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Ausschreibung Übersetzung "Methodenkompendium"

(29.03.2018 / Düsseldorf) Das DGB Bildungswerk BUND - Nord-Süd-Netz vergibt im Rahmen seines Projektes "Projektbegleitende Maßnahmen für gute Arbeit weltweit" Übersetzungen eines Methodenkompendiums aus dem Deutschen ins Spanische und brasilianische Portugiesisch. Auskünfte zum Vergabeverfahren oder der nachgefragten Leistung beantworten wir gerne bis zum 05.04.2018. Angebote werden postalisch bis zum 11.04.2018, 12:00 Uhr erbeten. Wir freuen uns auf Ihr Angebot.

Zu den Ausschreibungsunterlagen (Bekanntmachung und Bewerbungsbedingungen) geht es hier: system/files/ausschreibung_pbm_ue_methodenkomp_bekanntmachung.pdf und hier system/files/ausschreibung_pbm_ue_methodenkomp_bewerbungsbedingungen.pdf.

Globale Rahmenabkommen - ein erfolgreiches Instrument von IndustriALL Global Union

(16.03.2018/aed) Das Nord-Süd-Netz im DGB Bildungswerk unterstützt Gewerkschaften weltweit. In einem unserer Projekte unterstützen wir IndustriALL Global Union in der Umsetzung ihrer Globalen Rahmenabkommen im Textilsektor in Bangladesch und der Türkei.

Radio Labour hat sich das Instrument der Globalen Rahmenabkommen bei IndustriALL Global Union einmal etwas genauer angesehen und in knappen vier Minuten einen sehr guten Überblick zusammengestellt: Zum Anhören hier klicken (nur auf Englisch)

Regeln für die Digitale Revolution

UNI Global Union - The Future World Of Work

(22.12.2017 / Berlin / tat) Die Digitalisierung hält in allen Branchen Einzug. Sie erleichtert viele Jobs, zugleich macht sie Arbeitsplätze überflüssig. Internationale Gewerkschaftsverbände haben nun Leitlinien für die digitale Revolution aufgestellt. Ihre Befürchtung: Die Datensammelwut gefährdet den Schutz der Mitarbeiter – vor allem auch in Staaten, die gegen die Menschenrechte verstoßen.

Künstliche Intelligenz löst den Bandarbeiter ab. Eine Betriebssoftware speichert nicht nur persönliche Daten der Arbeiter_innen für die Lohnabrechnung, sondern auch das Tempo mit dem die Tätigkeiten erledigt werden, sowie Pausenzeiten und die Qualität der Arbeit. Der gläserne Arbeiter ist der Kontrolle der Arbeitgeber ausgeliefert. Um die Arbeiter_innen im digitalen Zeitalter besser zu schützen, hat der internationale Gewerkschaftsdachverband UNI Global Union nun Leitlinien für die Zukunft der Arbeit veröffentlicht.

Für den Generalsekretär des Verbands, Philip Jennings, sind der Umgang mit den Datenmengen und  der Einzug Künstlicher Intelligenz in die Unternehmen mit die wichtigsten Themen der Gewerkschaftsbewegung. „Während der industriellen Revolutionen haben Gewerkschaften Standards für Löhne, Arbeitszeiten und Arbeitsschutz gesetzt. Nun müsse sie dasselbe dringend für die Digitale Revolution leisten.“ Eigenen Angaben nach vertritt der Dachverband rund 20 Millionen Mitglieder in 150 Ländern.

Ohne Leitlinien könnte sich die globale Ungleichheit verschärfen

Daten zählen heutzutage zu den wertvollsten Informationen für die Unternehmen. Sie gelten als das „neue Gold“ in der Wirtschaft. Doch Beschäftigte haben in den meisten Fällen keine Kontrolle über die Daten, die Arbeitgeber über sie sammeln und speichern. Gibt es keine Richtwerte, werden diese Entwicklungen die globale Ungleichheit weiter verschärfen, vermutet Jennings.

Schwerpunkt der UNI-Leitlinien ist der Schutz der Privatsphäre der Mitarbeiter_innen. Dazu zählt auch, Informationen über Anstellung oder Kündigung eines Arbeitsverhältnisses nicht weiterzugeben. Es geht um das „Recht auf eine Erklärung“. Ohne ein solches Recht, gibt es keine Kontrolle darüber, warum bestimmte Entscheidungen über die Beschäftigten getroffen werden, erklärt der Gewerkschaftsdachverband. Zudem sollen die Arbeitnehmer_innen wissen, welche Daten über sie gesammelt werden und reagieren können. Das bedeutet: Sie sollen einfordern, dass persönliche Informationen korrigiert, blockiert oder gelöscht werden.

Globales Abkommen zu Künstlicher Intelligenz gefordert

Gerade auch in Staaten, in denen Arbeitnehmerrechte erhebliche Mängel aufweisen, sind diese Leitlinien wichtig. Der Zugang zu Daten kann es Beschäftigten erleichtern, ihre Rechte einzufordern oder gegen ungerechtfertigte Kündigungen vorzugehen. Ziel der UNI Global Union ist es, die Leitlinien zum festen Bestandteil von Tarifverträgen und zum Standard internationaler Arbeitsrechte zu machen.

Für den Einsatz Künstlicher Intelligenz im Arbeitsleben fordern die Gewerkschaften zudem ein globales Abkommen zu ethischen Standards. Damit soll auch den negativen Folgen der Digitalisierung begegnet werden. „Von den digitalen Innovationen sollen alle profitieren, nicht nur einige wenige“, sagt UNI-Generalsekretär Jennings. Man könne weitreichende Entscheidungen nicht Technologieunternehmen und Arbeitgebern überlassen.
 

"Wir lernen selbstverständlich gegenseitig voneinander" - Interview mit Ronja Endres, Mitglied im Jugendkomittee des Internationalen Gewerkschaftsbunds

(20.12.2017 / Berlin / bwi) Was war in der internationalen Gewerkschaftsjugendarbeit in 2017 los und was sind die Themen für das nächste Jahr. Die NSN-Redaktion sprach mit Ronja Endres, Vertreterin der DGB-Jugend im Jugendkomittee des Internationalen Gewerkschaftsbunds.

NSN: Ronja, wieso brauchen junge Menschen in der internationalen Gewerkschaftsarbeit besondere Beachtung?

Ronja Endres: Dass es viele junge Menschen in der Arbeitswelt immer schwerer haben, eine Perspektive zu finden, ist ein globales Phänomen. In Deutschland haben wir noch eine relativ geringe Jugendarbeitslosigkeit, aber junge Menschen trifft die zunehmende Flexibilisierung auch hier mit voller Wucht, die Arbeitsbedingungen werden immer prekärer, das Arbeitsaufkommen dichter und ohne unbefristeten Vertrag finden sie keine Wohnung. Keine Situation, in der man gerne eine Familie gründen möchte – oder kann. In vielen Ländern sind jedoch schon die Erwerbslosenzahlen unter jungen Menschen katastrophal. Gar nicht zu reden von denen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Das sind ja auch oft die Jungen, weil die Familien glauben, dass die den harten Weg am ehesten durchstehen und sie zuhause wegen Krieg oder Armut keine Perspektive sehen.

Was ist deren Situation?

Was man in einem Bürgerkrieg wie in Syrien oder auch was man in der Ukraine lernt, ist für das Arbeitsleben nicht dienlich: Man weiß, wie sich Bombenalarm anhört, fallende Bomben. Krisenherde bringen Generationen hervor, die nichts kennen als Konflikte. Das kann nicht gut sein.  Manche haben dort auch schon ein Studium oder eine Arbeit angefangen. Aber wenn sie weg müssen, werden sie dort rausgerissen und müssen woanders unter ganz anderen Bedingungen neu anfangen.  

Kann man über so etwas besser in eigenen gewerkschaftlichen Jugendstrukturen sprechen?

Das gehört nicht nur in diesen Rahmen, aber auch. Der deutliche Vorteil einer Jugendstruktur ist, dass man zunächst unter sich ist, und dass es dort einen Fokus auf die eigenen Themen  gibt, man nicht alles andere mitverhandeln muss. Denn auch außerhalb von solchen Extremsituationen haben junge Menschen andere Sorgen als ältere. Etwa den  schwierigen Einstieg ins Arbeitsleben. Und ich merke tatsächlich bei jeder Generation JAVis (Jugendausbildungsvertreter_innen, Anm. d. Red.), dass sie etwas Neues umtreibt:  Früher interessierte, wer die Fahrtkosten zahlt, jetzt die Digitalisierung. Es ist sowohl wichtig, dass das nicht untergeht, als auch dass man sich zunächst untereinander darüber verständigt, was man will. Die DGB-Jugend ist so sehr erfolgreich damit, Themen auf die Agenda auch des DGB zu setzen.

Du sitzt für die DGB-Jugend im Jugendkomitee des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Was hast du dort über die Strukturen in anderen Ländern erfahren?

In Europa  gibt es Länder, wo die Strukturen den unseren ähneln, am meisten in Österreich. Aber je globaler man weg geht, desto weniger findet man eigene Jugendorganisationen. Das muss aber nicht schlecht sein, es sind einfach andere Traditionen. In Amerika zum Beispiel gibt es sowieso weniger Hierarchien, da ist der Young Workers' Congress ganz erfolgreich. Oft kann man aber froh sein, wenn es überhaupt einen Youth Officer gibt. Wobei das meist hauptamtliche Gewerkschafter_innen sind. Bei uns dagegen haben die Ehrenamtlichen viel zu sagen, es sind einfach andere Traditionen.

Der IGB hat seine Zentrale in Brüssel, der Gründungskongress fand in Wien statt, der zweite Kongress in Berlin, und der dritte wird Ende 2018 in Kopenhagen sein, das ist sehr europazentriert. Wo bleibt da der Rest der Welt?

Wer diese Treffen ausrichtet, ist natürlich auch eine Frage der Finanzierung.  Der IGB ist aber eine globale Organisation und vor meiner Zeit hatten wir auch einen Kongress in Kanada. Im Jugendkomitee haben wir Vertreter_innen aus allen möglichen Ländern. Die letzte Sitzung fand zum Beispiel in Washington statt. Und es gibt ja auch andere Möglichkeiten des Austauschs: Wir besprechen uns telefonisch und per Skype, wir haben eine WhatsApp-Gruppe, ich habe zum Beispiel einen Workshop in Palästina gemacht, bei dem es um Jugendstrukturen ging und eine SummerSchool in Aserbaidschan besucht, wo junge Leute sich austauschen konnten.

Ist das eine eher einseitige Unterstützung des globalen Nordens für den Süden?

Wir lernen selbstverständlich gegenseitig voneinander. Ein großes Thema ist fast überall Organizing, also wie man neue Mitglieder gewinnt – da haben die asiatischen Kolleg_innen zum Beispiel sehr wirkungsvolle Kampagnen. Auf den Philippinen hat SENTRO die „RESPECT fast food workers“-Kampagne gestartet und diese mit ihrer Jugendkampagne gekoppelt um so auch in die Schulen und die Gemeinden zu gehen um junge Leute für ihre Sache zu gewinnen.  Und wir sehen, dass Gewerkschafter_innen im globalen Süden noch unter ganz anderen Bedingungen arbeiten. Ein Kollege aus Pakistan war schon drei oder vier Mal im Knast für das, was er macht. Oder wir reden über die Bundestagswahl und unsere Sorgen angesichts des wachsenden Populismus - da erzählt eine philippinische Kollegin, dass ihr Freund auf der Straße erschossen wurde, weil er angeblich mit Drogen zu tun hatte. Mit solchen Bedrohungen haben wir hier zum Glück praktisch keine Erfahrungen mehr.

Gab es 2017 einen Erfolg, der dich besonders gefreut hat?

Wir bekommen so langsam einen Kontakt zur Internationalen Arbeitsorganisation, zur ILO. Dort gibt es jetzt eine Plattform „Decent Jobs for Youth“, bei der sie uns irgendwie vergessen hatten obwohl wir ja Experten sind für die Arbeitsbedingungen junger Menschen. Dort werden Kontakte gesammelt und  Beispiele für best practice vorgestellt. Ich habe zusammen mit der ITUC-Jugend-Koordinatorin in Genf  angerufen und offene Türen eingerannt  – das war der erste Schritt in eine  Zusammenarbeit. Wir kommen weiter, wenn wir das gemeinsame Ziel mit einem gemeinsamen Plan verfolgen.

Was werden die Themen 2018?

Neben der Zusammenarbeit mit der ILO wird uns die Schwächung der Demokratie, die Populismusdebatte in vielen Teilen der Welt weiter beschäftigen, ich sehe das als eine gemeinsame Herausforderung.

Ende 2018 findet wieder ein IGB-Kongress statt. Werdet ihr als Jugend dort besonders auffallen?

Auf jeden Fall! Wir wollen dort sichtbar sein. Am wichtigsten fände ich es, eine Jugendrede zu bekommen, nur für unsere Themen. Die sollte die Präsidentin des Jugendkomitees halten, Nana aus Ghana (Nana Koomah Brown-Orleans. d. Red.). Meine Idee ist, dass während dieser Rede alle jungen Menschen im Raum eine gemeinsame Aktion machen – das ist dann auf jeden Fall erhellend: Entweder wird klar, dass wir ganz viele sind. Oder, wenn nicht, dass dringend etwas getan werden muss, damit mehr junge Menschen mitmachen. Aber am Ende entscheiden wir natürlich als Gremium was wir tun wollen – demokratisch und fair.

Ronja Endres sitzt für die DGB-Jugend im Jugendkomitee des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB).

Energiewende: Gewerkschaften fordern gerechten Strukturwandel

(08.12.17 / Berlin / tat) Polen ist 2018 Gastgeber der UN-Klimakonferenz, einem Land, das auf Kohlestrom setzt. Daniel Schneider, Referent für Umwelt- und Klimapolitik im DGB-Bundesvorstand, spricht sich für einen Aktionsplan für die Beschäftigen in der Region aus. Denn: Nur wenn der Strukturwandel gerecht abläuft und es Perspektiven gibt für die Menschen, kann die Energiewende erfolgreich sein.

Die Klimakonferenz 2018 in Kattowitz in Polen soll den Durchbruch bringen, um das Klimaabkommen von Paris umzusetzen. Hat die diesjährige Konferenz in Bonn gute Vorarbeit geleistet?

Daniel Schneider: Eine zentrale Aufgabe dieser „Arbeitskonferenz“ war die Erstellung eines Regelwerks zum Klima-Reporting. Hierbei geht es vor allem darum, in einem transparenten Prozess Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen nationalen Minderungsbeiträgen der Vertragsstaaten sicher zu stellen. Ohne diese gemeinsame Grundlage ist es kaum möglich, Aussagen darüber zu treffen, ob die jeweiligen zugesagten Minderungsbeiträge (NDCs) dafür ausreichen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Sehr positiv ist für die internationale Gewerkschaftsbewegung die Tatsache, dass die Forderung nach einem gerechten Strukturwandel und guter Arbeit im Rahmen der Umsetzung des Paris-Abkommens immer stärkeres Gehör und Unterstützung seitens der Zivilgesellschaft und der Regierungen findet. Die Frage, wie Klimapolitik mit Strategien für einen gerechten Strukturwandel verbunden werden kann, um eine Perspektive für die Beschäftigten in besonders betroffenen Branchen und Regionen zu bieten, war auf dieser Klimakonferenz ein intensiv und viel diskutiertes Thema. Für die Gewerkschaften ist ein zentraler Punkt, dass sich die Regierungen dazu verpflichten, die Grundsätze eines gerechten Strukturwandels auch in konkrete politisch-messbare Instrumente umzusetzen.

Fidschi hatten den Vorsitz bei der diesjährigen Klimakonferenz inne – und führte neue Verhandlungsmodelle ein. Ein guter Vorschlag?

Ausdrücklich begrüßt wird von der internationalen Gewerkschaftsbewegung die Schaffung des sogenannten Talanoa-Dialogs. Talanoa ist ein verbreitetes Konzept auf Fidschi und im pazifischen Raum. Es bezeichnet einen Austausch, der inklusiv und transparent ist, in dem Menschen sich gegenseitig zuhören und die Sichtweise des Gegenübers respektieren - für Lösungen zum Wohle aller. Zur Vorbereitung der COP24 in Kattowitz soll der Talanoa-Dialog unter Führung der alten und der neuen Präsidentschaft Beiträge aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenfassen und eine Bestandsaufnahme zur Erreichung des 2-Grad-Ziels machen. Damit sollen die Vertragsstaaten dazu ermuntert werden, noch ehrgeiziger zu werden und die Klimalücke der gesteckten Ziele zu schließen.

Welche Bedeutung hat dieser Aspekt mit Blick auf die nächste Klimakonferenz in Polen – einem Land, das stark auf Kohleverstromung setzt?

Die COP 24 findet in einer Region statt, die in Zukunft besonders stark durch den Strukturwandel betroffen sein wird. Die internationale Gewerkschaftsbewegung fordert daher vor der COP24 ein Highlevel-Forum, auf dem sich Politiker gemeinsam mit Vertretern der Ministerien und der Gewerkschaften über einen „Kattowitzer Aktionsplan für einen gerechten Strukturwandel“ in der Region verständigen, („Katowice plan of action for Just Transition") um den Beschäftigten dort eine Perspektive aufzuzeigen. Denn nur wenn der Strukturwandel gerecht abläuft und Perspektiven für die betroffenen Regionen, Branchen und Beschäftigten und ihre Gemeinschaften bietet, kann er auch erfolgreich sein.

Auf dem Bonner Klimagipfel gaben einige Staaten bekannt, dass sie sich zu einem Anti-Kohle-Bündnis zusammenschließen. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

Grundsätzlich ist es richtig und wichtig, dass Staaten auf dem Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft zusammenarbeiten und Erfahrungen austauschen. Das gilt einerseits für Industrieländer in ihrem Bemühen zur CO2-Minderung, aber auch für Entwicklungs- und Schwellenländer beim Aufbau einer regenerativen Energieversorgung. Man muss jedoch auch berücksichtigen: für Länder wie Frankreich oder Großbritannien mit einem geringen Anteil von Kohle am nationalen Strommix und einem hohen Anteil von Strom aus Atom- oder Gaskraftwerken ist es relativ einfach, ein Ausstiegsdatum aus der Kohleverstromung im Jahr 2030 festzulegen.

Die Bundesregierung hat sich dem Bündnis nicht angeschlossen. 

Deutschland wird richtigerweise aus der Atomkraft aussteigen. Dadurch werden aber Kohlekraftwerke noch einige Jahre für Versorgungssicherung und bezahlbare Energiepreise notwendig sein. Dies ist insbesondere auch für die Industrie in Deutschland wichtig, die auf eine verlässliche Versorgung mit bezahlbarer Energie angewiesen ist. Nicht alle der 18 Länder der so genannten „Powering Past Coal Alliance“ müssen eine Schwerindustrie versorgen. Daher müssen in Deutschland zunächst im Rahmen der Energiewende etwa mit dem Netzausbau und der Schaffung von Speichertechnologien Voraussetzungen für die Dekarbonisierung geschaffen werden. Darüber hinaus müssen die erneuerbaren Energien weiter ambitioniert ausgebaut werden. Denn durch die geplante Nutzung von Strom für Elektromobilität und Heizungen wird der Bedarf nach CO2-freiem Strom steigen. Hierfür müssen zunächst die politischen Weichen gestellt und Innovationen vorangetrieben werden. Es macht daher für Deutschland wenig Sinn, sich auf eine konkrete Jahreszahl für einen Kohleausstieg festzulegen.

Aus Ihrer Sicht: Welche Schritte müssen nun angegangen werden?

Der DGB steht gemeinsam mit seinen Mitgliedsgewerkschaften zu dem in Paris festgelegten Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel und auch die nationalen Ziele zu erreichen, muss jedoch die Energiewende in Schwung gebracht werden. Dafür brauchen wir Planungs- und Investitionssicherheit für die Energiewende durch verlässliche Ziele. Mit der Energiewende geht Deutschland einen konsequenten Weg, um die Energieversorgung auf erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz umzustellen. Um die Klimaziele zu erreichen, ist eine schrittweise Reduzierung der Verbrennung fossiler Brennstoffe in allen Sektoren erforderlich. Auf dem Weg zu den gesetzten Langfristzielen sollten Zwischen- und Sektorenziele definiert werden. Dabei ist Kohärenz zwischen den Zielen der verschiedenen administrativen Ebenen unverzichtbar. Bestehende Pläne wie der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz, die Energieeffizienzstrategie Gebäude und der Klimaschutzplan 2050  müssen aufeinander abgestimmt fortgeschrieben werden und europäischen wie internationalen Zielen entsprechen.

Welche Rolle spielt die Industrie?

Die Energiewende ist und bleibt eine richtige politische Entscheidung. Die Umsetzung kann aber nicht alleine dem Markt überlassen werden, sondern bedarf einer aktiven Energie-, Industrie- und Strukturpolitik. Damit wird sichergestellt, dass die Chancen besser genutzt und Risiken stärker minimiert werden können. Wohlstand und Dekarbonisierung sind keine Widersprüche. Wir brauchen mehr qualitatives Wachstum. Grundlage hierfür ist eine zukunftsfähige industrielle Basis, die in Deutschland bei energieintensiven Grundstoffindustrien beginnt und auf vollständigen Wertschöpfungsketten basiert. Eine starke Industrie kann als Problemlöser einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft leisten. Dabei ist insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit industrieller Wertschöpfung zu stärken.

Welche Chancen sehen Sie für den Arbeitsmarkt?

Last but not least brauchen wir eine Energiewende-Politik für neue Beschäftigung und gute Arbeit. Im Mittelpunkt einer gerechten Strukturentwicklung („Just-Transition-Strategie“)   muss auch die Frage stehen, wie die Energiewende zu einem Beschäftigungsaufbauprogramm entwickelt werden kann. Dazu bedarf es einer klugen Innovations-, Investitions- und Qualifizierungsoffensive. Klima- und energiepolitische Langfristziele sollten deshalb auch mit beschäftigungspolitischen Zielen (Beschäftigungsaufbau, gute Arbeit, Tarifbindung) verbunden werden. Bei den notwendigen Veränderungen müssen Strukturbrüche zulasten von Beschäftigten verhindert werden.
 

„Sweatshops gibt es auch bei uns“ - Interview mit Edjane Rodrigues der Bundesjugendsekretärin der CUT Brasilien

Grusswort der CUT Brasilien auf der DGB-Bundesjugendkonferenz

(12.11.2017/Berlin/ bew) Auch in Brasilien sind die Arbeitsbedingungen in den Wertschöpfungsketten ein großes Thema.  Bisherige Versuche, sie zu verbessern und die Armut zu bekämpfen, werden derzeit von der Regierung Temer zurückgedreht. Für die Gewerkschaften ist das eine gewaltige Herausforderung, sagt CUT-Bundesjugendsekretärin Edjane Rodrigues. Auf der Bundesjugendkonferenz des DGB im November hat sie eine kämpferische Rede gehalten – und Zuversicht verbreitet.

NSN: Edjane, Brasilien steckt gerade in einer ernsthaften politischen und sozialen Krise. Was erhoffst Du Dir von Deinem Besuch bei den deutschen Gewerkschaften?

Edjane Rodrigues: Neoliberale Entwicklungen gibt es nicht nur in Brasilien, sondern überall auf der Welt. Dagegen muss sich die Jugend international vereinen, um neue Perspektiven zu entwickeln. Wir müssen uns besser organisieren, herausfinden, wie wir zu mehr Solidarisierung kommen  – und dabei voneinander lernen. Wir sind ja sehr vielfältig, und nur mit vielfältigen Ansätzen können wir gewinnen.

Du warst zu Gast bei der Bundesjugendkonferenz. Was nimmst Du von dort mit?

Die Gewerkschaften in Deutschland sind gut organisiert. Ich wollte verstehen, wie die Jugendstrukturen hier funktionieren, welche Kämpfe es gibt und wie die Gewerkschaftsjugend  Großprojekte angeht. Es ist interessant und inspirierend, dass die Jugend in Deutschland diese eigene Konferenz hat, um sich auf eigene Forderungen zu verständigen. In Brasilien haben wir das so nicht. Dabei ist die Lebensrealität von Jugendlichen bei uns und bei Euch durchaus vergleichbar – junge Menschen suchen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt, sie wollen die Familie unterstützen oder selbst eine gründen. Aber sie arbeiten oft in ungeschützten Verhältnissen.

In Deutschland wird gerade viel über gute Arbeit in den Wertschöpfungsketten transnationaler Konzerne diskutiert. Stichwort Textilindustrie Bangladesch. In welchen Branchen werden Menschen am unteren Ende der Kette in Brasilien ausgebeutet?

Sweatshops für die Textilindustrie gibt es auch bei uns. Ich komme selbst aus der Landwirtschaft, die in Brasilien immer noch von sklavereiähnlichen Arbeitsbedingungen geprägt ist. Viele Menschen müssen innerhalb des Landes migrieren, weil es in ihrer Heimatregion keine Arbeit und wegen des abgeholzten Regenwalds und undichten Leitungen auch immer weniger Wasser gibt. Sie gehen in den Südosten, wo es die großen Apfelsinenplantagen für den Export gibt. Dorther kommt 85 Prozent des Orangensafts weltweit. Er wird auch von deutschen Händlern verkauft. Aber es gibt Kinderarbeit, selten Schutzkleidung, einen hohen Einsatz an Pestiziden und Hungerlöhne. Hier können europäische oder deutsche Gewerkschaften Druck auf die Händler ausüben, dass sie auch für die Arbeitsbedingungen in ihren Lieferketten Verantwortung übernehmen.

Und was trägt die Politik der Regierung Temer dazu bei?

Präsident Michel Temer viel von den Reformbemühungen der vorangegangenen Mitte-Links-Regierungen kaputt gemacht, seit er sich an die Macht geputscht hat. um seine neoliberale Agenda durchzusetzen und soziale und Arbeitsrechte sowie demokratische Freiheiten abzubauen. Das erschwert alle Verbesserungsansätze und dreht auch bereits erstrittene Errungenschaften zurück.

Was hatten die Mitte-Links-Regierungen zum Positiven verändert?

Sie hatten beispielsweise das Problem gesehen, dass die Infrastruktur im ländlichen Raum völlig unterentwickelt ist. Da gab es Initiativen zu einer Art Strukturpolitik, man wollte den ländlichen Raum entwickeln, hat den Dialog mit den Leuten dort gesucht. Die Jugendlichen auf dem Land wollen auch hochwertige Schulen, möglichst vor Ort, sie wollen eine Ausbildung im Kontext der eigenen Community. Es gab ein Jugendbildungsprogramm von zunächst 2 Millionen Real, für das wir dann 20 Millionen erkämpft haben. Das steht unter der neuen illlegitimen Regierung auf der Kippe.

Was macht sie?

Die Regierung will über eine Verfassungsänderung  die Haushaltsmittel für Bildung, Soziales und Gesundheit für die nächsten 20 Jahre so weit einfrieren, dass sie bestenfalls mit der Inflation steigen. Das ist bei einer jungen, wachsenden Bevölkerung der Tod.

Wie reagiert Ihr als Gewerkschafter_innen darauf?

Der Kampf dagegen ist eine große Herausforderung, wir hätten eigentlich strukturelle Reformen gebraucht, eine Demokratisierung der Medien und ähnliches. Jetzt geht es aber vor allem darum, Zeit zu gewinnen, aber auch, den Menschen zu zeigen, was die sogenannten Reformen für sie bedeuten. Toll ist, dass die vielen unterschiedlichen Gewerkschaften es hinbekommen haben, an einem Strang zu ziehen. Das hatte ich vorher noch nicht erlebt -  diese Mobilisierung, diesen Widerstand auf der Straße, an der Basis.

Mit welchen Aktionsformen und Mitteln arbeitet Ihr?

Wir arbeiten auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Wir entsenden immer wieder Vertreter_innen zu den Kongressabgeordneten, um ihnen zu erklären, was deren Entscheidungen für die Bevölkerung bedeuten. Diese Lobbyarbeit unterstützen wir mit sogenannten Flugplatzaktionen: Wenn die Abgeordneten in ihre Wahlkreise zurückkommen, empfangen wir sie am Flughafen mit einem Massenauflauf, um zu zeigen, was wir von ihrer jeweiligen Politik halten. Oder wir hängen ein Poster mit dem Gesicht des örtlichen Abgeordneten an die Kirche, in die er geht. Auf dem steht dann: Dieser Mann oder diese Frau hat für Temers Reform gestimmt. Wir haben auch schon Bundesstraßen und Ministerien besetzt.

Das deutsche Fernsehen zeigt manchmal auch Bilder von gewalttätigen Protesten.

Es ist immer die Frage, wo die Proteste statt finden. In Brasilia kommt es oft zu Krawallen, weil die Polizei dort sehr gewalttätig vorgeht.

Wie geht es weiter?

Aktuell machen wir Aktionstage und sammeln wir Unterschriften für ein Volksbegehren gegen die Arbeitsrechtsreformen. Wir brauchen eine Million Unterstützer_innen, damit der Kongress sich damit beschäftigen muss. Das ist schwer, weil es keine unabhängigen Medien gibt. Aber wir geben nicht auf und werden es schaffen!

Edjane Rodrigues, 29, ist Bundesjugendsekretärin der CUT, nationale Gewerkschaftssekretärin in der Landarbeiter_innen-Gewerkschaften-Konföderation
CONTAG und Vorsitzende des Jugendkomittees der Trade Union Confederations of the Americas. Und sie ist alleinerziehende Mutter. Wenn man sie fragt, wieviele Stunden sie arbeitet, sagt sie: „Ich betrachte das nicht als eine normale Arbeit, bei der man Stunden zählt und Feierabend hat.“

 

Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Michael Gubi/flickr,
CC BY-NC 2.0

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel …

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0 

 

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Arbeiten und Wirtschaften in den Grenzen des Wachstums.

Broschüre (2017): Arbeiten und Wirtschaften in den Grenzen des Wachstums. Die Rolle der Gewerkschaften in einer ökologischen und sozialen Transformation.

Erscheinungsjahr: 2017
Umfang: 68 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Boris Ott / flickr,
CC BY-NC 2.0

 

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Newsletter Nord|Süd news, Ausgabe I/2018

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe I/2018

Gewalt in der Arbeitswelt: Ein neues ILO-Übereinkommen muss dringend her; Kommentar: Wir brauchen ein „Null-Toleranz-Signal“; Brasilien: „Auch Rassismus spielt eine Rolle“; Pakistan: Jede Beschwerde in sechzig Tagen bearbeitet; Uganda: „Frauen knien nieder und preisen den Präsidenten“; Aus den Projekten: „Ich bin so froh, dass wir noch dabei sind“ u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2018-i

 

Foto (re): U.S. Embassy Pakistan / flickr, CC BY-ND 2.0

 

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