Vom Elend hinter dem edlen Tropfen - Studie über Weinplantagen in Südafrika

Billig verkauft - teuer bezahlt

(10.10.17/Berlin/tat) Deutsche Supermärkte kämpfen um jeden Weinliebhaber - nicht nur mit Qualität, sondern vor allem mit dem billigsten Angebot. Die niedrigen Preise gehen zulasten der Arbeiter_innen auf den Traubenplantagen. Ihre Arbeitsbedingungen sind katastrophal, zeigt eine neue Oxfam-Studie.

 

Wenn sie die 70 Rebstöcke heute nicht aberntet, wird ihr der Lohn gekürzt. Oder sie muss Überstunden machen. Kann sie mehr als einmal die Vorgaben ihres Arbeitgebers nicht erfüllen, muss sie mit ihrer Entlassung rechnen. Beschwerden sind zwecklos: Wer sich gegen die Ausbeutung wehrt, wird ersetzt. Es ist ein erschütterndes Bild, das die neue Oxfam-Studie „Billig verkauft – teuer bezahlt“ über die Arbeitsbedingungen auf den Traubenplantagen Südafrikas offenbart.

Vor allem Frauen arbeiten auf den Feldern. Ihre Löhne liegen oft unter dem gesetzlichen Mindestlohn, sie sind der Willkür und dem enormen Druck ihrer Arbeitgeber ausgesetzt. Hinzu kommt: Vor dem Einsatz giftiger Pestizide sind sie nicht geschützt. Spezielle Kleidung bekommen sie in den allermeisten Fällen nicht gestellt, denn Gesundheits- und Arbeitsschutz spielt für die Farmbesitzer kaum eine Rolle. Dabei sind die gesundheitlichen Folgen für die Arbeiter_innen verheerend. Viele leiden an Haut- und Augenkrankheiten, Kopfschmerzen und Atemnot sind die Folgen. Es sind nicht nur die Frauen auf den Plantagen, die unmittelbar betroffen sind, sondern auch ihre Kinder und Angehörigen. In der Regel leben die Arbeiterinnen mit ihren Familien in der Nähe der Felder.

Kein Arbeitsvertrag, kaum Kontakt zu Gewerkschaften

Für die Studie hat Oxfam 343 Farmarbeiterinnen auf Traubenplantagen befragt. Unterstützt wurde die Entwicklungsorganisationen vom Women on Farms Project (WFP). Die südafrikanische Initiative kümmert sich um die Belange der Frauen auf den Plantagen, hilft ihnen ihre Rechte durchzusetzen und Diskriminierung zu überwinden. Etliche der befragten Arbeiterinnen haben keinen Arbeitsvertrag. Haben sie einen Unfall und müssen zum Arzt, streichen viele Farmbesitzer_innen den Saisonarbeiterinnen das Geld für den Tageseinsatz. Wie aus der Studie hervorgeht, kennen viele Frauen ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen nicht. Die Plantagenbesitzer_innen sorgen auch dafür, dass dies so bleibt. Gewerkschafter_innen dürfen die Felder nicht betreten. Den Arbeiterinnen ist es verboten, an Gewerkschaftstreffen teilzunehmen.

Längst zählen Weine aus Südafrika zum Standardsortiment sowohl der Supermärkte als auch der Discounter in Deutschland. Je nach Geschäft sind die günstigsten Varianten bereits für rund zwei Euro zu haben. Die Nachfrage ist hoch, das Angebot breit. Seit dem Jahr 2000 sind die Exportpreise von südafrikanischem Wein nach Deutschland um mehr als 80 Prozent gefallen, die Produktionskosten im Weinanbau sind dagegen in den vergangenen zehn Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. Dass die Arbeiterinnen auf den Plantagen zu solch katastrophalen Bedingungen arbeiten, liegt laut Oxfam auch an den deutschen Supermarktketten. „Die Supermärkte diktieren ruinöse Preise, diesen Preisdruck geben die Produzenten nach unten weiter“, sagt Franziska Humbert, Expertin für soziale Unternehmensverantwortung bei Oxfam.

Kehrtwende in Wirtschaft und Politik gefordert

Die Entwicklungsorganisation fordert eine radikale Kehrtwende. Vor allem in der Wirtschaft. In Deutschland wird den Angaben nach der Weinmarkt zu 80 Prozent von vier Supermarktketten bestimmt: Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe, hinter der Lidl und Kaufland stecken. Für Humbert sind die Supermarktketten das Nadelöhr, durch das Produzenten ihre Ware auf den deutschen Markt bringen müssen. Sie dürften sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sagt die Oxfam-Expertin.

Die Zustände im Weinanbau in Südafrika sind jedoch nur ein weiteres Beispiel für die heikle Lage Tausender Arbeiter_innen auf Obstplantagen. Im Rahmen der Kampagne „Make Fruit Fair“ hat Oxfam bereits Missstände auf Bananen- und Ananasplantagen in Ecuador und Costa Rica, sowie im Mangoanbau in Peru aufgedeckt. In ihren Schlussempfehlungen fordert die Entwicklungsorganisation daher Unternehmen und Importeure auf, dafür zu sorgen, dass ihre Lieferanten die Menschenrechte einhalten. Auch die Politik sieht Oxfam in der Pflicht. Die neue Bundesregierung müsse per Gesetz für bessere Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern sorgen.

 

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe III/2017

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe III/2017

Transformation Afrika: „Es ist wichtig, Alternativen zu präsentieren“; Bausektor: „Wir müssen in die chinesischen Multis rein!“; Landwirtschaft: Mehr Glück mit Schokolade; Energiesektor: Energie für Jobs auf dem Land; Informelle Arbeit: Eine Stimme für die 90 Prozent; Gewerkschaften kooperieren: „Dialog auf Augenhöhe“ u.a.

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Foto (re): Conflict & Development at Texas A&M/flickr, CC BY-NC-ND 2.0

 

 

 

 

 

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