News

Act Now: Fyffes tritt ArbeitnehmerInnenrechte mit Füßen

(25.01.2017). Beschäftigte der Obstimporteure Anexco (Ananas aus Costa Rica) und Suragroh (Wintermelonen aus Honduras) werfen ihren Arbeitgebern schwere und systematische Verletzung von ArbeitnehmerInnenrechten vor. Der Mutterkonzern Fyffes mit Stammsitz in Irland will von nichts wissen.

"Nachhaltigkeit und Verantwortung" - zumindest auf seiner Website schreibt der führende Bananenimporteur Europas diese Aspekte groß. Anders in den Erzeugerländern. Beschäftigte der Fyffes-Tochtergesellschaften Anexco in Costa Rica (Ananas) und Suragroh in Honduras (Melonen) berichten von schweren und systematischen Verletzungen grundlegender Arbeitnehmerrechte. Sie werfen ihren Unternehmensleitungen Missachtung der Vereinigungsfreiheit mit Bedrohung, Schikanierung und Entlassung von Gewerkschaftsmitgliedern, Blockierung von Kollektivverhandlungsprozessen, Nichtzahlung von Mindestlöhnen und Sozialversicherungsbeiträgen, Exposition von Arbeitern und Arbeiterinnen gegenüber gefährlichen Agrochemikalien und Entlassung von schwangeren Arbeiterinnen vor. Besonders in Honduras werden die Rechte der überwiegend weiblichen Saisonarbeitskräfte nicht beachtet.

Nach monatelangen vergeblichen Versuchen, die Konzernmutter Fyffes auf die Probleme anzusprechen, schloss sich die IUL am 23. Januar einer internationalen Solidaritätsmission nach Honduras an, um entlassene ArbeiterInnen zu treffen. Gleichzeitig hat sie zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen Fyffes aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmerrechte in den Lieferketten des Unternehmens durchweg anerkannt und eingehalten werden.

In Honduras, wo bereits in der Vergangenheit gegen Fyffes Geldbussen wegen Missachtung von Zahlungsvorschriften verhängt worden sind, behauptet der Konzern, dem Gesetz Genüge zu tun. Die gemeinsame Mission von IUL und NGOs will Beweise dafür zusammentragen, dass Fyffes das repressive Umfeld des Landes nutzt, um ebenso repressive mit seinen ArbeitnehmerInnen umzugehen. Ausserdem hat Fyffes sich Schlupflöcher im honduranischen Recht zunutze gemacht, um die Gewerkschaft deregistrieren zu lassen. Fyffes Anfechtung des Gewerkschaftsstatus ist ein Verstoss gegen das Grundrecht der Arbeitnehmer, Gewerkschaften zu gründen oder ihre Gewerkschaftsführer selbst zu wählen.

Die Kampagnenplattform "Act Now" bittet um Unterstützung: Sendet eine dringende Botschaft an den CEO von Fyffes, David McCann.

Aktuelle Ausschreibung

Das Nord-Süd-Netz schreibt für 2017 die Redaktion von 4 Ausgaben der Nord|Südnews aus. Frist der Angebotsabgabe 10.2.2017. Ausschreibung

Gute Arbeit die Ausnahme

(21.1.2017). Termindruck, Arbeitsverdichtung, Stress: Nur in jedem vierten Betrieb gibt es systematische Maßnahmen gegen psychische Belastungen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans Böckler Stiftung.

Der psychische Druck ist in vielen Betrieben hoch. Das liegt häufig auch an einer zu dünnen Personaldecke. Arbeitnehmervertreter konstatieren als Folge eine Zunahme gesundheitlicher Probleme, zeigt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Doch an konkreten Programmen gegen Stress fehlt es vielerorts - besonders in kleineren Firmen. Zeit- und Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung, schwer planbare Arbeitszeiten, Angst vor dem Jobverlust: Psychische Strapazen lasten heute oft stärker auf den Beschäftigten als die körperlichen Anforderungen der Arbeitswelt. Das zeigt eine Untersuchung der WSI-Wissenschaftlerin Dr. Elke Ahlers, die Ergebnisse der jüngsten WSI-Betriebsrätebefragung ausgewertet hat.

Rund 60 Prozent der gut 2000 befragten Betriebsräte geben an, dass die von ihnen vertretenen Belegschaften massiv unter Zeitdruck und hoher Arbeitsintensität leiden. Von hohem "Verantwortungsdruck" berichten 44 Prozent, von regelmäßigen störenden Unterbrechungen der Arbeit 27 Prozent und von mangelnder Planbarkeit der Arbeitszeiten 23 Prozent. In einem Fünftel der Firmen grassiert die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren.

Die Befunde sind branchenübergreifend und repräsentativ für Betriebe mit wenigstens 20 Beschäftigten und Arbeitnehmervertretung. In den meisten Betrieben (77 Prozent) haben Termindruck und hohe Arbeitsintensität nach Angabe der Betriebsräte in der jüngeren Vergangenheit zu mehr gesundheitlichen Beschwerden bei Beschäftigten geführt. In jedem zweiten ist die Zahl der Überstunden gestiegen. In rund drei Vierteln der Betriebe ist Stress Thema auf Betriebsversammlungen oder Gegenstand von Verhandlungen zwischen Arbeitnehmervertretung und Geschäftsführung. Dabei kommt die Zunahme des Arbeitsdrucks nicht von ungefähr: In jedem zweiten Betrieb gab es in den zwölf Monaten vor der Befragung Umstrukturierungen. Über ein Viertel hat mit Personalabbau zu kämpfen. Hier ist der Stresspegel deutlich überdurchschnittlich. Doch auch in vielen anderen Betrieben ist die Personalausstattung nach Einschätzung der Befragten zu gering. 74 Prozent der Betriebsräte sehen sich damit konfrontiert.

Besonders drastisch ist dies in Erziehungs- und Gesundheitsberufen sowie im öffentlichen Dienstleistungssektor. Es sei zu vermuten, so Ahlers, dass viele "Unternehmen die Personaldecke aus Kostengründen so dünn wie möglich halten". Keineswegs liege die knappe Personalbemessung in erster Linie an zu wenigen geeigneten Bewerbern. Zwar hat laut Betriebsrätebefragung eine Reihe von Firmen Schwierigkeiten, die richtigen Leute zu finden, seien es Akademiker, Facharbeiter oder Ungelernte. Aber in solchen Betrieben spielt Überlastung durch Personalmangel kaum eine größere Rolle als in anderen. Was den Druck auf Beschäftigte zusätzlich erhöht, sind die neuen Techniken der "Leistungssteuerung": Zielvereinbarungen und Vertrauensarbeitszeit statt Stechuhr vergrößern zwar den Spielraum für Selbstbestimmung und Selbstorganisation, aber sie gehen der Untersuchung zufolge auch mit höheren Anforderungen und mehr Stress einher.

Was Management und Betriebsräte tun können

Traditionelle Formen des Arbeitsschutzes - Verbot von Sonntagsarbeit, Sicherheits- und Pausenvorschriften oder Ähnliches - sind notwendig, aber werden im betrieblichen Alltag oft umgangen und in ihrer Umsetzung kaum kontrolliert, so die Forscherin. Neuere Instrumente sind Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung, Eingliederungsmanagement nach längerer Krankheit oder Gefährdungsbeurteilungen, die sichtbar machen, welche Belastungen mit dem einzelnen Arbeitsplatz verbunden sind. Alle drei sind in der Mehrheit der untersuchten Betriebe inzwischen verbreitet, wobei kleinere Firmen deutlich hinter die Großbetriebe zurückfallen. In Unternehmen ohne Betriebsrat und mit weniger als 20 Beschäftigten dürfte die Quote noch geringer ausfallen, so Ahlers. Selbst wenn Instrumente existieren, ist der Forscherin zufolge fraglich, ob sie passend ausgestaltet sind. So seien viele Hochglanzbroschüren irreführend, in denen Unternehmen ihre Fitness-, Ernährungs- oder Entspannungsprogramme preisen. Hier würden individuelle Bewältigungsstrategien angeboten, aber nicht die eigentlichen Ursachen der Überlastung angegangen. Von den abgeschlossenen Gefährdungsbeurteilungen bezieht außerdem nur ein Viertel psychische Belastungen mit ein - obwohl der Gesetzgeber dies seit langem so fordert. Gerade für die Gestaltung der zunehmend digitalen Arbeitswelt sei es entscheidend, psychische Belastungen zu erkennen und zu reduzieren, mahnt die Wissenschaftlerin. Ganzheitliche Gefährdungsbeurteilungen sind Ahlers zufolge der wichtigste Ansatzpunkt für Arbeitnehmervertreter: In Betrieben mit einem umfassenden Gesundheitsmanagement, das Stress ernst nimmt, stand am Anfang oft eine Betriebsvereinbarung zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Zum WSI-Report Nr. 33, Arbeit und Gesundheit im betrieblichen Kontext

Arbeitshilfe für bewussten Sprachgebrauch

(20.1.2017). IDA und die Neuen deutschen Medienmacher haben ihr Glossar mit Formulierungshilfen für einen diskriminierungssensiblen Sprachgebrauch in der Migrationsgesellschaft erweitert und neu aufgelegt.

Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA e.V.) hat das Glossar für einen bewussten Sprachgebrauch gemeinsam mit den Neuen deutschen Medienmachern für den Einsatz in der Bildungsarbeit weiterentwickelt und in überarbeiteter Form für die Jugendarbeit, die Erwachsenenbildung sowie die Arbeit mit Migrantenorganisationen und mit Geflüchteten neu herausgegeben.
In der aktuellen gesellschaftlichen Debatte über Flucht und Asyl geht auch sprachlich einiges durcheinander. Asylsuchende werden als Asylbewerberinnen und Asylbewerber bezeichnet, obwohl man sich um ein Grundrecht eigentlich nicht bewerben muss.
Auch in der Diskussion über das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland werden die Begriffe oft unscharf verwendet: Es ist von Migrantinnen und Migranten die Rede, obwohl die meisten der Menschen hier geboren sind. Selbst der sprachlich neutrale Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ wird zunehmend als stigmatisierend empfunden, da mit ihm häufig das Bild einer Problemgruppe assoziiert wird.

Das ursprünglich von den Neuen deutschen Medienmachern entwickelte Glossar für die Berichterstattung im Einwanderungsland wurde nun um ein Kapitel zu Sinti, Sintize, Romnja und Roma erweitert. Das Kapitel zu Flucht und Asyl wurde aktualisiert und erweitert. Zudem sind die Texte nun in geschlechtergerechter Sprache verfasst. Auf eine inhaltliche Einführung zur Relevanz von diskriminierungssensiblem Sprachgebrauch und einer Hinführung unter der Überschrift „Wer sind ‘wir‘, wer sind ‘die Anderen‘?“ folgen Kapitel zu den Themen Migration, Kriminalität, Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Sinti, Sintize, Romnja und Roma sowie Flucht und Asyl, in denen jeweils im Stil kurzer Lexikonbeiträge die Begriffe sowie die Chancen oder Fallstricke ihrer Verwendung erläutert werden. Dabei werden empfohlene Begriffe besonders hervorgehoben.

Die Publikation kann gegen eine Versandkostenpauschale von 3,00 Euro zuzüglich der gewichtsabhängigen Portokosten bestellt werden.

Arbeitslosigkeit in Brasilien auf Rekordhoch

(19.1.2017/Brasília/amerika21). Die Wirtschaftskrise in Brasilien treibt die Arbeitslosenquote auf ein neues Rekordhoch. Ende November vergangenen Jahres lag sie bei 11,9 Prozent, rund 12,1 Millionen Menschen waren danach von Arbeitslosigkeit betroffen, wie das brasilianische statistische Bundesamt (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística) einem Bericht von amerika21 zufolge bekannt gab. Damit sind noch einmal 100.000 Menschen mehr arbeitslos als im Quartal zuvor.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Arbeitslosenzahl um drei Millionen Menschen. Präsident Michel Temer von der rechtskonservativen PMDB (Partido do Movimento Democrático Brasileiro) macht die Vorgängerregierung unter Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei PT für die wirtschaftliche Situation verantwortlich. Eine Verbesserung der Lage versprach für das zweite Quartal 2017. Die sollte es allerdings auch bereits Ende 2016 geben, hatte Ronaldo Nogueira (PTB), Minister für Arbeit in der Interimsregierung Temers im Mai 2016 versprochen. Gewerkschaften und linke Parteien machen dagegen die massiven Sparmaßnahmen der aktuellen Regierung für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich. Schlechte Auftragslage und sinkende öffentliche Investitionen seien maßgeblich für die hohe Arbeitslosenquote.

Die Zeitung Carta Campinas sieht einen weiteren Grund in den Korruptionsermittlungen um den halbstaatlichen Erdölkonzern Petrobras. Viele führende Unternehmen des Landes aus der Baubranche und dem Erdölsektor seien teilweise oder vollständig von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen, da frühere leitende Angehörige der Unternehmen der Korruption überführt wurden oder gegen sie Verfahren laufen. Nach Umfragen des gewerkschaftsnahen Instituts CUT/Vox Populi befürchten 70 Prozent der BrasilianerInnen, dass die Arbeitslosigkeit unter der Regierung Temer weiter zunimmt.Die Unzufriedenheit mit der rechtskonservativen Regierung habe Mitte Dezember bei 80 Prozent gelegen, der schlechteste Wert, den eine brasilianische Regierung jemals hatte. Die Einschläge im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen kommen immer näher an Temer heran, zuletzt musste im Dezember der Sonderstaatssekretär des Präsidialamtes, José Yunes, wegen Verwicklung in die Korruptionsaffäre seinen Hut nehmen.

Kampagne: Ägyptische IFFCO-Gewerkschaft braucht Unterstützung

(19.1.2017/Suez). Die ArbeiterInnen der IFFCO-Speiseölfabrik kämpfen um ihre unabhängige Gewerkschaft. Als die Arbeiter anlässlich eines Konflikts um ihre Löhne im vergangenen Dezember streikten, zeigte das Unternehmen 15 Arbeiter an, darunter neun Gewerkschaftsmitglieder. Ende Dezember führte die Polizei in den Wohnungen des Gewerkschaftsvorsitzenden und Generalsekretärs sowie bei vier anderen Arbeitern Hausdurchsuchungen durch. Am 3. Januar stürmte die Polizei die Fabrik und verhaftete 13 streikende Arbeiter. Siebenundzwanzig IFFCO-Beschäftigten sowie Anführern und Mitgliedern der IFFCO Egypt Labour Union drohen nun drakonische Geld- und Haftstrafen, sollten sie am 29. Januar wegen des ‚Verbrechens', zum Schutz ihrer Löhne gestreikt zu haben, verurteilt werden. Den Arbeitern ist es untersagt, den Betrieb zu betreten.

Die IFFCO-ArbeiterInnen brauchen eure Unterstützung - HIER KLICKEN, UM EINE BOTSCHAFT AN DAS UNTERNEHMEN UND DEN ÄGYPTISCHEN PRÄSIDENTEN ZU SCHICKEN.

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

Bild 4 von 4

Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: Michael Gubi/flickr, CC BY-NC 2.0

 

 

Bild 3 von 4

Nord|Süd news, Ausgabe IV/2016

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe IV/2016

Titel: WTO oder TTIP? Global oder regional?; Der Kommentar: Der Bohrer ist angesetzt; Zukunft des Freihandels – TTIP und die Länder des Südens: „Man könnte dazu auch Ausgrenzungsabkommen sagen“; TISA und die Daseinsvorsorge: Viel zu viele offene Fragen; EU und Südostasien: Freihandel soll „Schutz gegen Chinas Dominanz“ bieten u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2016-iv

Foto: fuzheado, CC BY-SA 2.0

 

 

 

 

Bild 2 von 4

Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verh

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0

 

 

 

 

Bild 1 von 4