Supermarkt-Check: Deutsche Ketten sind Schlusslichter in Sachen Menschenrechte

(13.07.2018 / OXFAM / Berlin) Oxfam-Studie zeigt: Supermärkte tun zu wenig, um Menschenrechte in ihren Lieferketten zu schützen

In einer neuen Studie analysiert die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam systematisch die Geschäftspolitik von Supermärkten in ihren Lieferketten. Im internationalen Vergleich schneiden die deutschen Ketten dabei mit am schlechtesten ab. Anhand von zwölf Produkten zeigt die Studie außerdem, dass die Durchschnittseinkommen von Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Arbeiter/innen unter dem Existenzminimum liegen, während Supermarktketten immer mehr vom Verkaufserlös behalten.Oxfam fordert von den Supermärkten,Verantwortung dafür zu übernehmen, dass bei der Produktion ihrer Lebensmittel Menschenrechte eingehalten werden.

Für den Supermarkt-Check hat Oxfam öffentlich zugängliche Informationen von 16 der größten und am schnellsten wachsenden Supermärkte in Deutschland, den Niederlanden, den USA und Großbritannien ausgewertet und mit internationalen Standards zum Schutz der Menschenrechte abgeglichen.

Menschenrechte sind für Supermärkte nur eine Fußnote
Das Ergebnis des Supermarkt-Checks ist katastrophal: Während Supermärkte aus Großbritannien und den USA teilweise zweistellige Bewertungen erhielten, erreichen die deutschen „Big Four“ (Aldi, Edeka, Lidl und Rewe) in jeder Kategorie nur null bis acht Prozent der Gesamtpunktzahl. Bei speziellen Schutzmaßnahmen für Frauen sind alle deutschen Ketten durchgefallen, beim Schutz von Arbeiter/innenrechten lag die höchste Bewertung bei zwei Prozent.

„Der Supermarkt-Check zeigt, dass Menschenrechte in der Geschäftspolitik der deutschen Supermärkte aktuell nur eine Fußnote sind“, sagt Barbara Sennholz-Weinhardt, Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Globalisierung. „Aldi, Edeka, Lidl und Rewe müssen endlich dafür sorgen, dass die Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen, fair behandelt werden. Der Supermarkt-Check ist ein Wegweiser dafür, was sie in Zukunft konkret tun können.“

Ungleichheit im Lebensmittelsektor steigt
Neben dem Supermarkt-Check zeigt die Studie „Die Zeit ist reif“ anhand von zwölf Produkten wie Kaffee, Garnelen oder Bananen, dass der Anteil, den Supermärkte am Verkaufspreis erhalten, beständig steigt. Die Durchschnittslöhne für Arbeiter/innen liegen bei diesen zwölf Beispielprodukten unter dem Existenzminimum. Die Untersuchung zeigt aber auch, dass Ungleichheit und Ausbeutung im Lebensmittelsektor gestoppt werden können. So ist etwa der Anteil, den Supermarktketten am Verkaufspreis einer Banane aus Ecuador bekommen, zwischen 2011 und 2015 enorm gestiegen. Allein aus diesem Anstieg könnte das Sechsfache des Betrags gezahlt werden, der Arbeiter/innen fehlt, um den Lebensunterhalt ihrer Familie bestreiten zu können.

Die Zeit ist reif: Supermärkte müssen handeln
„Wir weigern uns hinzunehmen, dass wirtschaftliche Ausbeutung und Leid Zutaten vieler Lebensmittel sind, die wir im Supermarkt kaufen“, sagt Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für soziale Unternehmensverantwortung. Oxfam fordert, dass Supermärkte Lieferwege und Herkunft ihrer Waren offenlegen und mithilfe lokaler Organisation menschenrechtliche Risikoanalysen vornehmen und veröffentlichen. Sie müssen dafür sorgen, dass Lieferanten Arbeiter/innen fair bezahlen und ihre Rechte wahren. Damit Arbeiter/innen gefahrlos Arbeitsrechtsverletzungen melden können, braucht es adäquate Beschwerdeverfahren. Die Supermärkte müssen außerdem sicherstellen, dass Frauen, etwa Farmarbeiterinnen auf Großplantagen, vor Gewalt und Diskriminierung geschützt sind.
Studie und Supermarkt-Check sind der Auftakt der weltweiten Oxfam-Kampagne „Fairness Eintüten“ (Englisch: „Behind the Barcodes“).

Redaktionelle Hinweise und Quellenangaben zur OXFAM-Studie
•    Die Deutsche Kurzfassung der Oxfam-Studie „Die Zeit ist reif“ (das Kapitel zum Supermarkt-Check beginnt ab Seite 18) finden Sie hier
•    Die Oxfam-Studie „Ripe for a change“ (auf Englisch) finden Sie hier
•    Der internationale Supermarkt-Check mit allen Bewertungen als Grafik
Mehr unter www.oxfam.de

 

 

 

 

 

 

 

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