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Tagungsdokumentation: Freiwillig in die Krise - Reguliert wieder heraus

Tagungsdokumentation Krise

Auf der Fachtagung vom 26.03.2009 in Berlin haben das CorA-Netzwerk für Unternehmensverantwortung, das DGB Bildungswerk, das Global Policy Forum, terre des hommes und ver.di gemeinsam über Ursachen und Folgen der größten Wirtschaftskrise informiert und diskutiert, welche institutionellen Reformen und neuen internationalen Regeln und Standards für Unternehmen und Banken notwendig sind, um derartige Krisen zukünftig zu vermeiden.

In dieser Veröffentlichung dokumentieren wir die Vorträge der Tagung. Prof. Jörg Huffschmid (Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik) analysiert die Ursachen der Krise und die politischen Antworten der Regierungen; Pedro Morazán (Südwind-Institut) verdeutlicht die ökonomischen Auswirkungen der Krise in den Ländern des Südens; Barbara Happe (urgewald) formuliert Anregungen für eine sozial und ökologisch zukunftsfähige Finanzindustrie; Bernd Moritz (Kritische Aktionärinnen und Aktionäre) fordert neue Spielregeln für „systemrelevante“ Unternehmen und Gehaltsobergrenzen für Konzernmanager; Nicola Liebert (Netzwerk Steuergerechtigkeit) zeigt schließlich auf, wie Steueroasen die öffentlichen Haushalte in Industrie- und Entwicklungsländern schädigen und was getan werden muss, um diese Steueroasen trockenzulegen. Diese Beiträge bleiben auch nach dem G20-Gipfel relevant. Denn was die Staats- und Regierungschefs in London beschlossen haben, reicht bei weitem nicht aus, um die gegenwärtige Krise zu bewältigen – geschweige denn zukünftige Krisen zu verhindern.

 

Internet-Blog „Steuergerechtigkeit“ gestartet

Steuergerechtigkeit

Drei Tage vor dem Londoner G20-Gipfel starten zivilgesellschaftliche Organisationen, die unter dem Dach des Netzwerks Steuergerechtigkeit zusammenarbeiten, heute einen neuen Internet-Blog. Mit dem Blog „Steuergerechtigkeit“ wollen sie in kondensierter Form darüber informieren, was sich auf deutscher und internationaler Ebene bei der Bekämpfung der Steuerflucht und der internationalen Steuerkooperation tut – und Vorschläge präsentieren, was zu tun wäre.

Denn die politischen Auseinandersetzungen über die Regulierung von Steueroasen und die Bekämpfung der Steuerflucht haben in den vergangenen Wochen eine ungeahnte Dynamik entwickelt. Bundesfinanzminister Steinbrück plant ein Gesetz zur Bekämpfung schädlicher Steuerpraktiken und der Steuerhinterziehung. Die G20 befasst sich mit strengeren Regeln gegenüber Steueroasen. Die Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul hat einen internationalen Pakt gegen Steuerflucht (International Tax Compact) ins Leben gerufen. In Washington hat sich Anfang des Jahres mit Unterstützung der norwegischen Regierung eine Task Force on Financial Integrity and Economic Development gebildet. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Expertengremien wie die Stiglitz-Kommission fordern eine größere Rolle für die UNO in der internationalen Steuerkooperation. Beim UN-Gipfel zur globalen Finanzkrise wird das Thema im Juni 2009 auf der Agenda stehen.

Der neue Blog „Steuergerechtigkeit“ wird ab sofort all diese politischen Prozesse begleiten und analysieren. Damit will das Netzwerk Steuergerechtigkeit dazu beitragen, den Druck auf die Regierungen zu erhöhen, damit diese ihren politischen Absichtserklärungen effektive Taten zur Austrocknung der Steueroasen, zur Bekämpfung der Steuerflucht und für gerechtere Steuersysteme folgen lassen.

Der Blog wird von den entwicklungspolitischen Organisationen MISEREOR und terre des hommes unterstützt und vom Global Policy Forum betreut.

Der Blog im Internet: http://steuergerechtigkeit.blogspot.com/

Kontakt: Jens Martens, Global Policy Forum
jensmartens@globalpolicy.org

Global Policy Forum Europe
Bertha-von-Suttner-Platz 13
D-53111 Bonn
Tel: +49 228 96 50 510
Fax: +49 228 96 38 206
E-mail: europe@globalpolicy.org
www.globalpolicy.eu

Bildquelle: stormpic / finanzen / aboutpixel

 

 

Länderporträt Indien

Indien Broschüre

Die Broschüre hinterfragt den Aufstieg Indiens zur „Wirtschaftsmacht im Weltformat“. Dem ökonomischen Heraustreten aus dem Schatten Chinas und dem neuen politischen Rang im Weltinteresse stehen Defizite in der Infrastruktur, weit verbreitete Armut, Mangel an sozialen Sicherungssystemen und ein riesiger informeller Sektor gegenüber.

Was sind Richtung und Motive von Indiens wirtschaftlicher und politischer „Öffnung zur Welt“? Welche Konsequenzen und Hoffnungen ergeben sich hieraus für die Frage der Energiesicherheit, der Ressourcennutzung, des Verhaltens in internationalen Regimen, der Sicherheit in der Region? Worauf gründet sich aus gewerkschaftlicher Sicht der Wirtschaftsboom Indiens, und bedeutet er eine gleichzeitige Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen aller Inderinnen und Inder?

Das Portrait Indiens versucht, die Tragweite der Entwicklung im weiteren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenhang zu erfassen. Es geht auf Indiens Bedeutung als Absatzmarkt, als Konkurrent und als Kooperationspartner ein, widmet sich aber auch den Realitäten, die sich in der sozialen Situation des Landes und auf dem Arbeitsmarkt widerspiegeln.

Gerne nehmen wir für diese Broschüre Ihre Meinungen, Anregungen und Kommentare entgegen. Senden Sie diese bitte per E-Mail an nord-sued-netz@dgb-bildungswerk.de

Sie finden die Broschüre Im Downloadbereichunserer Website.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre! 

Türkische Delegation erhält im Austausch-Seminar wertvolle Impulse für ihre betriebliche Praxis

Türkische Delegation

16 türkische Delegierte der türkischen Gewerkschaft Birlesik Metall-Is besuchten vom 09.-14.02.2009 im Tagungszentrum Hattingen ein für ihre Arbeit wichtiges Austausch-Seminar zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das Seminar führte das Kompetenzzentrum Gesundheit und Arbeit des DGB Bildungswerks im Rahmen des Nord-Süd-Netz-Projekts „Förderung des sozialen Dialogs in der Türkei“ durch.

Besonders begeistert waren die 16 Kollegen von dem Erfahrungsaustausch, den ihnen türkische Betriebsräte aus deutschen Betrieben bieten konnten. Denn die türkischen Gewerkschafter arbeiten intensiv daran, den Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Betrieben in der Türkei voranzutreiben. Der Prozess geschieht vor dem Hintergrund der EU-Rahmen-Richtlinie für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz EWG 89 /391. Diese Richtlinie gilt es, im Rahmen des Annäherungsprozesses der Türkei an die EU, umzusetzen. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung).

- Exkursionen geben Einblick in Gesundheitsschutz in der Praxis -

Im Rahmen von zwei Exkursionen lernten die Delegierten die Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes „an der Basis“ kennen. Zum Einen besichtigte die Delegation die Siemens AG Power Generation in Mühlheim, ein Unternehmen, das Kraftwerkstechnik für Atomkraftwerke herstellt. Zweites Exkursionsziel war die Salzgitter Mannesmann Grobblech. Hier werden im Rohrbiegewerk Stahlrohre gefertigt und Grobbleche als Vorprodukt für Großrohre hergestellt. Geschäftsführer Kadri Aydinli, selbst türkischer Herkunft, begrüßte die Gewerkschafter persönlich und stand ihnen – was den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb angeht - Rede und Antwort.

Der Informationsaustausch – auf den Exkursionen wie im Seminar – hatte zwei Schwerpunkte. Zum Einen waren dies die rechtlichen Grundlagen. Die ReferentInnen Viola Schlie und Hardy Klein sowie Heinz Sowa vom IG Metall Bezirk NRW verglichen die Rahmenbedingungen in Deutschland und der Türkei. Ebenso untersuchten sie die gesellschaftlichen und die sozialen Systeme. In der Türkei gibt es beispielsweise kein dem deutschen BetrVG vergleichbares Gesetz. Dem deutschen Betriebsrat vergleichbar sind dort Gewerkschafter, die zum Teil Vertrauensmann und zum Teil Interessenvertreter sind.

- Rechtliche Grundlagen sind das Eine, Umsetzung in die Praxis das Andere -

Zweiter Schwerpunkt des Austausch-Seminars war die Umsetzung der Gesetze in die Praxis. Praxisnah und anschaulich konnte den Delegierten nahegebracht werden, wie das Instrument der Gefährdungsbeurteilung in Deutschland funktioniert. „Was in den Gesetzen steht, ist eine Sache“, erzählt Cornelia Wendt-Danigel, Bildungsreferentin im Kompetenzzentrum Gesundheit und Arbeit und Mitveranstalterin des Seminars. „Doch wichtig ist dann auch der richtige Gebrauch dieses entscheidenden Instruments in der Praxis“.

In der Türkei ist der Annäherungsprozess an die EU betreffend Gesundheits- und Arbeitsschutz im Betrieb in vollem Gange. Gerade richtig kamen hier die neuen Impulse und Eindrücke für die Kollegen. „Das Seminar soll auch dazu dienen, die türkischen KollegInnen angesichts schwieriger rechtlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bei ihrer engagierten Arbeit für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu unterstützen und entsprechend zu qualifizieren“, so Andreas Merx, Leiter des Türkeiprojekts im Nord-Süd-Netz. Die türkischen Kollegen sind am Samstag in die Türkei zurückgekehrt und können nun ihre Erfahrungen gezielt einsetzen.

afuh

Auf Schiffen über Leichen gehen

Newsletter

Der Schiffbau in Tuzla / Türkei bommt, die Todeszahlen bei Arbeitsunfällen steigen. Der rasant wachsende Sektor forderte in 2007 und 2008 35 Menschenleben. Unser neuer Newsletter IV/2008 schildert die Situation auf den Werften und beleuchtet die Hintergründe.

Newsletter im PDF-Format

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DGB Bildungswerk zieht mit indischer Gewerkschaft SEWA am selben Strang

Bitter arm, sozial kaum abgesichert und von harter Arbeit geprägt sind die Frauen, die Mitglied bei der indischen Gewerkschaft SEWA sind. Und doch sind sie voll motiviert, zuversichtlich und guten Mutes, dass sie ihre Situa- tion verbessern können - mit Hilfe ihrer erfolgreichen Gewerkschaft und der des DGB Bildungswerks.

1972 ist die Self Employed Woman´s Association (SEWA) - die Gewerkschaft für im informellen Sektor arbeitende Frauen - entstanden. Sie entsprang dem Frauenflügel einer von Mahatma Gandhi 1917 in Gujarat mitbegründeten Arbeitervertretung von Textilarbeiterinnen.

Mehr als 90% der Beschäftigten arbeiten in Indien im informellen Sektor. Diese informelle Arbeit ist meist weiblich, Frauen erfahren in der indischen Gesellschaft massive Diskriminierung und können ihre Misere nicht allein bewältigen. Die Gewerkschaft greift ihnen daher bedürfnisorientiert unter die Arme. SEWA ist weltweit bekannt, hat eine Million Mitglieder und gilt als erfolgreichstes Beispiel für zivilgesellschaftliche Selbstorganisation im informellen Sektor.

- Nina Berg bereitet Kooperation zwischen SEWA und DGB-Bildungswerk vor -

Ab Dezember 2008 wird SEWA im Rahmen eines dreijährigen Projekts Unterstützung vom DGB Bildungswerk erfahren. Geschäftsbereichsleiterin des Nord-Süd-Netzes Nina Berg reiste zusammen mit der stellvertretenden DGB Vorsitzenden Ingrid Sehrbrock nach Ahmedabad, der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt des Bundesstaats Gujarat in Westindien, wo die Organisation ihren Sitz hat. Dort führte Nina Berg zusammen mit den Mitarbeiterinnen von SEWA einen Planungsworkshop durch, bereitete das Projekt vor und analysierte, wie die Unterstützung durch das DGB-Bildungswerk am besten erfolgen kann.

"Ich bin begeistert von der Arbeit SEWA`s", sagt Nina Berg mit Nachdruck. "Die Gewerkschaft untersucht die Bedingungen der Frauen, die im informellen Sektor arbeiteten, genau. Die Mitarbeiterinnen der Gewerkschaft tauchen ein in die Arbeits- und Lebensbedingungen der informell Beschäftigten, indem sie sie in ihrem Alltag einige Zeit direkt begleiten, mit ihnen leben. Nur so können die Gewerkschafterinnen die Bedürfnisse ihrer Mitglieder genau erfahren und zielgerichtet helfen", erklärt Nina Berg das Konzept "Exposure and Dialogue".

Ingrid Sehrbrock

Indische Jugendliche

Ingrid Sehrbrock im Gespräch
mit indischen Frauen

Indische Jugendliche im Armenviertel

- Frauen arbeiten unter schwersten Bedingungen -

Die Alltagswelt der im informellen Sektor arbeitenden Frauen ist rau und brutal, ihre Tätigkeitsbereiche und Arbeitsverhältnisse sind völlig unterschiedlich. Gerade das ist der Grund, warum gewerkschaftliche Organisation im informellen Sektor so schwierig ist. Viele informell Beschäftigten gelten als selbständig, so dass kein klarer Gegner für einen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen ausgemacht werden kann. Doch der Begriff "Selbständigkeit" verschleiert meist die wahre Situation. Fern ab von freiem Unternehmertum bedeutet Selbständigkeit im informellen Sektor in Indien meist sehr wohl eine erdrückende Abhängigkeit - von Mittelsmännern, von Kreditgebern oder Zulieferern und nicht zuletzt vom eigenen Ehemann.

Nina Berg erlebte den Arbeitsalltag der indischen Frauen hautnah: "Viele Frauen ziehen mit ihrem Handkarren durch die Straßen und versuchen, Obst und Gemüse zu verkaufen", schildert sie ihre Eindrücke. Aber auch Heimarbeiterinnen, Handwerkerinnen und Hausangestellte finden sich unter den Gewerkschaftsmitgliedern. Besonders erschreckend beschreibt Nina Berg das Berufsbild von Müllsammlerinnen. "Sie stapfen barfuß durch die Müllberge auf der Suche nach etwas Metall, das sie verkaufen oder recyceln können. Dabei schlitzen sie sich in dem vielem Elektromüll leicht die Füße auf, atmen giftige Dämpfe ein und kontaminieren ihre Haut mit ätzenden Flüssigkeiten".

- SEWA sagt Missständen den Kampf an -

All diese Missstände bekämpft SEWA auf vielseitige Art und Weise. "Den Straßenhändlerinnen vermittelt die Organisation ein grundlegendes Verständnis von Handel", so Nina Berg. Es geht darum, ihnen ein Konzept an die Hand zu geben, welche Preise man nehmen kann, wie man die Produkte verkauft. Oft verbietet die Polizei den Frauen, ihre Waren auf Gehwegen und Plätzen zu verkaufen. Hier konnte SEWA bereits vermittelnd tätig werden und Regularien aushandeln, damit die Händlerinnen ihrer Arbeit weiter nachgehen konnten.

Ebenso hat die Gewerkschaft eine eigene Bank gegründet, mit deren Hilfe sie den Arbeiterinnen Kleinstkredite gewährt. Frauen bekommen einen kleinen Kredit, damit sie ihre Waren einkaufen können und erlangen so ein Stück mehr Unabhängigkeit gegenüber ihren Ehemännern oder unseriösen Kreditgebern.

- DGB-Bildungswerk lebt den Slogan: "Wo Zukunft sich bildet" -

Die größte Herausforderung für die Organisation ist die Vermittlung von Bildung an ihre Mitglieder und Mitarbeiterinnen. "SEWA will in breitem Umfang alphabetisieren", erzählt Nina Berg. "Aber es geht um noch mehr. Mit Hilfe von speziellen Programmen wie PC- oder Englischkursen soll jungen Mädchen der Aufstieg in die formelle Arbeitswelt ermöglicht werden". Nina Berg besuchte selbst einen dieser Kurse und traf auf extrem motivierte und von den neuen Chancen begeisterte junge Frauen. "Ein junges Mädchen erzählte mir, dass sie mit Hilfe des Zertifikats, welches sie in diesem Kurs erworben hat, einen Job gefunden hat, mit dem sie ihre ganze Familie ernähren kann. Solche Erfolgsgeschichten beeindrucken und rühren".

Die Unterstützung des DGB Bildungswerks, die im Rahmen des Projekts "Stärkung von Arbeitnehmerinnen in der informellen Wirtschaft" geleistet wird, konzentriert sich daher auf die Bildungsarbeit. Die Mitarbeiterinnen von SEWA können Weiterbildungsmaßnahmen wahrnehmen, damit sie ihre Mitglieder auch in der Zukunft optimal unterstützen können. Die Gewerkschaftsmitglieder selbst erhalten die Chance, als Frauen letztlich auch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft zu erreichen.

 

büffeln für Einstieg in die
formelle Arbeitswelt:
junge indischeFrauen

SEWA bietet
PC-Kurse für Mädchen an

Alphabetisierung ist das A und O

Wo Zukunft sich bildet...

 

Annette Fuhrmann

 

Unsere Broschüre zum Thema Indien:  www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

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