Die Welt braucht eine Lohnerhöhung! - Zum Welttag für menschenwürdige Arbeit

(05.10.2017/ Berlin/bew) Umgerechnet 70 Milliarden US-Dollar Bruttogewinn macht die südkoreanische Samsung Group im Jahr.  220 Dollar monatlich verdienen seine Produktionsarbeiterinnen. Zu wenig, um die Familie zu ernähren. Viele arbeiten deshalb noch nebenher. Wie die 35 jährige Hesty, die 6 Tage die Woche in der Fabrik steht und abends und am Sonntag Kosmetika verkauft. Sie ist eins der Gesichter für die Kampagne „Asia fight für +50“, die asiatische Gewerkschaften rund um den Welttag für menschenwürdige Arbeit  ausgerufen haben, der am 7. Oktober statt findet.

„-50“ bedeutet 50 Dollar mehr – so viel im Monat mehr fordern die Gewerkschaften für die Beschäftigten in den Lieferketten der großen Konzerne. Damit wollen sie existenzsichernden Löhnen näher kommen. „Wenn Samsung allen Beschäftigten in der Wertschöpfungskette existenzsichernde Löhne zahlen würde, würde das den Bruttojahresgewinn nur auf 69 Milliarden Dollar schmälern“, rechnen sie vor.

Dieses Missverhältnis gilt auch für andere Branchen. Nur ein Beispiel: Würden die Fabrikarbeiter_innen, die in Bangladesch für Zara arbeiten, würde eine Jeans des Modehändlers gerade einmal 30 US-Cent teurer. 

„Stopp der Profitgier! Die Welt braucht eine Lohnerhöhung!“ ist deshalb das gemeinsame Motto des diesjährigen Welttages für menschenwürdige Arbeit. Nicht nur in Asien, sondern auch in Latein- und Nordamerika, in Afrika und Europa sind Veranstaltungen wollen  Gewerkschafter_innen höhere Löhne und fordern Tarifpartner und Regierungen auf, sie umzusetzen.

In Deutschland richtet sich das Interesse der Beteiligten auf die derzeitigen Koalitionsverhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung. In einer gemeinsamen Erklärung mit verschiedenen NGOs verlangt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), dass  die künftigen Regierungsparteien „im Koalitionsvertrag konkrete Schritte zur Sicherung der Menschenwürde in der Wirtschaft hierzulande und weltweit vereinbaren“. Soziale Rechte müssten Priorität haben und dürften von der künftigen Regierung nicht in Frage gestellt werden. Die Verbände verweisen auf den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte, in dem die Bundesregierung Ende 2016 deutsche Unternehmen aufgefordert hatte, auch in ihren globalen Wertschöpfungsketten die Menschenrechte zu achten und spätestens bis 2020 ihre "Sorgfaltspflichten" umzusetzen.

Die künftige Bundesregierung müsse auch in Deutschland ausbeuterische Arbeitsbedingungen konsequent bekämpfen, heißt es weiter. "Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen sind nicht hinnehmbar, sei es bei Wanderarbeitnehmern auf Baustellen oder in der Fleischindustrie", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. "Die Handlungsmöglichkeiten für Gewerkschaften müssen gestärkt werden und bei grenzüberschreitenden Arbeiten dürfen keine rechtsfreien Räume entstehen. Zur konkreten Durchsetzung der Rechte bedarf es wirkungsvoller Arbeitsinspektionen in allen Ländern.“

Der Welttag für menschenwürdige Arbeit findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Ausgerufen hatte ihn der Internationale Gewerkschaftsbund bereits bei seiner Gründung 2006. Die Idee ist, Gewerkschaften weltweit einen Tag zu geben, an dem sie gemeinsam und öffentlich für Arbeitsbedingungen eintreten, die den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation entsprechen: keine sklavenähnliche, erzwungene und  Kinderarbeit, keine Diskriminierung, aber das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen. Der Welttag wurde 2008 zum ersten Mal begangen.
 

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe IV/2017

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe IV/2017

Living Wage: ACT in der Textilindustrie – Living Wage als großes gemeinsames Ziel; Der Kommentar: Wir brauchen einen globalen Weg!; Fairer Handel: „Eigentlich eine Aufgabe von Politik und Wirtschaft“; Malawi Tea 2020: Beim Tee vorbildlich; Großbritannien: Verwirrspiel mit Begriffen; Aus den Projekten: „Weniger in Konkurrenz denken“ u.a.

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Foto (re): Chhor Sokunthea / World Bank East Asia and Pacific / flickr,
CC BY-NC-ND 2.0

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