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DGB Bildungswerk zieht mit indischer Gewerkschaft SEWA am selben Strang

Bitter arm, sozial kaum abgesichert und von harter Arbeit geprägt sind die Frauen, die Mitglied bei der indischen Gewerkschaft SEWA sind. Und doch sind sie voll motiviert, zuversichtlich und guten Mutes, dass sie ihre Situa- tion verbessern können - mit Hilfe ihrer erfolgreichen Gewerkschaft und der des DGB Bildungswerks.

1972 ist die Self Employed Woman´s Association (SEWA) - die Gewerkschaft für im informellen Sektor arbeitende Frauen - entstanden. Sie entsprang dem Frauenflügel einer von Mahatma Gandhi 1917 in Gujarat mitbegründeten Arbeitervertretung von Textilarbeiterinnen.

Mehr als 90% der Beschäftigten arbeiten in Indien im informellen Sektor. Diese informelle Arbeit ist meist weiblich, Frauen erfahren in der indischen Gesellschaft massive Diskriminierung und können ihre Misere nicht allein bewältigen. Die Gewerkschaft greift ihnen daher bedürfnisorientiert unter die Arme. SEWA ist weltweit bekannt, hat eine Million Mitglieder und gilt als erfolgreichstes Beispiel für zivilgesellschaftliche Selbstorganisation im informellen Sektor.

- Nina Berg bereitet Kooperation zwischen SEWA und DGB-Bildungswerk vor -

Ab Dezember 2008 wird SEWA im Rahmen eines dreijährigen Projekts Unterstützung vom DGB Bildungswerk erfahren. Geschäftsbereichsleiterin des Nord-Süd-Netzes Nina Berg reiste zusammen mit der stellvertretenden DGB Vorsitzenden Ingrid Sehrbrock nach Ahmedabad, der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt des Bundesstaats Gujarat in Westindien, wo die Organisation ihren Sitz hat. Dort führte Nina Berg zusammen mit den Mitarbeiterinnen von SEWA einen Planungsworkshop durch, bereitete das Projekt vor und analysierte, wie die Unterstützung durch das DGB-Bildungswerk am besten erfolgen kann.

"Ich bin begeistert von der Arbeit SEWA`s", sagt Nina Berg mit Nachdruck. "Die Gewerkschaft untersucht die Bedingungen der Frauen, die im informellen Sektor arbeiteten, genau. Die Mitarbeiterinnen der Gewerkschaft tauchen ein in die Arbeits- und Lebensbedingungen der informell Beschäftigten, indem sie sie in ihrem Alltag einige Zeit direkt begleiten, mit ihnen leben. Nur so können die Gewerkschafterinnen die Bedürfnisse ihrer Mitglieder genau erfahren und zielgerichtet helfen", erklärt Nina Berg das Konzept "Exposure and Dialogue".

Ingrid Sehrbrock

Indische Jugendliche

Ingrid Sehrbrock im Gespräch
mit indischen Frauen

Indische Jugendliche im Armenviertel

- Frauen arbeiten unter schwersten Bedingungen -

Die Alltagswelt der im informellen Sektor arbeitenden Frauen ist rau und brutal, ihre Tätigkeitsbereiche und Arbeitsverhältnisse sind völlig unterschiedlich. Gerade das ist der Grund, warum gewerkschaftliche Organisation im informellen Sektor so schwierig ist. Viele informell Beschäftigten gelten als selbständig, so dass kein klarer Gegner für einen Kampf um bessere Arbeitsbedingungen ausgemacht werden kann. Doch der Begriff "Selbständigkeit" verschleiert meist die wahre Situation. Fern ab von freiem Unternehmertum bedeutet Selbständigkeit im informellen Sektor in Indien meist sehr wohl eine erdrückende Abhängigkeit - von Mittelsmännern, von Kreditgebern oder Zulieferern und nicht zuletzt vom eigenen Ehemann.

Nina Berg erlebte den Arbeitsalltag der indischen Frauen hautnah: "Viele Frauen ziehen mit ihrem Handkarren durch die Straßen und versuchen, Obst und Gemüse zu verkaufen", schildert sie ihre Eindrücke. Aber auch Heimarbeiterinnen, Handwerkerinnen und Hausangestellte finden sich unter den Gewerkschaftsmitgliedern. Besonders erschreckend beschreibt Nina Berg das Berufsbild von Müllsammlerinnen. "Sie stapfen barfuß durch die Müllberge auf der Suche nach etwas Metall, das sie verkaufen oder recyceln können. Dabei schlitzen sie sich in dem vielem Elektromüll leicht die Füße auf, atmen giftige Dämpfe ein und kontaminieren ihre Haut mit ätzenden Flüssigkeiten".

- SEWA sagt Missständen den Kampf an -

All diese Missstände bekämpft SEWA auf vielseitige Art und Weise. "Den Straßenhändlerinnen vermittelt die Organisation ein grundlegendes Verständnis von Handel", so Nina Berg. Es geht darum, ihnen ein Konzept an die Hand zu geben, welche Preise man nehmen kann, wie man die Produkte verkauft. Oft verbietet die Polizei den Frauen, ihre Waren auf Gehwegen und Plätzen zu verkaufen. Hier konnte SEWA bereits vermittelnd tätig werden und Regularien aushandeln, damit die Händlerinnen ihrer Arbeit weiter nachgehen konnten.

Ebenso hat die Gewerkschaft eine eigene Bank gegründet, mit deren Hilfe sie den Arbeiterinnen Kleinstkredite gewährt. Frauen bekommen einen kleinen Kredit, damit sie ihre Waren einkaufen können und erlangen so ein Stück mehr Unabhängigkeit gegenüber ihren Ehemännern oder unseriösen Kreditgebern.

- DGB-Bildungswerk lebt den Slogan: "Wo Zukunft sich bildet" -

Die größte Herausforderung für die Organisation ist die Vermittlung von Bildung an ihre Mitglieder und Mitarbeiterinnen. "SEWA will in breitem Umfang alphabetisieren", erzählt Nina Berg. "Aber es geht um noch mehr. Mit Hilfe von speziellen Programmen wie PC- oder Englischkursen soll jungen Mädchen der Aufstieg in die formelle Arbeitswelt ermöglicht werden". Nina Berg besuchte selbst einen dieser Kurse und traf auf extrem motivierte und von den neuen Chancen begeisterte junge Frauen. "Ein junges Mädchen erzählte mir, dass sie mit Hilfe des Zertifikats, welches sie in diesem Kurs erworben hat, einen Job gefunden hat, mit dem sie ihre ganze Familie ernähren kann. Solche Erfolgsgeschichten beeindrucken und rühren".

Die Unterstützung des DGB Bildungswerks, die im Rahmen des Projekts "Stärkung von Arbeitnehmerinnen in der informellen Wirtschaft" geleistet wird, konzentriert sich daher auf die Bildungsarbeit. Die Mitarbeiterinnen von SEWA können Weiterbildungsmaßnahmen wahrnehmen, damit sie ihre Mitglieder auch in der Zukunft optimal unterstützen können. Die Gewerkschaftsmitglieder selbst erhalten die Chance, als Frauen letztlich auch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft zu erreichen.

 

büffeln für Einstieg in die
formelle Arbeitswelt:
junge indischeFrauen

SEWA bietet
PC-Kurse für Mädchen an

Alphabetisierung ist das A und O

Wo Zukunft sich bildet...

 

Annette Fuhrmann

 

Unsere Broschüre zum Thema Indien:  www.nord-sued-netz.de/medien/material-bestellen

Studie entlarvt katastrophale Arbeitsbedingungen in asiatischen Handy-Fabriken

Handy

Monatelang hatte Empörung geherrscht, als der Handy-Gigant Nokia sein Produktionswerk in Bochum kurzerhand geschlossen und nach Rumänien verlegt hatte, um dort Arbeitszeiten besser auszureizen und Löhne besser drücken zu können. Nun ist das Unternehmen erneut in den Schlagzeilen zusammen mit den Mobilfunk-Größen Motorola, Sony Ericsson und Apple.

In China und auf den Philippinen herrschen in der Handy-Produktion verheerende Arbeitsbedingungen, und dafür müssen sich diese Firmen verantwortlich zeichnen.

Arbeitszeiten von 11-13 Stunden täglich, auch Samstags, bis zu 180 Überstunden im Monat, Lohnabzüge bei Fehlern während der Arbeit, Gesundheitsschäden aufgrund fehlender Schutzkleidung - all das müssen junge ArbeiterInnen zwischen 16 und 30 Jahren in China und auf den Philippinen über sich ergehen lassen, um gerade überleben zu können. Eine Studie der Kampagne "MakeITfair" brachte das Elend an den Tag.

- Studie bringt sklavenähnliche Arbeitsbedingungen ans Licht -

Die Aktivisten der Kampagne nahmen sechs Fabriken in China und den Philippinen unter die Lupe, befragten ArbeitnehmerInnen nach ihren Arbeitszeiten, ihrer Bezahlung, und dem Stressfaktor, dem sie ausgesetzt sind. Das Ergebnis: Die Arbeitsbedingungen verstoßen sowohl gegen nationale Gesetze wie auch gegen die Kernarbeitsnormen der ILO. Die Grundrechte der ArbeiterInnen werden mit Füßen getreten. Ebenso die eigenen Verhaltenskodizes der Elektronikunternehmen werfen die Zulieferfirmen in punkto Arbeitszeiten und Gesundheitsschutz über den Haufen.

"Ich fühle mich bei der Arbeit sehr müde und gestresst. Wenn es Schäden an den Produkten gibt, werden wir bestraft", beschreibt ein Arbeiter seine Situation nach Information des Spiegel . Weil bei Fehlern auf der Arbeit Lohnkürzung droht, schuften die ArbeiterInnen noch mehr und werden noch erschöpfter, was weitere Fehler mit sich bringt. Ein Teufelskreis ist es, bei dem niemand profitiert, noch nicht einmal das Unternehmen.

- Handy-Hersteller versuchen zu leugnen -

Die Fabriken sind Zuliefererfirmen für bekannte Markenhandyhersteller: Nokia, Motorola, Sony Ericsson und Apple sind bereits mit den erschreckenden Ergebnissen der Studie konfrontiert worden - und lassen die Vorwürfe nur zähneknirschend an sich heran. Motorola versucht, in einer Stellungnahme im Spiegel zu beschwichtigen, die Ergebnisse der Studie seien nur zum Teil zutreffend. Noch dreister äußert sich Nokia, viele der beschriebenen Missstände stimmten nicht, die Zahl der Überstunden habe man aber in den letzten Monaten schon einmal verringert.

- Postkarten- und E-Mail-Aktion geben dem/r VerbraucherIn die Stimme -

Fast ohnmächtig könnte sich der/ie VerbraucherIn nun fühlen angesichts der vielen Handy-Größen, die im Sumpf der schlechten Nachrichten über menschenunwürdige Behandlungen stecken. Als Nokia den Standort Bochum sitzen ließ, gab es wenigstens Anstrengungen zu einem Nokia-Boykott, das beim Unternehmen, wenn es auch nicht lange währte, immerhin ein paar Image-Kratzer hinterließ. Doch nun sind es gleich vier Handy-Riesen, die sich daneben benehmen, so dass man kaum mehr ausweichen kann, wenn man ein Unternehmen boykottierten will. Die Kampagne makeITfair zeigt, wie sich trotzdem, ein Weg findet, die Stimme zu erheben gegen die Missstände. 

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"Fortschrittliche Gipfeldokumente reichen nicht aus!"

Gipfeldokumente

DGB-Chef Michael Sommer forderte anlässlich des G-8-Gipfels in Toyako die Bundesregierung auf, früher gefasste Versprechungen über die Schaffung einer sozialen Weltordnung in konkrete Politik umzusetzen. Schon auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm seien gute Vorsätze laut geworden, armen Ländern beim Aufbau von Systemen der sozialen Sicherung zu helfen. Diese Beschlüsse hätten bisher "so gut wie keinen Niederschlag" in der praktischen Politik der meisten G-8-Staaten gefunden, kritisierte der DGB.

Ob diesmal den Worten Taten folgen werden? Fest steht, das Problem fehlender sozialer Sicherungssysteme in Entwicklungsländern ist vielschichtig und nicht einfach zu lösen. Trotzdem gibt es hoffnungsträchtige Ansätze, die den besonderen Umständen in armen Ländern Rechnung tragen.

- Langlebigkeit bringt Altersarmut mit sich -

Die Weltbevölkerung wächst weltweit, und die Menschen werden immer älter. Nach Vorhersagen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 fast zwei Milliarden Menschen über 60 Jahre leben - ein bisher einzigartiges Ereignis in der Menschheitsgeschichte. Die Schattenseite der Langlebigkeit ist eine drohende massenhafte Altersarmut, die vor allem Menschen in Entwicklungsländern und insbesondere Frauen treffen wird.

- mehr Familienzusammenhalt und großer informeller Sektor in Entwicklungsländern -

In Entwicklungsländern herrschen andere Grundvoraussetzungen als in Industrieländern. Obwohl weltweit der Zusammenhalt der Familie zurückgeht, ist er hier noch besonders ausgeprägt. Oft ist die Versorgung älterer Menschen innerhalb der Familie die einzige Absicherung, die ihnen bleibt. Und auch dies ist nicht immer der Fall, denn Witwen oder (AIDS-) Waisen genießen keine hohe gesellschaftliche Anerkennung und werden von ihren Angehörigen oft vernachlässigt.

Auch arbeiten in Ländern Asiens und Afrikas 50-90 % der Beschäftigten - wieder insbesondere Frauen - im informellen Sektor. Das heißt, von einem rein staatlichen beitragsgebundenen Sozialversicherungssystem würde mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung gar nicht erfasst.

- Sozialrente klingt vielversprechend und scheint erschwinglich -

Ein vielversprechender Ansatz geht daher in Richtung einer Sozialrente, die beitragsunabhängig ist und allen älteren Menschen ein Mindesteinkommen sichern könnte. Das Konzept entstand 2002 mit Verabschiedung des Madrider Plans. Seitdem führten immer mehr Länder Sozialrentenprogramme ein, die nach Untersuchungen von Nichtregierungsorganisationen und UN-Agenturen durchaus erschwinglich sind. In 70 % der untersuchten Länder lagen die Kosten für eine Sozialrente unter einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Mit nachhaltiger Unterstützung aus den Industrieländern könnten so ältere Personen aus der Armut befreit, und der Lebensstandard von Familien insgesamt gestärkt werden.

Aber auch nicht staatliche Sicherungssysteme sind in Entwicklungsländern äußerst wichtig. Denn Verwaltungsstrukturen sind oft nur schwach ausgeprägt, dagegen stehen Solidargemeinschaften im Fokus der sozialen Sicherheit. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Frauenorganisation SEWA in Indien. Hier haben sich informell arbeitende Frauen aus eigener Kraft zusammengeschlossen und überlebenssichernde Systeme für sich und ihre Familien aufgebaut. Seit 2006 ist die SEWA in den Internationalen Gewerkschaftsbund aufgenommen worden.

- Bundesregierung versucht sich an den Milleniumszielen -

Und die Bundesregierung? Sie gibt sich angeblich Mühe, Hilfe zu leisten, damit die Milleniumsziele wenigstens ansatzweise verwirklicht werden können. Deutschland will 0,51 % seines Bruttonationaleinkommens (BNE) bist 2010 und 0,7 % bis 2015 für die Entwicklungshilfe ausgeben, die sich stark an der Milleniumserklärung orientiert. Doch in der Praxis werden Schuldenerlasse auf diese angerechnet. Dies schmälert die dringend benötigten Gelder sehr und wird von zivilgesellschaftlicher Seite scharf kritisiert.

Die DGB-Gewerkschaften machten hinsichtlich der Versprechungen, die die Bundesregierung auf den Gipfeltreffen macht, einen interessanten Vorschlag: Noch vor dem nächsten G-8-Gipfel in Italien solle ein Mechanismus in Gang gesetzt werden, nach dem über die Umsetzung vorheriger Gipfelbeschlüsse berichtet werden müsse. Es reiche nicht aus, fortschrittliche Gipfeldokumente zu verabschieden, der Gipfel müsse konkrete Handlungsperspektiven aufzeigen, so DGB-Chef Michael Sommer.

 

Textquellen:

  • Sozial Watch Deutschland - Report 2007 - Würde und Menschenrechte wahren - Das Recht auf soziale Sicherheit für alle verwirklichen
  • Oberhessische Presse

 

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SEWA 

 

Flexible Bildungsprogramme könnten Kindern aus der Not helfen

Kinder in Not

2008: 165 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren müssen viele Stunden am Tag teilweise sehr gefährliche Arbeiten verrichten. 75 Millionen wird der Besuch einer Grundschule verwehrt. Das schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die kürzlich, zum internationalen Tag der Kinderarbeit auf die schmerzlichen Zustände in vielen Ländern aufmerksam machte.

"Bildung ist das beste Mittel zur Bekämpfung der Kinderarbeit", lautete das Motto der Organisation zu diesem Jahrestag. Gerade diese Grundvoraussetzung zum Entkommen aus der Armut wird vielen Kindern nicht gewährt. Zu viele Familien sind aus bitterer Armut auf das Einkommen ihrer Kinder angewiesen.

Insbesondere Mädchen sind von der Kinderarbeit betroffen. Nutzt eine Familie mit mehreren Kindern ihre Möglichkeiten, ein Kind zur Schule zu schicken, wird dies meist dem Jungen zuteil.

Das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit bezeichnete die Zustände als unerträglich. Die Organisation forderte daher zum Anlass des Jahrestages von der Bundesregierung mehr Entwicklungshilfegelder für die Förderung von Grundbildung.

Bei aller Verurteilung von Kinderarbeit dürfe man aber die Augen vor der Realität nicht verschließen. Wenn die betroffenen Kinder überhaupt einen Schulbesuch wahrnehmen wollten, müsse dieser mit ihrer Arbeit vereinbar sein. Barbara Dünnweller von der Kindernothilfe in Duisburg fordert daher flexible Bildungsprogramme: "Wenn wir uns die Situation von Kindern anschauen, wird schnell deutlich, dass Bildungsmaßnahmen und -programme so gestaltet werden müssen, dass arbeitende Kinder daran teilnehmen können".

So leben 70 Prozent der arbeitenden Kinder auf dem Land, und Schulen sind räumlich zu weit entfernt. Ebenso gibt es viele AIDS-Waisen, die auf die eigene Arbeit angewiesen sind. Auch die Arbeit als Straßenhändler ist eine typische Form der Kinderarbeit. All dies sind Fallkonstellationen, in denen flexible Bildungsprogramme greifen und einen Wegweiser aus der Not bedeuten könnten.

 

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Mamphil / aboutpixel

 

Newsletter II/2008

Newsletter

Die Olympiade weckt Hoffnungen bei Chinas WanderarbeiterInnen. Bescheidene Hoffnungen auf etwas mehr Wohlstand, Teilhabe am Geschehen und das Gefühl, etwas zum großen Event beigetragen zu haben. Sie selbst wohnen in kleinen Hütten zwischen Müll und Kompost im Schatten von Chinas glitzernder Boomwirtschaft. Das Schicksal von dem jungen Wanderarbeiter Zhu Zhengsheng beschreibt die Titel- geschichte unseres neuen Newsletters.

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Keine Spur von olympischen Ideen in Chinas Fabriken

Fussball

"Die Sportartikelindustrie muss endlich die Einhaltung der Kernarbeitsnormen in ihren asiatischen Produktions- betrieben besser kontrollieren!" Mit diesem Appell wandte sich DGB-Chef Michael Sommer über die Berliner Zeitung an die Öffentlichkeit.

Die Initiative zu der Konferenz "Unternehmen in Verantwortung - Ein Gewinn für alle" war vom BMAS ausgegangen. 350 VertreterInnen der Wirtschaft, Gewerkschaftsmitglieder, ExpertInnen von Verbraucherschutz und Wissenschaft, wie auch Verantwortliche aus Nichtregierungsorganisationen aus dem In- und Ausland füllten die Veranstaltung mit Leben.

So kam eine Positivliste zur Sprache, die Unternehmen, die CSR leben, aufführen soll, sowie ein Gütesiegel, das Firmen für ihre Leistungen in diesem Bereich auszeichnet. Der Kodex dafür soll von einem Beirat erarbeitet werden und fünf bis zehn harte Kriterien enthalten. "Wir brauchen ein neues Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik", betonte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in seiner Eröffnungsrede feierlich. "Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen steht für dieses Zusammenspiel und ist eine zeitgemäße Weiterentwicklung des Konzeptes der sozialen Marktwirtschaft. Es geht um die Verantwortung der Unternehmen für die Gesellschaft und die Umwelt, in der und mit der sie wirtschaften."

Studie über CSR-Navigator nimmt Politik in die Verantwortung

Eine möglichst starke Aktivität durch die Politik im Bereich der Corporate Social Responsibility erscheint nach einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH auch dringend nötig. In The CSR Navigator - Public Policies in Africa, the Americas, Asia and Europe" - so nennt sich das Papier - offenbarte sich, dass CSR nur dann zu einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft führt, wenn die Politik eine aktive Rolle übernimmt.

13 Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer, unter anderem Brasilien, China, Deutschland und Vietnam hatten die Wissenschaftler unter die Lupe genommen. In der Studie zeichneten sie die jeweilige nationale CSR-Politik nach und gaben mit dem eigens dafür entwickelten "CSR-Navigator" ein Instrument an die Hand, die CSR-Maßnahmen weiterzuentwickeln.

Projektgruppe kritisierte Äußerungen von WirtschaftsvertreterInnen

Wenn die Konferenz in Berlin auch einen Schritt in genau diese richtige Richtung bedeutet, ist es zu einer ausreichend praktizierten Unternehmensverantwortung - anders als Politiker gerne betonen - noch ein weiter Weg. Eine Projektgruppe der Freien Universität Berlin befragte kürzlich ExpertInnen aus Politik, Wirtschaft wie auch Nicht-Regierungsorganisationen zum Bedarf und der Handhabung von CSR. Während die VertreterInnen der Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen sich für stärkere Regulierung aussprachen, forderten Wirtschaftsvertreter und -verbände eher eine Freiwilligkeit beim CSR-Engagement. Projektleiterin Ina von Holly von der Freien Universität Berlin warf den WirtschaftsvertreterInnen vor, sie "besetzten" diesen Begriff und gäben ihn "der inhaltlichen Inflation preis".

Cora Netzwerk vermittelt Know-how über CSR

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, haben sich bereits einige organisierte Bewegungen außerhalb der Politik gebildet. Eine große zivilgesellschaftliche Organisation ist das CorA-Netzwerk . Hierin haben sich über 40 Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche und entwicklungspolitische Organisationen, Verbraucher- und Umweltverbände sowie weitere Organisationen mit sozial- und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen zusammengeschlossen. Die Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, auch transnationale Unternehmen in soziale und ökologische Verantwortung zu ziehen, erfolgt bisher weitgehend ehrenamtlich in Arbeitsgruppen. Neben der Vermittlung von Know-how kommt es auch zu öffentlichen Aktionen und einem konstruktiven Dialog mit Verantwortlichen aus der Politik.

Aus Gewerkschaftssicht ist vor allem die Vereinbarung und Weiterentwicklung von Mindeststandards weltweit eine wichtige Grundlage, ohne die CSR kaum funktionieren kann. Ein international verbindliches Rahmenwerk kann Unternehmen auf den Weltmärkten erst regulieren. Wo dagegen bereits starke Regelungen vorhanden sind, kann CSR diese sehr sinnvoll ergänzen. 

Annette Fuhrmann


Bildquelle: Don Espresso / aboutpixel 


 

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