Nord | Süd news III/2007

ThyssenKrupp in Rio: Bauen mit Chinesen

Vor einem Jahr schrillten in der Zentrale von Brasiliens Metallgewerkschaft CNM/CUT die Alarmglocken. ThyssenKrupp hatte den chinesischen Staatskonzern Citic mit dem Bau einer Kokerei für sein neues Stahlwerk im Bundesstaat Rio de Janeiro beauftragt. Der Pferdefuß dabei: Die Chinesen wollten dafür 600 ihrer Landsleute verpflichten. Eduardo Vieira vom regionalen Unternehmerverband Firjan zeigte Verständnis: "Wir müssen realistisch bleiben. Durch diese Maßnahme sinken die Lohnkosten auf die Hälfte".

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Kommentiert: Ein gutes Beispiel globaler Solidarität

Der Vorgang um das ThyssenKrupp Stahlwerk in Brasilien zeigt: Durch die solidarische Zusammenarbeit in internationalen gewerkschaftlichen Unternehmensnetzwerken kann es gelingen, wichtige Unternehmensentscheidungen und deren Auswirkungen im Konzern gemeinsam mit lokalen Gewerkschaften und Betriebsräten im Sinne der Beschäftigten zu beeinflussen.

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Vorgestellt: Muji Rahayu – Deutlich werden

Muji RahayuMuji Rahayu klopft auf ein Handy. "Wer weiß", sagt sie, "vielleicht ist da auch ein Stück aus meiner Heimat drin." Soll sie stolz sein? Oder sich ärgern, weil das heißt: "Made in Indonesia" war wieder mal billiger als "Made woanders"? Muji Rahayu arbeitet für Lomenik, die Metall und Elektronikgewerkschaft in einem der drei großen Gewerkschaftsbünde in Indonesien. Ihr Job: Die Jugend zu organisieren. Und Rechtsbeistand zu organisieren - wenn Betriebsteile ausgelagert werden und die Arbeiter neue, schlechtere Verträge unterschreiben sollen. Oder wenn Unternehmen sich ins Ausland absetzen, ohne vorher die Löhne auszuzahlen. Ein schwieriger Job? "Ja", sagt Muji Rahayu, "denn die Kräfte sind ungleich verteilt."

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Vorgestellt: Bernt Kamin-Seggewies – Wie stark wir sind

Bernt Kamin-SeggewiesBernt Kamin-Seggewies nimmt kein Blatt vor den Mund. Woher ein Unternehmen kommt ist ihm egal. Wichtig ist der Umgang mit den Arbeitern, und der hängt von deren eigener Stärke ab. Das sieht man in Rotterdam, wo Chinesen den Hafen gekauft haben, sagt Kamin. Der Vorsitzende des Hamburger Gesamthafenbetriebsrats ist stolz auf den Erfolg, mit dem Hafenarbeiter in ganz Europa eine Richtlinie der EU-Kommission abgewehrt haben.

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Aus der Arbeitswelt: China nimmt Afrika unter Vertrag

China investiert in großem Stil auf dem afrikanischen Kontinent. Was die Regierungen begeistert, bringt afrikanischen Arbeitern wenig. Gewerkschafter im Kongo müssen sich neu aufstellen.

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Aus der Arbeitswelt: Der Preis für billiges Gemüse

Afrikanische Wanderarbeiter bauen im Süden Spaniens Gemüse für Europa an. Während die Früchte unter riesigen Plastikplanen reifen, sind die Arbeiter polizeilicher Willkür ausgesetzt. Sie haben keine Rechte, aber eine Gewerkschaft.

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Wen wir wollen

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat den Vorschlag der EU-Kommission, eine "Blue Card" für hoch qualifizierte Arbeitsmigranten einzuführen, mit Skepsis quittiert. Immigration sei keine einfache Lösung für Engpässe auf dem Arbeitsmarkt oder demografische Veränderungen, sagte EGB-Generalsekretär John Monks im Oktober in Brüssel.

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Aus der Arbeitswelt: Siemens soll Grundrechte für Arbeiter anerkennen

"Einen guten Startschuss" bescheinigten Siemens-Beschäftigtenvertreter aus zwölf Ländern ihrem Vorhaben, durch verbesserte Kommunikation mit der Internationalisierung des Managements Schritt zu halten. Das war vor zwei Jahren.

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Geringe Geldbuße

Transparency International hat die Geldsumme als zu niedrig kritisiert, mit der Siemens für selbst eingestandenes "Fehlverhalten" im Bereich Kommunikation büßen muss. Die Staatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts eingestellt. Siemens wurde die Zahlung von 450 Millionen Euro an Bestechungsgeldern für Aufträge vorgeworfen.

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Aus den Projekten: Verhandeln ist Neuland

Um ihre Interessen richtig vertreten zu können, müssen sich Gewerkschafter aus Vietnam mit kollektiven Abkommen auseinandersetzen, mit der Schlichtung von Streit, aber auch mit Mitarbeiterführung und dem Entwurf eines neuen Arbeitsgesetzes, nach dem Arbeitnehmer jetzt betriebliche Delegierte für die Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern wählen dürfen. Dabei hilft ihnen das Bildungswerk des DGB. Es unterstützt entsprechende Seminare in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Bund der Werktätigen und beteiligt sich auch an der Entwicklung von Lehrmaterialien und didaktischen Methoden. In Vietnam arbeitet das Bildungswerk des DGB zum ersten Mal in einem Land, das grundlegende Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation noch nicht unterzeichnet hat - die über Vereinigungsfreiheit zum Beispiel, oder die über das Recht auf kollektive Verhandlungen.

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Birma boykottieren

Birmas Gewerkschaftsbund FTUB hat im Oktober erneut den Abzug von ausländischen Investitionen gefordert, um das Militärregime unter Druck zu setzen. Der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), Guy Ryder, hat daraufhin weltweit 430 registrierte Unternehmen angeschrieben, um sie zum Boykott zu bewegen. Grund sei die Verschlechterung der Lage der Bevölkerung trotz der Investitionen; nur die Militärregierung und wenige Anhänger profitierten davon. "Die birmanische Junta, die schon seit Jahren für Morde, Folter, Zwangsarbeit in großem Umfang und die völlige Unterdrückung der Bevölkerung verantwortlich ist, bereichert sich in Milliardenhöhe, und jedes einzelne Geschäft trägt dazu bei, die Taschen der Generäle zu füllen", kommentierte Ryder die Aktion.

 

Kritik an Weltbank

Der Internationale Gewerkschaftsbund hat einen Jahresbericht der Weltbank kritisiert, nach dem der Abbau von Arbeitnehmerrechten zur Schaffung von Arbeitsplätzen führe.

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Notiert: Sozialer Dialog

Wie es um die Entwicklung der Volkswirtschaften und des Sozialen Dialogs in Südosteuropa und der Türkei bestellt ist, steht im Mittelpunkt einer kürzlich veröffentlichten Studie. Sie wurde herausgegeben vom Bildungswerk des DGB in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Metallarbeiterbund und der Gemeinsamen Arbeitsstelle der IG Metall mit der Ruhr-Universität Bochum. Auf 40 Seiten, illustriert mit vielen Grafiken und Tabellen, werden die ökonomischen Strukturen und die Arbeitsbeziehungen von Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Mazedonien und der Türkei miteinander verglichen. Fazit ist, dass der Soziale Dialog zwar überall institutionell verankert ist, die Umsetzung sich jedoch schwierig gestaltet. Die Studie ist das Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung eines EU-Projekts unter dem Titel "Stärkung des Sozialen Dialogs in der Region Südosteuropa unter Anwendung von CSRInstrumenten".

 

Notiert: Mord an Kollegen

Wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements wurden im Jahr 2006 weltweit 144 Menschen umgebracht und 800 geschlagen und gefoltert. Das ist die Bilanz eines im Oktober veröffentlichten Berichts des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), der sich im Einzelnen mit fast 5000 Verhaftungen und 8000 Entlassungen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern beschäftigt. Im Jahr 2006 wurden 484 neue Verhaftungen registriert. In vielen Ländern halten die Repressionen auch 2007 weiter an.

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Notiert: Unilever vor OECD

Wegen Gewerkschaftsbekämpfung im indischen Bundesstaat Assam gibt es eine neue Beschwerde gegen die Firma Unilever bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD.

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Notiert: Solidarität mit der IG Metall

Der Präsident von Brasilien, Luiz Inácio Lula da Silva, hat in einem Grußwort an den Gewerkschaftstag der IG Metall in Leipzig die Beziehungen zwischen den Gewerkschaften beider Länder gelobt.

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Chinas Investitionen fordern Lateinamerika

Brasilianische Metallgewerkschafter (CNM/CUT)

ThyssenKrupp in Rio: Bauen mit Chinesen – Chinas Investitionen fordern Lateinamerika

Foto: © Gerhard Dilger

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