Mehr als 40 Millionen Menschen weltweit leben in Sklaverei

(20.09.2017/Genf/bew) Mehr als 40 Millionen Menschen weltweit leben in Sklaverei. Gegen ihren Willen müssen sie harte und oft gefährliche Arbeit verrichten. Millionen Frauen – und auch Männer - wurden zwangsverheiratet und können aus Angst vor Gewalt nicht fliehen: Moderne Sklaverei ist weltweit ein Problem. Internationale Organisationen fordern die Staatengemeinschaft auf, Ausbeutung und Zwangsarbeit stärker zu bekämpfen.

Sie schuften auf Plantagen, Minen und auf Baustellen, werden in Privathaushalten ausgebeutet, sind der Willkür reicher Fabrikbesitzer ausgesetzt: Mehr als 40 Millionen Menschen weltweit leben als Sklaven. So lautet das Ergebnis einer neuen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Vor allem Frauen und junge Mädchen werden Opfer jeglicher Form von Sklaverei. Sie machen mehr als zwei Drittel der Betroffenen aus. Ein Großteil wird körperlich, sexuell und psychisch ausgebeutet. Bei etwa 15 Millionen handelt es sich laut ILO um Opfer von Zwangsheiraten. Mehr als ein Drittel waren minderjährig zum Zeitpunkt der Heirat. Die Zahlen wurden gemeinsam von der ILO, der Walk Free Foundation und der Internationalen Migrationsorganisation (IOM) erhoben.

Auch die Zahl der Kinderarbeiter ist nach wir vor erschreckend hoch (siehe hier). Laut Studie müssen weltweit rund 152 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten. Die meisten schuften auf Feldern oder Plantagen, jedes fünfte Kind arbeitet im Dienstleistungssektor. Dem Report zufolge sind 64 Millionen Mädchen, 88 Millionen Jungs. Die meisten Kinderarbeiter gibt es in Afrika (72 Millionen), 62 Millionen leben in Asien, zehn Millionen in Lateinamerika, 5,5 Millionen in Europa und Zentralasien. Ein Drittel der Kinder, die arbeiten müssen, gehen nicht zur Schule. Millionen sind zudem hohen Gefahren und Risiken an ihren Arbeitsplätzen ausgesetzt.

Guy Ryder, ILO-Generaldirektor, zeigte sich alarmiert anlässlich der Vorstellung der Zahlen bei der UN-Generalversammlung in New York. Er rief die Staats- und Regierungschefs auf, moderne Sklaverei entschieden zu bekämpfen. Wenn sich an diesem dramatischen Zustand nichts ändere, sei die Welt nicht in der Lage die UN-Nachhaltigkeitsziele
zu erreichen, sagte Ryder. Der Kampf gegen Armut, die Bekämpfung von Sklaverei sowie Schutz und Unterstützung für Kinder zählen mit zu den wichtigsten Zielen des Nachhaltigkeitskatalogs, auf den sich die Staats- und Regierungschefs geeinigt haben.

Das Ziel 8.7 befasst sich mit dem Ende der Sklaverei. In der gleichnamigen Allianz haben sich die Staaten und zivilgesellschaftliche Akteure zusammengeschlossen, um das Ziel bis zum Jahr 2030 zu erfüllen. Der Vorsitzende der Walk Free Foundation, Andrew Forrest, bezeichnete die hohe Zahl der ausgebeuteten Menschen als „Schande“. Die Angaben seien ein Zeichen sowohl für das erschreckende Ausmaß an Diskriminierung und Ungleichheit in der heutigen Welt, als auch für das Stillschweigen über Ausbeutung. „Das muss aufhören“, sagte Forrest. Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und jeder Einzelne müssten dazu beitragen, diese Zustände zu ändern.

Auch die Anti-Sklaverei-Organisation International Justice Mission (IJM) appellierte an die Weltgemeinschaft, sich für die ausgebeuteten Menschen einzusetzen. Dietmar Roller, Vorstandsvorsitzender von IJM Deutschland, sprach sich für einen globalen Fonds zu Beendigung von Sklaverei aus. Großbritannien und die USA hätten bereits jeweils 25 Millionen US-Dollar zugesagt, um einen solchen Fonds einzurichten. „Das Ausmaß und die Schrecken von Sklaverei sind skandalös“, sagte Roller. „Sklaverei gibt es auch in Deutschland und ist in vielen unserer Lieferketten zu finden.“ Er rief die nächste Bundesregierung dazu auf, Maßnahmen gegen Sklaverei zur Priorität zu machen und für den Fonds ebenso 25 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu stellen.

Links
system/files/global_estimates_of_child_labour-results_and_trends_2012-2016.pdf
www.ilo.org/global/topics/sdg-2030/lang--en/index.htm
www.alliance87.org/#alliance-events
ijm-deutschland.de/

 

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe III/2017

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Ausgabe III/2017

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Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2017-iii

Foto (re): Conflict & Development at Texas A&M/flickr, CC BY-NC-ND 2.0

 

 

 

 

 

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