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Newsletter II/2008

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Die Olympiade weckt Hoffnungen bei Chinas WanderarbeiterInnen. Bescheidene Hoffnungen auf etwas mehr Wohlstand, Teilhabe am Geschehen und das Gefühl, etwas zum großen Event beigetragen zu haben. Sie selbst wohnen in kleinen Hütten zwischen Müll und Kompost im Schatten von Chinas glitzernder Boomwirtschaft. Das Schicksal von dem jungen Wanderarbeiter Zhu Zhengsheng beschreibt die Titel- geschichte unseres neuen Newsletters.

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Keine Spur von olympischen Ideen in Chinas Fabriken

Fussball

"Die Sportartikelindustrie muss endlich die Einhaltung der Kernarbeitsnormen in ihren asiatischen Produktions- betrieben besser kontrollieren!" Mit diesem Appell wandte sich DGB-Chef Michael Sommer über die Berliner Zeitung an die Öffentlichkeit.

Die Initiative zu der Konferenz "Unternehmen in Verantwortung - Ein Gewinn für alle" war vom BMAS ausgegangen. 350 VertreterInnen der Wirtschaft, Gewerkschaftsmitglieder, ExpertInnen von Verbraucherschutz und Wissenschaft, wie auch Verantwortliche aus Nichtregierungsorganisationen aus dem In- und Ausland füllten die Veranstaltung mit Leben.

So kam eine Positivliste zur Sprache, die Unternehmen, die CSR leben, aufführen soll, sowie ein Gütesiegel, das Firmen für ihre Leistungen in diesem Bereich auszeichnet. Der Kodex dafür soll von einem Beirat erarbeitet werden und fünf bis zehn harte Kriterien enthalten. "Wir brauchen ein neues Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik", betonte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in seiner Eröffnungsrede feierlich. "Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen steht für dieses Zusammenspiel und ist eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Konzeptes der sozialen Marktwirtschaft. Es geht um die Verantwortung der Unternehmen für die Gesellschaft und die Umwelt, in der und mit der sie wirtschaften."

Studie über CSR-Navigator nimmt Politik in die Verantwortung

Eine möglichst starke Aktivität durch die Politik im Bereich der Corporate Social Responsibility erscheint nach einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH auch dringend nötig. In The CSR Navigator - Public Policies in Africa, the Americas, Asia and Europe" - so nennt sich das Papier - offenbarte sich, dass CSR nur dann zu einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft führt, wenn die Politik eine aktive Rolle übernimmt.

13 Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer, unter anderem Brasilien, China, Deutschland und Vietnam hatten die Wissenschaftler unter die Lupe genommen. In der Studie zeichneten sie die jeweilige nationale CSR-Politik nach und gaben mit dem eigens dafür entwickelten "CSR-Navigator" ein Instrument an die Hand, die CSR-Maßnahmen weiterzuentwickeln.

Projektgruppe kritisierte Äußerungen von WirtschaftsvertreterInnen

Wenn die Konferenz in Berlin auch einen Schritt in genau diese richtige Richtung bedeutet, ist es zu einer ausreichend praktizierten Unternehmensverantwortung - anders als Politiker gerne betonen - noch ein weiter Weg. Eine Projektgruppe der Freien Universität Berlin befragte kürzlich ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft wie auch Nicht-Regierungsorganisationen zum Bedarf und der Handhabung von CSR. Während die VertreterInnen der Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen sich für stärkere Regulierung aussprachen, forderten Wirtschaftsvertreter und -verbände eher eine Freiwilligkeit beim CSR-Engagement. Projektleiterin Ina von Holly von der Freien Universität Berlin warf den WirtschaftsvertreterInnen vor, sie "besetzten" diesen Begriff und gäben ihn "der inhaltlichen Inflation preis".

Cora Netzwerk vermittelt Know-how über CSR

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben sich bereits einige organisierte Bewegungen außerhalb der Politik gebildet. Eine große zivilgesellschaftliche Organisation ist das CorA-Netzwerk . Hierin haben sich über 40 Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche und entwicklungspolitische Organisationen, Verbraucher- und Umweltverbände sowie weitere Organisationen mit sozial- und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen zusammengeschlossen. Die Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, auch transnationale Unternehmen in soziale und ökologische Verantwortung zu ziehen, erfolgt bisher weitgehend ehrenamtlich in Arbeitsgruppen. Neben der Vermittlung von Know-how kommt es auch zu öffentlichen Aktionen und einem konstruktiven Dialog mit Verantwortlichen aus der Politik.

Aus Gewerkschaftssicht ist vor allem die Vereinbarung und Weiterentwicklung von Mindeststandards weltweit eine wichtige Grundlage, ohne die CSR kaum funktionieren kann. Ein international verbindliches Rahmenwerk kann Unternehmen auf den Weltmärkten erst regulieren. Wo dagegen bereits starke Regelungen vorhanden sind, kann CSR diese sehr sinnvoll ergänzen. 

Annette Fuhrmann


Bildquelle: Don Espresso / aboutpixel 


 

Nord-Süd-Konflikt spiegelt sich im Sport wider

Broschüre: Sport des Südens

„Um die Welt zu verstehen, ist es sicher nicht schlecht, sich in die Fußballwelt zu vertiefen", hat Eduardo Galeano einmal gesagt. Der uruguayische Erfolgsautor sieht eine Parallele zwischen dem millionenfachen Exodus von Menschen aus Lateinamerika, Afrika und Asien, die in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sehen und der Auswanderung Tausender Sportler in die „Erste Welt".

Im Gegenzug finden immer häufiger Großereignisse in Schwellenländern statt, die auf immer mehr Gebieten mit den Industrienationen rivalisieren. Olympia 2008 in Peking, Fußball-WM 2010 in Südafrika, 2014 in Brasilien. Diese hochkommerzialisierten Events allerdings betonieren die soziale Kluft in den Ländern des Südens eher, anstatt sie aufzubrechen. Hier setzen die zahlreichen entwicklungspolitischen Projekte an, von denen in dieser Broschüre einige exemplarisch vorgestellt werden.

Gerne nehmen wir für diese Broschüre Ihre Meinungen, Anregungen und Kommentare entgegen. Senden Sie diese bitte per E-Mail an nord-sued-netz@dgb-bildungswerk.de.

Sie können die Broschüre  bestellen .

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!

Weltweit schuften für Olympia 2008

Sonia Lara

Sonia Lara, Menschenrechtsaktivistin bei einer Nichtregierungsorganisation, berichtet im Gewerkschaftshaus Düsseldorf über die Auswirkungen des Geschäfts mit der Olympiade in China auf die Arbeitsbedingungen in Mittelamerika.

Die ehemalige Näherin, die die Kündigung erhielt, weil sie sich in einer Gewerkschaft organisierte, stammt aus El Salvador und kennt die Geschäftsgebaren von Firmen wie Adidas und Puma an ihren Produktionsstandorten nur zu gut.

Momentan macht sie eine Rundreise mit der Christlichen Initiative Romero CIR aus Münster und besucht am Freitag, dem 16.Mai 2008 um 19:00 Uhr das Gewerkschaftshaus Düsseldorf (Friedrich-Ebert-Str. 34, 40210 Düsseldorf).

 

Veranstalter ist der Nicaragua-Verein-Düsseldorf e.V..

Unterstützer ist die DGB Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein.

V.i.d.S.d.P.: Nicaragua-Verein Düsseldorf e.V., c/o Regine Barth, Eduard-Schloemann-Str. 48, 40237 Düsseldorf

Burkina-Faso: Gewerkschaften bieten steigenden Lebensmittelpreisen die Stirn

Burkina-Faso

"Das Land der Aufrechten" nennt sich der auf einem Hochplateau liegende, französisch sprechende, westafrikanische Binnenstaat, der zu den ärmsten Ländern der Erde gehört. Die massiv in die Höhe schnellenden Lebensmittelpreise haben wie in vielen Ländern Afrikas den Menschen dort besonders zugesetzt. Mit einem Generalstreik setzten sich die Gewerkschaften der Krise entgegen. - Ein Erfolg wie Bernhard Schmidt auf heise.de berichtet.

"Operation tote Städte" hieß der Aufstand, während dem Besitzer kleiner Läden und Lebensmittelhändler am 07. und 08. April 08 dazu aufgefordert wurden, ihre Türen geschlossen zu halten. In vielen Werkstätten legten die Menschen ihre Arbeit nieder. Währenddessen wurden Diskussionsforen eröffnet, in denen die Bevölkerung über die Wirtschaftspolitik debattieren konnte.

Der Erfolg liegt in der Einheitlichkeit, in der die Bewegung geschah. Seit langer Zeit waren die Gewerkschaften zersplittert und mit anderen Verbänden, die sie hätten unterstützen können, verfeindet gewesen. Die Ursachen hierfür liegen in der politischen Vergangenheit des Landes. Bevor der jetzige Präsident Blaise Compaoré sich 1987 an die Macht geputscht hatte, hatte sein Vorgänger Thomas Sankara Gewerkschaftsbewegungen gedämpft. Er hatte so genannte "Basiskomitees zur Verteidigung der Revolution" unterstützt, die gegen die Gewerkschaften konkurriert hatten.

Nicht alle Aufstände gegen die steigenden Nahrungsmittelpreise verlaufen jedoch friedlich, und nicht überall sind sie durchdacht organisiert. Auch in Teilen Burkina-Faso`s wie in einigen anderen Ländern, darunter Ägypten, Haiti und Kamerun soll es bereits zu Todesopfern gekommen sein. Dies rührt teilweise daher, dass Aufstände durch die Regierungen bekämpft werden. Nach Schätzung der Weltbank sind 33 Staaten wegen der steigenden Preise von sozialen Unruhen bedroht, und ein Ende der Preissteigerungen ist nicht in Sicht.

 

Textquellen:

heise.de / "Hunger, soziale Aufstände und business"

Wiener Zeitung / "Globale Preisexplosion löst Unruhen aus"

wikipedia

 

Bildquelle:

kede / aboutpixel

Indonesien steht für mehr als für Terror und Tsunami

Indonesien

Hinter einseitiger Berichterstattung verborgen vollzieht sich in Indonesien ein rasanter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbruch. 10 Jahre nach der Asienkrise macht das Land erste Schritte in Richtung Demokratie und Wirtschaftsaufschwung, welche jedoch von sozialer Ungleichheit, wachsendem Einfluss islamistischer Kreise und brüchigem ethnisch-kulturellen Zusammenhalt begleitet sind.

Die neue Indonesienbroschüre des DGB-Bildungswerks zeichnet diese vielschichtigen Entwicklungen in Indonesien nach, skizziert die Geschichte und die politische Entwicklung des Landes. Dabei werden auch Umweltprobleme, die durch massiv angestiegene Auslandsinvestitionen entstehen, dargestellt. Ebenso diskutieren wir Möglichkeiten der Stärkung gewerkschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Einflussmöglichkeiten.

Konflikte aufzeigen und ihnen den Nährboden entziehen - eine friedliche und gerechte Entwicklung in Indonesien unterstützen – darum geht es in diesem Heft.

Gerne nehmen wir für diese Broschüre Ihre Meinungen, Anregungen und Kommentare entgegen. Senden Sie diese bitte per E-Mail an nord-sued-netz@dgb-bildungswerk.de

Sie finden  die Broschüre  im Downloadbereich unserer Website www.nord-sued-netz.de.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre! 

Nord-Süd-Netz Visual