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Andalusien: Immigranten schuften unter menschenunwürdigen Bedingungen

Andalusien

Die andalusische Erde zählt zur fruchtbarsten in ganz Spanien. Baumwolle, Oliven, Zuckerrüben und Hülsenfrüchte bringt die südlichste Region des Landes hervor – ein vielseitiges Gebiet mit Ebenen, Bergen, Tälern und Wüsten. Zum Anbau besonders intensiv genutzt wird die Region um Almeria. Unter Extrembedingungen ziehen hier afrikanische Immigranten Gemüse für europäische Supermärkte.

Die andalusische Erde zählt zur fruchtbarsten in ganz Spanien. Baumwolle, Oliven, Zuckerrüben und Hülsenfrüchte bringt die südlichste Region des Landes hervor – ein vielseitiges Gebiet mit Ebenen, Bergen, Tälern und Wüsten. Zum Anbau besonders intensiv genutzt wird die Region um Almeria. Unter Extrembedingungen ziehen hier afrikanische Immigranten Gemüse für europäische Supermärkte.

Die Gegend hat eines der reichsten Pro-Kopf-Einkommen Spaniens. Weiße strahlende Villen der Grundbesitzer – der „patrones“ - am Rande des Ortes El Ejido spiegeln dies wieder. Aber die Region um Almeria hat noch ein anderes Gesicht: Auf ihrem Boden gedeihen auch verheerende Arbeitsbedingungen für afrikanische Tagelöhner, Ghettoisierung und Rassismus.

- Das "Meer aus Plastik" ist das "Tor zu Europa" -

Über eine Fläche von 30 000 Hektar ziehen sich die Plastikfolien, unter denen die Intensivbewirtschaftung stattfindet. Unter starker Düngung, künstlicher Bewässerung und Pestizidbehandlung muss der Boden so viel hergeben, wie es eben geht: Gurken, Paprika und Tomaten wachsen dort und gelangen, wenn sie reif sind, in deutsche und andere europäische Supermärkte.

In unmittelbarer Nähe finden sich die Elendsbe- hausungen der Arbeiter, die das Gemüse ernten. Ebenfalls mit Folie überdacht sind die Unterkünfte dreckig und unhygienisch; weder Strom noch Trinkwasser sind vorhanden, und die Pestizidbelastung ist hoch. Trotzdem lassen sich Tausende junger afrikanisch stämmiger Männer auf die unwürdigen Bedingungen ein. Sie besitzen meist keine Papiere, arbeiten bei 50 Grad ohne Arbeitsverträge für 15 € bis 30 € am Tag, wenn deren „patrones“ dieses Geld denn tatsächlich zahlen.

Das in der Region als „Meer aus Plastik“ bezeichnete Gebiet bedeutet für die 80 000 Immigranten „das Tor zu Europa“. Meist auf illegalem Weg, in kaum seetauglichen Booten, gelangen sie über die Straße von Gibraltar nach Andalusien, um ihrer eigenen chancenlosen Welt zu entkommen. Oft stammen sie aus Ländern südlich der Sahara. „Keiner kommt an den Gewächshäusern vorbei“, beurteilt Laaroussi Elmorabiti die Lage. Er ist aktives Mitglied der Sindicato de Obreros del Campo (SOC), einer kleinen Landarbeitergewerkschaft, die für die Rechte der Immigranten eintritt und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für sie erreichen will. 

Ein weiteres großes Problem in der Region – speziell in dem 30 km von Almeria entferten Ort El Ejido – ist der extreme Rassismus. Das Alltagsleben der Afrikaner ist von Gewaltakten und Übergriffen gekennzeichnet. Trauriger Höhepunkt einer ganzen Reihe solcher Überfälle war der Mord an dem marrokanischen SOC-Mitglied Azzouz Hosni im Jahre 2005.

- Die SOC arbeitet seit über 30 Jahren -

Die SOC (www.soc-andalucia.com) entwickelte sich in Andalusien in den 60er und 70er Jahren aus Widerstandsgruppen, die schon gegen Ende des Franco-Regimes die Interessen der Landarbeiter wahrnahmen. Anfangs waren ihre Aktivitäten noch illegal, schon kurz nachdem Francisco Franco aber im November 1975 starb, schaffte die Organisation den Sprung in die Legalität: Im August 1976 wurde die SOC offiziell zugelassen. Zugleich begann der Kampf für die Bodenreform. 1978 organisierte die Gewerkschaft bereits in einigen Dörfern, überall zur selben Zeit, die ersten Landbesetzungen seit dem Bürgerkrieg.

Die Forderungen der Landarbeitergewerkschaft sind einfach und trotzdem schwer durchzusetzen. Faire Arbeit, Boden und Würde wollen sie erreichen. Verhindern möchten sie das Verschwinden von sozialen Kulturen, die für die Arbeitskräfte wichtig sind.

- Gewerkschaftsarbeit in Almeria bringt besondere Herausforderungen -

Seit 2000 ist die Gewerkschaft auch in Almeria verankert. Hier herrschen besondere Bedingungen, die die Gewerkschaftsarbeit erschweren. Da die meisten Arbeiter keine Papiere haben und eine Ausweisung fürchten, ist es besonders schwierig, sich zu organisieren. Auch das Arbeiten ohne Vertrag stellt ein Problem dar. Weil sie wissen, dass sie jederzeit vor die Tür gesetzt werden können, wollen viele Arbeiter sich nicht auflehnen.

Trotzdem lassen sich die Mitarbeiter der SOC nicht entmutigen. „Wir müssen in die Betriebe gehen, mit den Arbeitern reden“, beschreibt Laaroussi seine Strategie. „Wenn schon die ganze Schattenwirtschaft hier von Immigranten getragen wird, kann man doch erwarten, dass wir wenigstens wie Menschen behandelt werden“.

Um den Arbeitern zur Seite zu stehen, schafft die Gewerkschaft kleine soziale Zentren und berät die Immigranten bei Rechtsfragen, Wohnungs- und Arbeitsbeschaffung. Sie deckt Gewalttaten auf und dient als Anlaufstelle für Verzweifelte. Subventionen von der Regierung erhält sie nicht. Einzig durch ihre Mitgliedsbeiträge, ihren laufenden Betrieb und Spenden trägt sich die ideelle und selbstlose Arbeit.

Textquellen:

ver.di publik Ausgabe 10/2007

http://www.forumcivique.org 

Bildquellen:

Bild: 1:

www.piqs.de

hage/Licht und Schatten in der Sierra

(some rights reserved

Bild 2:

http://www.forumcivique.org

Bild 3:

www.greenpeacephoto.de 

©Ángel Garcia/Greenpeace - 0525001 - (×××)

 

 

Gap: Mode durch Kinderarbeit gefertigt

Im Schmutz und im eigenen Schweiß sitzend, durch Schläge misshandelt und gedemütigt, von den Eltern verkauft - fertigten Kinder in Indien 16 Stunden täglich  ohne Lohn Bekleidungsstücke an. Mit dünner Nadel nähten sie das Markenschild auf die Ware - das des amerikanischen Modeherstellers Gap.

Amitosh ist zehn – „Freude“ bedeutet sein Name auf Hindi – doch das Leben war bisher nicht freundlich zu ihm. Der Junge stammt aus dem Norden Bihars, wo seine Eltern ihn aus Armut verkauft hatten. Zusammen mit 40 anderen Kindern wurde er in einer 30stündigen Zugfahrt ohne Essen nach Neu Delhi gefahren. Dort nähte er vier Monate lang ohne Lohn unter hartem Druck und Schlägen Blusen für junge Mädchen. Auftraggeber war niemand anderes als die US-Modekette Gap, die die Produkte zu Weihnachten auf den Markt. bringen wollte.

Doch es kam anders. Die britische Zeitung „The Observer“ und ein Team des WDR brachten die katastrophalen Zustände, in denen westliche Bekleidungshersteller offenbar ihre Produkte fertigen lassen, kürzlich ans Licht. Gap reagierte prompt und nahm die Stücke vom Markt. Der Konzern schiebt die Verantwortung nun auf einen seiner Auftragnehmer, der ohne sein Wissen die Kinderarbeit betrieben habe.

Erst 2004 war Gap wegen Kinderarbeit in den Schlagzeilen gewesen. 136 Verträge mit Zulieferfirmen hatte der Konzern nach Angaben des Spiegel gekündigt, nachdem er hatte zugeben müssen, dass manche seiner Zuliefererfirmen Kinderarbeit praktiziert hatten. Auch in dem jüngsten Skandal verwies die Modekette darauf, dass er von seinen Auftragnehmern eine Garantie verlange, ohne Kinderarbeit zu produzieren. Wie viel diese Garantie wert ist, hat sich jetzt gezeigt, und in Anbetracht der Vorgeschichte klingen die Beteuerungen des Unternehmens geradezu heuchlerisch.

Doch auch die indische Regierung hat laut Kinderschutzorganisationen ihren Teil zu dem Skandal beigetragen. Zwar dürfen Minderjährige seit 1986 nicht mehr in gefährlichen Industrien, als Haushaltshilfen und in Restaurants arbeiten, Kinderschutzorganisationen kritisieren jedoch schon lange, dass dieses Verbot häufig umgangen werde und die Regierung zu wenig dagegen unternehme.

Einen guten Ausgang könnten die Geschehnisse im vorliegenden Fall allerdings für die meisten betroffenen Kinder haben. Anwalt Bhuwan Ribhu von der Organisation "Rettet die Kindheit" forderte nach Spiegel-Informationen jüngst, die Kinder nun zu ihren Eltern zurückzubringen.

Textquellen:

The Observer, Bericht vom 28.10.2007

Der Spiegel, Bericht vom 28.10.2007

Der Spiegel, Bericht vom 29.10.2007

Fotoquelle:

Bilddatenbank: "aboutpixel "

 

Südkoreanische Migrantengewerkschaft erkämpft sich ihren Status

Sie sollten keine Gewerkschaft sein – und sind es doch!

Dank einem Seouler Gericht, das im Februar 2007 darüber entschied, dass Arbeitsmigranten in Südkorea auch Arbeiter sind, kann die weltweit erste Gewerkschaft von Arbeitsmigranten (MTU) nun für ihre Rechte und Arbeitsbedingungen kämpfen.

Ihre Forderungen sind klar formuliert: Nach Informationen der Ver.di-Gewerkschaftszeitschrift „Publik“ verlangt die MTU eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis für Arbeitsmigranten. Auch immigrierten Arbeitern, die über keine Papiere mehr verfügen, soll es möglich gemacht werden, auf legale Art und Weise weiter im Land leben und arbeiten zu können. Weiter richtet sich die junge Gewerkschaft gegen das im August 2004 in Kraft getretene Gesetz zur Arbeitserlaubnis.

Hintergrund ist folgender: Arbeitsmigranten, die länger als drei Jahre in Südkorea arbeiten, können ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängern lassen. Die einzige Möglichkeit, auf Dauer im Land zu bleiben, ist die, nach drei Jahren freiwillig auszureisen und nach einem Monat erneut ein Visum zu beantragen. Dass dann jedoch eine erneute Einreise genehmigt wird, ist keinesfalls sicher. Dieses Risiko wollen viele Arbeitsmigranten nicht eingehen und arbeiten lieber ohne Aufenthaltsgenehmigung weiter in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden.

Die Betroffenen haben oft keine andere Wahl. Schon die Einreise nach Südkorea hat manchen Arbeiter viel Geld gekostet. Die Löhne reichen bei schwerer Arbeit und Arbeitszeiten von oft 13 Stunden täglich meist nur, um knapp die Ausgaben zu decken. So entsteht ein Teufelskreis, und die Migranten sehen als einzige Lösung die Fortführung der Arbeit in Korea – notfalls auch ohne Papiere -, um nicht verarmt wieder ins Heimatland zurückkehren zu müssen.

Die koreanische Regierung geht mit den gezwungenermaßen „Illegalen“ gnadenlos um. Mit Hilfe von Razzien deckt sie Leute auf, verhaftet sie und bringt sie mit Gewalt in ihr Herkunftsland zurück. Selbst schwere Körperverletzungen und Todesfälle nimmt die Regierung dabei in Kauf. Seit 2004 gab es laut ver.di-Informationen 75900 Abschiebungen, die in dieser Weise vollzogen wurden.

Diese Entwicklung will die MTU unterbrechen. Seit ihrer Gründung im April 2005 hat die junge Gewerkschaft schon einige Höhen und Tiefen durchstehen müssen. Schon kurz nach der Gründung, am 14.Mai 2005 nahm die Polizei den Vorsitzenden der Migrantengewerkschaft, Anwar Hossein, fest und sperrte ihn für 11 Monate ins Gefängnis. Erst nach großen Protesten in Korea selbst und im Ausland gelang seine Freilassung, dieser hatte jedoch schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten.

Das Arbeitsministerium in Südkorea hatte sich von Anfang an geweigert, die Gewerkschaft als solche anzuerkennen. Migranten sollten kein Recht auf Bildung einer Gewerkschaft, Vertretung oder Kollektivverhandlungen haben. Hiergegen wehrte sich die MTU mit einem zweijährigen Prozess – und gewann! Das Gericht erklärte die Zurückweisung der Gründungserklärung durch das Arbeitsministerium für ungültig.

Einen weiteren Schritt nach vorne konnte die MTU verzeichnen. Die Zusammenarbeit mit der großen Gewerkschaft KCTU hat sich sehr gut entwickelt. Die MTU hat sich dem KCTU anschließen können, so dass dieser nun auch den Wanderarbeitern Unterstützung gewährleistet. Dies zeigte der KCTU kürzlich, als er die Regierung aufforderte, nach dem gewonnenen Prozess die Gewerkschaft MTU nun unverzüglich rechtlich anzuerkennen.

Mexiko: Kampf gegen die Privatisierung des Energiesektors

Demo Mexiko

Mehr als 200.000 Menschen haben am Sonntag in Mexiko mit einer Demonstration die zweite Nationale Konvention der Opposition abgeschlossen. Die Konvention richtete sich vor allem gegen das Vorhaben der konservativen mexikanischen Regierung, den 1938 verstaatlichten Energiesektor zu privatisieren. Siehe auch Telepolis

Mexiko kommt nicht zur Ruhe. Waren es im vergangenen Jahr die Proteste im Rahmen der Vorwürfe der Opposition, dass Calderón nur mit [local] Wahlbetrug die Macht erlangt habe, so folgten nach der Amtsübernahme im Januar und Februar große Proteste wegen des dramatischen Anstiegs der Tortillapreise ([local] Politische Wirren in Mexiko) oder wegen der Lage in Oaxaca, wo er die Protest und Streikbewegung mit massiver Repression [local] unterdrückt hat. Zu diesen weiter schwelenden Konflikten gesellen sich ständig neue hinzu.

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