entwicklungspolitische Gruppen.

Angebot für Bildungsveranstaltungen und Aufruf zum Handeln:
Titel des Faltblatts zum Projekt „PC Global

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Notiert: Schmutzige Kleidung

Die Discounter Lidl und KiK kommen ihrer Unternehmensverantwortung nicht nach, sagt die Redakteurin einer neuen Broschüre der "Kampagne für Saubere Kleidung" (CCC), Gisela Burckhardt. Recherchen bei den Lieferanten dieser Ketten in Bangladesh haben massive Verletzungen von Menschen- und Arbeitsrechten zutage gefördert.

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Notiert: Gewandeltes Indonesien

Das südostasiatische Indonesien, Heimat für mehr als 300 Völker und alle Weltreligionen, ist zugleich das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt und einer rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ausgesetzt. Die ist Gegenstand einer neuen Broschüre des DGB-Bildungswerks mit dem Titel "Länderprofil Indonesien.

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Notiert: Gerechte Besteuerung

Fragen der Unternehmensbesteuerung spielen in der Debatte über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility CSR) bisher fast keine Rolle. Das soll sich ändern, denn Unternehmen entziehen durch Steuerflucht und Steuervermeidungstricks den öffentlichen Haushalten dringend notwendige Mittel.

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China: Mindestlöhne am Fließband der Welt

Industrielle Produktion in China

30 000 Beschwerden über Verletzung von Arbeitsrechten und Nichtzahlung von Löhnen gehen jährlich beim Arbeitsamt in Guangzhou ein.

Foto: © agenda/Michael Kottmeier

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