Multistakeholder-Initiative: Textilbündnis ruckelt sich zurecht

(28.08.2017/Berlin/bew) Das Textilbündnis hat mit der Prüfung von Roadmaps eine neue Dimension erreicht 38 Mitglieder, darunter DGB und IG Metall, veröffentlichen ihre Roadmaps freiwillig. Der DGB schließt zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Seit rund drei Jahren ist das Textilbündnis am Start. Obwohl sich derzeit fast 150 Mitglieder aus Politik, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und Gewerkschaften beteiligen, gab es zuletzt Verunsicherung. Zur jüngsten Sitzung des Steuerungskreises gab es ganz unterschiedliche Schlagzeilen: „Kommt langsam in Bewegung“, schrieben die einen, die anderen verbreiteten, die Multistakeholder-Initiative stehe „vor dem Ende“. Was ist da los? Ein Überblick.

Gibt es das Textilbündnis noch?
Ja. Das Bündnis arbeitet und deckt derzeit rund 50 Prozent des deutschen Textilmarktes ab. Allerdings sind seit 2014 rund 40 Unternehmen wieder ausgetreten, weil sie sich den Regeln nicht anpassen wollten. Einige weitere Mitglieder müssen die sogenannten Roadmaps noch nachbessern, die sie zuletzt vorgelegt haben. In diesen Plänen erklären sie, was sie mithilfe welcher Maßnahmen an ihrer Praxis ändern und damit erreichen wollen. Externe Prüfer hatten 27 der Pläne als „nicht plausibel“ bewertet. Das hatte im Bündnis und in der Folge auch in den Medien zu Verunsicherung geführt.
 

Was stimmte nicht mit den „nicht plausiblen“ Roadmaps?
Offizielle Begründungen für die mangelnde Plausibilität gibt es nicht. Bekannt geworden sind aber sowohl technische als auch formale Probleme beim Ausfüllen der Vorlagen – hier ging es beispielsweise darum, dass die Mitglieder Texte nicht rechtzeitig freigegeben oder zu viel oder zu wenig Ziele genannt hatten. Die externen Prüfer kontrollierten die eingereichten Pläne offenbar vor allem formal und buchhalterisch. Einige kleinere Öko-Unternehmen bemängelten in einem gemeinsamen Brief  zudem nicht nur, dass der finanzielle und personelle Aufwand für sie unverhältnismäßig sei. Sie stellten auch in Frage, dass sie – obwohl Vorreiter in Sachen Ökologie und Fairness – genauso viele Verbesserungsvorschläge machen sollten wie Branchengrößen, die bis dato nicht nach globalen Nachhaltigkeits- und Fairnessstandards arbeiteten. Ob auch Pläne großer Unternehmen zurückgegeben wurden, ist nicht bekannt.
 

Sind die Roadmaps öffentlich?
Im laufenden Jahr ist die Veröffentlichung noch keine Pflicht. 38 Mitglieder haben ihre Pläne aber freiwillig online gestellt – auf der Homepage des Bündnisses und meist auch auf der eigenen. Ab 2018 müssen alle Mitglieder ihre Roadmaps zugänglich machen.
 

Wie transparent zeigen sich die im Bündnis vertretenen Gewerkschaften?
Sowohl der Deutsche Gewerkschaftsbund als auch die IG Metall haben ihre Roadmaps veröffentlicht.

Der DGB hat kürzlich eine strategische Partnerschaft mit dem BMZ angekündigt. Wie passt die zum Textilbündnis?
Sie ist eins der Ziele, die der DGB in seiner Roadmap nennt und das er damit bereits umgesetzt hat. Das gilt übrigens ebenso für das Ziel, „sich im Rahmen der G20 für das Thema Gute Arbeit in Lieferketten ein(zu)setzen“. Die Gewerkschaftsgruppe der G20, die L20, hat die Forderung prominent in ihre Abschlusserklärung zum Hamburger G20-Gipfel aufgenommen. Und auch für die Absicht, „innerhalb der ILO auf die Einhaltung der Kernarbeitsnormen (zu) achten“. Bei der ILO-Arbeitstagung im Juni mussten sich die RegierungsvertreterInnen aus Bangladesch nach einem Redebeitrag des DGB zu Verstößen gegen die Vereinigungsfreiheit rechtfertigen – sie waren Anfang des Jahres mit staatlicher Repression gegen weitreichende Streiks in der Textilindustrie vorgegangen.
 

Wie sieht die strategische Partnerschaft aus?
Die Partnerschaft konzentriert sich zunächst auf Länder, in denen die Textilindustrie einen wesentlichen Anteil am Bruttoinlandsprodukt haben, die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten aber oft miserabel sind. Der DGB will, dass „die Anliegen der dortigen Gewerkschaften zunehmend in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit eingebunden werden“. Dazu wollen die Partner globale Gewerkschaften und Gewerkschaften vor Ort durch Personal und zusätzliche Bildungs- und Informationsmaßnahmen unterstützen. Das BMZ will zudem mit den deutschen Gewerkschaften im Bereich der Sozialstrukturförderung weiterhin kooperieren. Allein dass das BMZ anerkennt, dass Gewerkschaften wichtige Player in der Entwicklungszusammenarbeit sind, ist schon ein großer Erfolg.
 

Gibt es auch schon etwas Konkretes?
Das erste Projekt der strategischen Partnerschaft ist die Einrichtung einer Stelle beim Globalen Gewerkschaftsverbund IndustriAll, die die Aktivitäten in Asien koordinieren soll – dabei geht es auch um Capacity Building für die lokalen Gewerkschaften.
 

Wie geht es weiter mit dem Textilbündnis?
Im kommenden Jahr müssen alle Mitglieder ihre Roadmaps veröffentlichen. Es ist möglich, dass einzelne Unternehmen dann noch abspringen. Frank Zach, der den DGB im Steuerungskreis vertritt, hält es aber vor allem für notwendig, konkrete Projekte anzusteuern. Thema könnten etwa existenzsichernde Löhne sein. Zach: "Die Frage ist, wie kann man in den Produktionsländern unter den gegebenen Bedingungen mit unwillligen Regierungen und oft schwachen Gewerkschaften Löhne durchsetzen, die das Überleben der Beschäftigten und ihrer Familien sichern?"

 

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe III/2017

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe III/2017

Transformation Afrika: „Es ist wichtig, Alternativen zu präsentieren“; Bausektor: „Wir müssen in die chinesischen Multis rein!“; Landwirtschaft: Mehr Glück mit Schokolade; Energiesektor: Energie für Jobs auf dem Land; Informelle Arbeit: Eine Stimme für die 90 Prozent; Gewerkschaften kooperieren: „Dialog auf Augenhöhe“ u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2017-iii

Foto (re): Conflict & Development at Texas A&M/flickr, CC BY-NC-ND 2.0

 

 

 

 

 

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