Strategien auf betrieblicher Ebene

Selbst aktiv werden und Standards setzen

Wenn eine Belegschaft in Europa sich mit den KollegInnen in Produktionsstandorten auf anderen Kontinenten solidarisiert und selbst Konzepte entwickelt, wie sich auch andernorts gute Arbeit durchsetzen lässt, wenn Betriebsvereinbarungen Work-Life-Balance oder Chancengleichheit garantieren oder wenn sich ein multinationales Unternehmen aus eigenem Antrieb auf die Einhaltung sozialer Standards verpflichtet - dann fördern diese Strategien auf betrieblicher Ebene gute Arbeit weltweit.

Rahmenvereinbarungen für gute Arbeit

Eine Möglichkeit, gute Arbeit in der betrieblichen und in der Unternehmenskultur zu verankern, sind internationale Rahmenvereinbarungen. Ob mit nationalen Gewerkschaften oder internationalen Gewerkschaftsverbänden abgeschlossen: Häufig sind es die transnationalen Arbeitnehmervertretungen wie Europäische Betriebsräte oder gar Weltbetriebsräte, die in den Unternehmen die Initiative für solche Rahmenbedingungen übernehmen.

So etwa beim Automobil- und Textil-Zulieferkonzern Freudenberg aus dem deutschen Weinheim. Gemeinsam mit der IG BCE und dem Internationalen Gewerkschaftsverband der Chemiebranche ICEM (inzwischen in "industriALL", dem gemeinsamen Dachverband der Industriegewerkschaften aufgegangen) gelang es dem Europäischen Betriebsrat, die Internationale Rahmenvereinbarung "Zusammenarbeit, Verantwortung und sozialer Dialog in der Unternehmensgruppe Freudenberg" abzuschließen. Sie gilt für alle Unternehmensstandorte weltweit: von Deutschland über Indien bis China.

In der Vereinbarung verpflichtet sich Freudenberg auf verschiedene soziale und ökologische Standards und Verhaltensweisen: Die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der ILO, nachhaltiger Schutz von Umwelt und natürlichen Ressourcen, und das ausdrückliche Recht aller Beschäftigten, einer Gewerkschaft ihrer Wahl beizutreten, Arbeitnehmervertretungen zu wählen und über Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen Tarifverhandlungen führen zu können.  Sogar das Bekenntnis, keine Waffen oder waffenähnliches Kriegsmaterial zu produzieren, enthält die Vereinbarung. Das seien zwar Prinzipien gewesen, nach denen Freudenberg schon zuvor gehandelt hätte. Trotzdem sei es wichtig, dass "sich die Gewerkschaften damit auf etwas Konkretes, nämlich die Vereinbarung, berufen können", meint Bernd Schneider vom Euro-Betriebsrat bei Freudenberg.

Dutzende Beispiele guter Praxis 

Freudenberg ist längst kein Einzelfall. Allein die ICEM konnte mit Dutzenden Unternehmen weltweit entsprechende Vereinbarungen abschließen, ob mit dem russischen LUKOIL-Konzern oder der norwegischen Norske Skog. Und auch Branchengrenzen müssen kein Hindernis für internationale Rahmenvereinbarungen sein. Beim belgischen Misch-Konzern Umicore schlossen sich ICEM und die Internationale Metallarbeiter-Föderation (IMF) zusammen und konnten auch hier eine Vereinbarung abschließen.

Selbst aktiv werden 

In manchen Fällen werden die Belegschaften der Stammsitze multinational tätiger Unternehmen in Industrieländern selbst aktiv - weil ihnen Solidarität mit den KollegInnen weltweit und ein sozial handelndes Unternehmen wichtig sind. Die sozialen Konzepte und Prinzipien etwa, die beim deutschen Schreibgerätehersteller Faber-Castell gelten, gehen im wesentlichen auf das Engagement einer Gruppe von Beschäftigten am Stammsitz in Stein bei Nürnberg zurück, wie der Vorstandsvorsitzende Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell berichtet. Gemündet sind diese Ansätze bei Faber-Castell inzwischen in eine mit der IG Metall abgeschlossene Sozialcharta und verschiedene Umwelt- und Sozialprojekte.

Netzwerke schaffen, wo internationale Arbeitnehmervertretungen fehlen

Auch dort, wo fest konstituierte internationale Arbeitnehmervertretungen (wie z.B. Europäische Betriebsräte) nicht existieren oder möglich sind, können Akteure guter Arbeit auf betrieblicher Ebene aktiv werden. Beispiel dafür sind konzernbezogene gewerkschaftliche Netze, so genannte GUF-Netzwerke: Globale Gewerkschaftsverbände und deren nationale Mitgliedsgewerkschaften initiieren diese jeweils auf ein Unternehmen bezogenes Netzwerke, schaffen regionale Arbeitsstrukturen und versuchen, das Management des Unternehmens verbindlich in diese Strukturen einzubinden. Erste GUF-Netzwerke arbeiten dabei inzwischen äußerst erfolgreich. Im Fall BASF etwa sind die GUF-Strukturen für Asien und für Südamerika so gut etabliert, dass von "EBR-ähnlichen Strukturen gesprochen werden kann" (EBR = Europäischer Betriebsrat), resümiert die Hans-Böckler-Stiftung (Arbeitspapier 98 der Hans-Böckler-Stiftung).

Betriebsvereinbarungen: Mitbestimmung bestes Instrument für Gute Arbeit

In Deutschland bietet das Betriebsverfassungsgesetz eine Reihe von Möglichkeiten, im eigenen Betrieb für gute Arbeit aktiv zu werden. Beispiel Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Von familienfreundlichen Arbeitszeiten bis hin zu Elternzeiten haben Betriebsräte im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung beste Möglichkeiten, Betriebsvereinbarungen auf Basis der Betriebsverfassung oder etwa des Arbeitsschutzgesetzes zu verwirklichen - selbst gegen den Widerstand des Arbeitgebers: Das haben zum Beispiel die Beschäftigten und der Betriebsrat von Karstadt in Hannover gezeigt. In einer Betriebsvereinbarung setzten sie familienfreundliche Arbeitszeiten sowie über die gesetzlichen Regelungen zur Elternzeit hinausgehende Möglichkeiten für "Familienpausen" durch.

Weitere Links zum Thema Betriebsvereinbarungen:

- Themenseite der Hans-Böckler-Stiftung zu Betriebsvereinbarungen

Broschüre: Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Broschüre (2014): Kernarbeitsnormen der ILO – Gute Arbeit weltweit!

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto: © Marco Antonio Rezende/BrazilPhotos

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Broschüre: Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht

Broschüre (2015/2016): Ohne Not flieht niemand. Flucht – Asyl – Migration und Menschenrecht heute

Umfang: 60 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

Hier bestellen:
www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Foto: Michael Gubi/flickr, CC BY-NC 2.0

 

 

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Nord|Süd news, Ausgabe IV/2016

Newsletter Nord|Süd news, 
Ausgabe IV/2016

Titel: WTO oder TTIP? Global oder regional?; Der Kommentar: Der Bohrer ist angesetzt; Zukunft des Freihandels – TTIP und die Länder des Südens: „Man könnte dazu auch Ausgrenzungsabkommen sagen“; TISA und die Daseinsvorsorge: Viel zu viele offene Fragen; EU und Südostasien: Freihandel soll „Schutz gegen Chinas Dominanz“ bieten u.a.

Hier lesen oder downloaden:
http://www.nord-sued-netz.de/nordsuednews/2016-iv

Foto: fuzheado, CC BY-SA 2.0

 

 

 

 

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Broschüre: Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verh

Broschüre (2016): Moderne Sklaverei. Nicht tolerierbar, nicht akzeptabel und nicht verhandelbar

Erscheinungsjahr: 2016
Umfang: 76 Seiten
© DGB Bildungswerk BUND,
Nord-Süd-Netz

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Foto (re): Cícero R. C. Omena/flickr,
CC BY 2.0

 

 

 

 

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