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Das sind die 10 schlimmsten Länder der Welt für Arbeitnehmer

IGB Weltkarte - Die schlimmsten Länder der Welt für erwerbstätige Menschen

(19.06.2017/Brüssel/IGB) Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hat seinen jährlichen Report zur Verletzung von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten veröffentlicht. Die Zahl der Länder, in denen Beschäftigte und Gewerkschafter bedroht werden oder Gewalt ausgesetzt sind, hat sich im Vergleich zum Vorjahr erneut gesteigert. Die Zahl der Länder, in denen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer körperlicher Gewalt und Drohungen ausgesetzt sind, hat sich in nur einem Jahr um zehn Prozent erhöht. Das geht aus dem "Global Rights Index 2017" des IGB hervor.

 

Der IGB hat außerdem wieder eine Liste mit den "Ten worst countries in the world for working people" (also den "10 schlimmsten Ländern der Welt für arbeitende Menschen") veröffentlicht:

Die 10 schlimmsten Länder für Arbeitnehmende

 

Auch die weiteren Ergebnisse aus den insgesamt 139 untersuchten Ländern sind erschreckend:

  • In mindestens 11 Ländern wurden Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ermordet, wie etwa in Bangladesch, Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Honduras, Italien, Mauretanien, Mexiko, Peru, den Philippinen und Venezuela.
  • In 84 Ländern sind Beschäftigte vom Arbeitsrecht ausgeschlossen.
  • In mehr als drei Vierteln der Länder wird einigen oder allen Beschäftigten das Streikrecht verweigert.
  • In mehr als drei Vierteln der Länder werden einigen oder allen Beschäftigten Tarifverhandlungen verweigert.
  • 50 Länder beschränken die Rede- und Versammlungsfreiheit.

 

Erstmalig veröffentlicht durch den DGB Bundesvorstand.

Arbeitsbedingungen auf Bananen-Plantagen: Gewerkschaft aus Ecuador konfrontiert Lidl

(14.06.2017/Ecuador) Die ecuadorianische Gewerkschaft Astac hat mit Unterstützung von Oxfam einen Bericht mit Zeugenaussagen vorgelegt, der aktuelle Zustände auf den Bananen-Plantagen dokumentiert. Der Bericht ist ein follow-up der Oxfam-Studie "Süße Früchte, bittere Wahrheit" (2016). Fazit der aktuellen Recherche: Auf den fünf untersuchten Plantagen, La Palma, Matías, San José de Pongarbel, San Juan und El Naranjo, die allesamt den deutschen Discounter Lidl beliefern, werden aktuell noch immer massiv die Menschenrechte der Arbeiter verletzt und die Umwelt geschädigt. Astac wendet sich deshalb in einem offenen Brief an Lidl.

Der Astac-Vorsitzende, Jorge Acosta, war selbst Pestizidpilot auf einer Bananenplantage bevor er nach gesundheitlichen Problemen beschloss, sich für die Rechte der Arbeiter*innen einzusetzen, die wie er früher auf den Plantagen arbeiten.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Astac-Recherche in Kürze:

  • Die Löhne der Mehrzahl der Arbeiter reichen nicht aus, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.
  • Es werden noch immer hochgiftige Agrarchemikalien verwendet. Während die Pestizide über den Feldern versprüht werden, gibt es so gut wie keine Schutzmaßnahmen für die Arbeiter. Von fehlenden Schutzmaßnahmen sind auch Anwohner im Umkreis der Plantagen betroffen.
  • Arbeiter, die sich der Gewerkschaft Astac anschließen oder eine eigene Gewerkschaft gründen wollen, werden bedroht und jegliche Formen der Selbstorganisation der Beschäftigten behindert. Es ist den Arbeitern nicht einmal erlaubt, sich an freien Tagen zu treffen.

Den offenen Brief von Astac kannst Du / können Sie hier mitzeichnen: Offener Brief aus Ecuador an Lidl

12. Juni - Welttag gegen Kinderarbeit

(12.06.2017/Düsseldorf) Der 12. Juni markiert den Welttag gegen Kinderarbeit. Die deutschen Gewerkschaften, der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und die tripartit besetzte Internationale Arbeitsorganisation (ILO) kämpfen seit Jahrzehnten gegen Kinderarbeit. Nach wie vor geht die ILO von mindestens 168 Millionen Kinderarbeitern aus. Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft (99 Millionen), aber auch der Bergbau, das verarbeitende Gewerbe und der Tourismus stützen nach wie vor Kinderarbeit.

Die Mittel Kinderarbeit weltweit zu beenden sind dabei vielschichtig. Normativ sind weltweit das ILO-Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter zur Zulassung zur Beschäftigung von 1973  und das ILO-Übereinkommen 182 über die Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit von 1999 die wichtigsten Instrumente. Das Mindestalter-Übereinkommen haben mittlerweile 168 Mitgliedsstaaten ratifiziert und das Übereinkommen zur Abschaffung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit  haben 180 Mitgliedsstaaten ratifiziert. Die absolute Anzahl der Kinderarbeiter spricht aber dafür, dass noch nicht genug getan wird.

Die deutschen Gewerkschaften und insbesondere die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzen sich für den Kampf gegen die Kinderarbeit weltweit ein. Die Kolleg*innen der GEW haben dafür die Fair Childhood-Stiftung gegründet, die sich explizit dafür einsetzt, dass Kinder weltweit  in die Schule anstatt zur Arbeit gehen können.

Informationen zum Spendenkonto der Fair Childhood-Stiftung finden sich hier: http://www.fair-childhood.eu/Spenden.html

 

Klimaschutz-Erklärung: "Unsere Jobs, unser Planet" - Gute Arbeit und Umweltschutz sind kein Widerspruch

ITUC und TUAC

(09.06.2017/Berlin/DGB) Gemeinsam für einen gerechten Übergang zu einer umweltfreundlichen, nachhaltigen Wirtschaft: Vor dem Gipfeltreffen der G7-Umweltminister fordern europäische und amerikanische Gewerkschaften die Regierungen eindringlich auf, am Pariser Klimaschutzabkommen festzuhalten. Der Appell im Wortlaut.

 

Internationale Gewerkschaften fordern entschiedenen Klimaschutz

Anlässlich des Mitte Juni stattfindenden G7-Umweltminister-Gipfels und des von den USA angekündigten Rückzugs aus dem Pariser Klimaschutzabkommen rufen die internationalen Gewerkschaften zu entschiedenem Klimaschutz auf. Bei einer Tagung am 9. Juni in Bologna formulierten europäische und amerikanische Gewerkschaften eine Erklärung (deutsche Version s.u.), die die Regierungen zur Einhaltung des Pariser Abkommens auffordert.

In der Erklärung "Unsere Jobs, unser Planet" unterstreichen die Gewerkschaften die Notwendigkeit der Bemühungen, die Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Sie fordern die Regierungen zudem auf, den dafür notwendigen Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft gemeinsam zu gehen und einen gerechten Strukturwandel auf den Weg zu bringen, der alle Betroffenen und Regionen einschließt.

Auch für den DGB ist dabei klar, dass es bei der Gestaltung des Übergangs nicht darum gehen kann, zwischen Arbeitsplätzen und Umwelt- und Klimaschutz zu wählen. Vielmehr soll ein gerechter Übergang hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft gestaltet werden, bei dem Gute Arbeit als wesentliches Grundprinzip verankert werden soll.

Die Erklärung im Wortlaut:

„Unsere Jobs, unser Planet“

Statement der Gewerkschaften
zum G7-Umweltministertreffen in Bologna, Juni 2017

"Das aktuelle Wirtschaftsmodell ist aus allen drei Perspektiven, der sozialen, der ökologischen und der ökonomischen, nicht nachhaltig. Daher kämpfen die Gewerkschaften weltweit an vorderster Front für Veränderungen, um den Planeten und die Menschen zu beschützen und Gute Arbeit für alle erreichbar zu machen. Die Ziele für Klimaschutz und Nachhaltigen Entwicklung (SDGs) eröffnen enorme Beschäftigungspotentiale, etwa im Bereich der Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung, in Städten, im Zusammenhang mit Energie und Werkstoffen, im Gesundheits- und Sozialwesen. Deshalb geht es nicht darum, sich zwischen Beschäftigung und Umweltschutz zu entscheiden, sondern darum, einen gerechten Übergang (Just Transition) in ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu gestalten, ohne dass die Beschäftigten den Preis zahlen müssen. 2015 trafen sich Regierungschefs aus aller Welt, um das Pariser Klimaabkommen zu verhandeln, das Richtlinien für den internationalen Klimaschutz ab 2020 festlegt. Die Regierungen haben sich verpflichtet, die globale Erwärmung nicht über 2° Celsius ansteigen zu lassen und Anstrengungen zu unternehmen, unter 1,5° zu bleiben, um gravierende und unumkehrbare Auswirkungen auf die Menschheit zu verhindern. Sie haben außerdem vereinbart, bis 2020 100 Milliarden US-Dollar aufzubringen, um Entwicklungsländer bei der Durchführung von Klimaschutzmaßnahmen und dem Schutz vor Klimaschäden zu unterstützen. Die internationale Gewerkschaftsbewegung ruft die politischen Führer der Welt auf, das Thema Klimaschutz mit Ehrgeiz anzugehen, denn wie wir alle wissen: „There are no jobs on a dead planet“. Das Pariser Klimaabkommen ist eine multilaterale Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels. Und auch, wenn noch viel getan werden muss, um die Ziele zu erreichen, muss das Abkommen derjenige Rahmen bleiben, in dem staatliche Klimaschutzmaßnahmen zusammengetragen und bewertet werden. Hiermit bestätigen wir erneut unsere Unterstützung für das Pariser Klimaabkommen und ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen. Das Pariser Klimaabkommen zu verlassen, gleicht einer Absage an eine saubere Zukunft angetrieben von Guter Arbeit. Wir wissen, dass Millionen von Beschäftigten und Familien noch von einer auf fossilen Energien basierten Wirtschaft abhängen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie haben die Energie erzeugt, mit der unser heutige Wohlstand erreicht werden konnte. Regierungen und Arbeitgeber müssen sich jetzt mit Beschäftigten und Gewerkschaften zusammensetzten und zum Schutz unserer Zukunft eine Just-Transition-Strategie erarbeiten, die Gute Arbeit für Alle garantiert. Ein gerechter Übergang ist ein Prozess, der Zeit braucht: Es gibt einige Maßnahmen, die sofort ergriffen werden können und die Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber gemeinsam angehen sollten. Andere Maßnahmen und Strategien brauchen mehr Zeit, um implementiert zu werden und zu wirken. Deswegen müssen wir diese Prozesse jetzt anstoßen und vorantreiben, denn der Klimawandel steht nicht still. Dass die Forderung nach einem gerechten Übergang in das Pariser Klimaabkommen aufgenommen wurde, ist ein wichtiger erster Schritt.

Um international eine Vorreiterrolle einzunehmen, sollten die G7-Länder

  • sicherstellen, dass ihre NDCs (national festgelegte Beträge) dazu beitragen, das Ziel von höchstens 2° Celsius Erwärmung zu erreichen.
  • Führungsrollen bei der Eröffnung von Dialogen mit Gewerkschaften und Beschäftigten einnehmen, um eine gerechte Strukturentwicklung sicherzustellen. Dazu gehört auch die Unterstützung beim Einrichten von Just-Transition-Fonds, um noch ambitioniertere Ziele erreichen zu können.
  • Investitionen in Sektoren unterstützen, die gleichzeitig viele Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen und zum Klimaschutz beitragen, z.B. Energieeffizienz und erneuerbare Energie, mit besonderem Fokus auf Energiearmut, nachhaltiger Mobilität und insbesondere der Verkehrsinfrastruktur.
  • Umwelt- und Klimaschutz einen höheren Stellenwert in ihrer Haushaltsplanung und internationalen Beziehungen einräumen.
  • eine umweltfreundliche Industriepolitik erarbeiten, die Gute Arbeit und CO2-arme und ressourceneffiziente Produktion gleichermaßen priorisiert.
  • Regulierungen zu umweltverträglichen Industrieprozessen stärken und die Nutzung toxischer Substanzen verringern.
  • Regionen stärker unterstützen, die die Auswirkengen des Klimawandels bereits spüren, etwa in Form von Dürren, damit die Bevölkerung nicht gezwungen ist zu emigrieren.

Die Gewerkschaften rufen die Regierungen auf, den Wandel unserer Wirtschaft hin zu einem System zu unterstützen, das die Umwelt achtet, Gute Arbeit für alle gewährleistet und sozial inklusiv ist. Das beginnt mit der Bestätigung und Implementierung des Pariser Abkommens und den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030.“
 

Erstmalig veröffentlicht durch den DGB Bundesvorstand.

Leder- und Schuhproduktion in der Türkei: Report der Kampagne Change Your Shoes prangert Missstände an

(06.06.2017/Berlin/Inkota) Das INKOTA-netzwerk und die Kampagne für Saubere Kleidung haben eine Studie veröffentlicht, die massive Arbeitsrechtsverletzungen in der türkischen Schuh- und Lederindustrie aufdeckt. Die Staaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland, sind die größten Abnehmer von Schuhen aus der Türkei. Deshalb fordern INKOTA und die Kampagne für Saubere Kleidung zusammen mit seinen Partnern von Change Your Shoes europäische Schuhunternehmen auf, die Einhaltung der Menschenrechte in Produktionsländern wie der Türkei sicherzustellen und darüber öffentlich zu berichten.
 

Die aktuelle Studie „Hier läuft was schief… – Arbeitsbedingungen in der türkischen Schuh- und Lederindustrie“ untersucht die Situation der Arbeiter in der türkischen Schuh- und Lederindustrie. Im Rahmen der Kampagne Change Your Shoes wurden zahlreiche Personen interviewt, die in Gerbereien, bei Lederverarbeitungsfirmen und bei Schuhproduzenten arbeiten. Ihre Aussagen zeigen, dass Arbeitsrechtsverletzungen in der türkischen Schuh- und Lederindustrie weit verbreitet und strukturell bedingt sind. Die Arbeiter berichten von Löhnen unter dem existenzsichernden Niveau, unzureichendem Schutz vor Gesundheits- und Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz und einem extremen Anstieg von informellen Arbeitsverhältnissen. Außerdem seien überlange Arbeitstage und die Diskriminierung von Gewerkschaften festzustellen.
In der Lederproduktion ist insbesondere der intensive Einsatz von Chemikalien ein großes Problem – mit massiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten. Die Arbeiter in den Gerbereien und verarbeitenden Betrieben sind in dreierlei Hinsicht besonders gefährdet: Erstens können Mikroorganismen, die sich auf den rohen Häuten befinden, Infektionen wie Milzbrand oder Typhus auslösen. Zweitens verursachen Chemikalien, die zum Konservieren, als Lösungsmittel oder Gerbstoff verwendet werden (darunter das hochgefährliche Chrom VI), bei mangelndem Schutz Atemwegs-, Augen- und Hauterkrankungen bis hin zu Krebs. Drittens kann die Arbeit in ständig feuchten, staubigen oder lauten Arbeitsbereichen zu rheumatischer Arthritis, Atemwegserkrankungen und Hörschäden führen. Die Herstellung von Leder ist daher oft ein giftiges und gefährliches Geschäft.

Aylin*, Arbeiterin in einer Schuhfabrik in der Provinz Istanbul, berichtet: „Vor allem im Sommer, wenn es heiß ist, spüren wir die Wirkung der Chemikalien. Wir haben Husten und Übelkeit, sind schwach und können manchmal kaum das Gleichgewicht halten.“ Tarek*, ebenfalls Arbeiter in einer Istanbuler Schuhfabrik, ergänzt: „Es gibt keine Gesundheits- oder Sicherheitsmaßnahmen an den Arbeitsplätzen. Ich glaube, nicht mal der Staat kümmert sich um uns. Wir würden gefeuert werden, wenn wir uns zusammenschließen und dagegen protestieren würden.“

Der größte Abnehmer türkischer Schuhe ist die Europäische Union – allen voran Deutschland. Im Jahre 2015 importierten die EU-Staaten Schuhe im Wert von 162 Millionen US-Dollar aus der Türkei. Die türkischen Schuhunternehmen, die von einer Zollunion mit der EU profitieren, streben an, das Exportvolumen nach Europa in Zukunft massiv zu steigern.

Die Kampagne Change Your Shoes bemängelt, dass Politik und Wirtschaft in der EU zwar die politischen Entwicklungen in der Türkei kritisieren, aber gleichzeitig die Handelsbeziehungen zu dem Land ausbauen wollen. Europäische Schuhunternehmen würden direkt von den niedrigen Einkaufspreisen profitieren und seien deshalb mitverantwortlich für die Arbeitsrechtsverletzungen in der Türkei. Berndt Hinzmann von INKOTA sagt: „Das muss sich ändern. Jetzt ist die Zeit gekommen. Firmen und Politik müssen handeln und die Missstände abstellen. Durch Offenlegung und Berichtspflichten müssen Unternehmen glaubhaft machen, dass sie sichere Arbeitsbedingungen schaffen und die Menschenrechte bei der Arbeit einhalten.“

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die Kampagne Change your Shoes die Petition „Transparenz statt Versteckspiel“ gestartet. Diese richtet sich an sechs international bekannte Schuhunternehmen – darunter Deichmann und Birkenstock.

* Die Namen der befragten Beschäftigten wurden verändert, um ihre Identität zu schützen.

DGB und Justitia et Pax fordern Stärkung der Arbeitsinspektion in Deutschland und weltweit

(19.05.2017/Berlin/DGB) „Immer wieder erregen Skandale um Arbeitsbedingungen auf Baustellen, in der Fleischindustrie, in Privathaushalten, in Textilfabriken die öffentliche Aufmerksamkeit. Solche Skandale ereignen sich nicht alle weit weg in fernen Ländern sondern auch hier in Deutschland, also vor der eigenen Haustür. Das Recht auf menschenwürdige Arbeit muss überall gelten“, fordert der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax Bischof Dr. Stephan Ackermann.

Anlässlich des Gipfel-Treffens der G20- Arbeitsminister am 18./19. Mai 2017 in Bad Neuenahr, veröffentlicht die Deutsche Kommission Justitia et Pax zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund ein gemeinsames Positionspapier ‚Arbeitsinspektion in einer globalisierten Welt‘.

 

„Da die Ursachen solcher Skandale in den meisten Fällen in gesetzeswidrigen Handlungen liegen, ist es Aufgabe des Staates, diese kriminellen Tätigkeiten zu ahnden und zu verhindern. Die Arbeitsinspektion ist ein zentrales Instrument des Staates, dieser Aufgabe nachzukommen“, so Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Der DGB und Justitia et Pax sehen gravierende Defizite in der Ausgestaltung der Arbeitsinspektion in Deutschland. So bemängeln sie z.B. eine starke Zersplitterung der Überwachungs- und Kontrollbehörden, die zu einer uneffektiven Arbeitsweise führt. Zudem werden die einzelnen Beschäftigten nicht bei der Einklagung ihrer Rechte unterstützt.

Auch international betrachtet, werde die Arbeitsinspektion oft vernachlässigt, um internationale Investoren bzw. die Zusammenarbeit der einheimischen Wirtschaft mit ihnen nicht zu beeinträchtigen. Deshalb müssten auch die G20, die sich der menschenwürdigen Arbeit in Wertschöpfungsketten widmen dieses staatliche Instrument ausbauen, fordern DGB und Justitia et Pax.

Der Vorsitzende von Justitia et Pax betont: „Wir brauchen ein Umdenken: Die Fiktion, dass einzelne Beschäftigte stark genug seien, ihre Rechte einzuklagen trifft weder in Deutschland noch in anderen Ländern zu. Daher brauchen wir verbindliche Übereinkommen und starke staatliche Instrumente, um  die Ausbeutung von Menschen entlang der Wertschöpfungsketten zu verhindern. Die Arbeitsinspektion bietet hierfür Möglichkeiten.“ Auch DGB-Vorstandsmitglied Buntenbach sieht die Staaten in der Pflicht: „Auch vor dem Hintergrund der von den Vereinten Nationen vereinbarten Agenda 2030 sollten Staaten für die Rechte der Arbeitenden eintreten und das nicht freiwilliger unternehmerischer Initiative überlassen.“

Erstmalig veröffentlicht durch den DGB Bundesvorstand

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