Nord-Süd-News 2009/IV
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Der Krise ausgeliefert: Heimarbeiterinnen im Süden
Fünf bis sechs Stunden pro Tag näht Shahida Asif Blusen und Kurtas, lose pakistanische Hemden. Die Blusen sind sicher für den Export, meint sie, denn in Pakistan trägt niemand solche Kleidung. Wohin die Blusen gehen, weiß sie nicht, für sie macht es auch keinen Unterschied. Sorge bereitet Shahida Asif jedoch die stark abnehmende Nachfrage nach solchen Blusen. Denn der Mittelsmann, von dem sie Aufträge und Material bekommt, will immer weniger davon. Noch vor zwei Jahren nähte Shaida Asif bis zu elf Stunden am Tag. Jetzt ist es nur mehr halb so lang, und jedes Mal muss sie mit dem Mittelsmann streiten, damit er den Stück¬preis nicht noch weiter herabsetzt. „Wir kommen kaum noch über die Runden“, sagt Shahida Asif.
Ohne Polster
Die Nichtregierungsorganisation WIEGO (Women in Informal Employment: Globalizing and Organizing) hat im August 2009 eine Studie über die aktuelle Lage der im informellen Sektor arbeitenden Frauen weltweit vorgelegt.
Kommentiert: Krisengipfel der Gewerkschaften
Im Zuge der politischen Bewältigung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise entwickeln sich neue Strukturen des Globalen Regierens („Global Governance“). Wo bisher die wirtschaftsstarken Nationen des Nordens in der Gruppe der G8 das Sagen hatten, beteiligen sich im weiteren Kreis der G20 nun auch die Schlüsselländer des Südens am globalen Krisenmanagement. Dazu gehören China, Indien, Brasilien, In¬donesien und Südafrika. Eingedenk ihrer zunehmenden Bedeutung für die Weltwirtschaft traten sie bei den bisher drei Krisengipfeln der G20 in Washington, London und Pittsburgh selbstbewusst und fordernd auf.
Mato Lalic: Ein geborener „Syndikalist“
Die serbischen Gewerkschafter tagen im Belgrader Hotel „Slavija“, einem Wolkenkratzer aus der Tito-Zeit. Beide haben schon bessere Zeiten erlebt: Das Hotel braucht dringend Renovierung, die „Syndikalisten“ dringend Erneuerung. Der Mann, der ihnen den Weg weist, heißt Mato Lalic (61) und kommt aus dem kroatischen Zagreb. Im Auftrag der europäischen Gewerkschaftsverbände der Lebensmittelbranche (IUL) und der Chemie (ICEM) begleitet er die Gewerkschaften auf dem Balkan in der neuen, veränderten Gesellschaftsordnung „Er ist einer von uns, er hilft uns gegen die „bösen“ Kapitalisten“, sagt Jovan, einer der serbischen Teilnehmer, verschmitzt.
Adressatin für Hilferufe
Sie ist nicht der gestylte Karrieretyp. Gertrud Moll stellt sich mit gewinnendem Lächeln vor, bestellt „ein Bleifreies“ und genießt ihr alkoholfreies Bier. Schon seit Ende ihres Studiums arbeitet die 55-jährige Stuttgarterin bei Bosch. Noch länger macht sie in der IG-Metall Gewerkschaftsarbeit, seit gut zwei Jahrzehnten auch auf dem internationalen Parkett. „Wie die Jungfrau zum Kind“ sei sie dazu gekommen, beschreibt die Diplom-Mathematikerin ihren Weg, der sie zunächst mit den Kollegen in den brasilianischen Bosch-Dependancen Campinas und Manaus verbindet. „Uns wird seit Jahrzehnten vorgehalten, das Ausland produziert billiger“, erzählt die seit 2005 freigestellte Betriebsrätin. „Da wird ständig versucht, uns gegeneinander auszuspielen“. Ihr Fazit: „Es muss einen fairen Ausgleich geben.“ Auch in der Krise.
Aus der Arbeitswelt: Sambia. Krise im Bergbau heißt Armut
Sambia ist einer der größten Produzenten von Kupfer. Die Wirtschaft des Landes, welches zu den ärmsten der Welt zählt, hängt am Schicksal des Edelmetalls. Durch die globale Finanzkrise verfiel der Kupferpreis dramatisch und stürzte tausende Bergbauarbeiter in die Arbeitslosigkeit.
Aus der Arbeitswelt: Kolumbien. Widerstand gegen Paramilitärs
Montería gilt als die inoffizielle Hauptstadt der Paramilitärs in Kolumbien. An der Universität haben die Gewerkschaften nach Jahren des Terrors Widerstand gegen sie in Gang gesetzt.
Aus Projekten und Kampagnen. Kick gegen Sklavenarbeit
Im Dezember 2009 soll in Kapstadt am „Green Point“ das letzte von zehn Fußballstadien für die Fußballweltmeisterschaft 2010 eingeweiht werden. Wer daran mitgebaut hat, muss keinen Eintritt bezahlen: FIFA hat allen 20.000 Bauarbeitern der Stadien Freitickets zugesagt.
Aus Projekten und Kampagnen. Mindestlöhne für Menschen
Das gewerkschaftliche Forschungszentrum TURC hat in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eine Kampagne für einen menschenwürdigen Mindestlohn auf den Weg gebracht. Mit dabei waren am internationalen Tag für gute Arbeit am 7. Oktober mehrere Gewerkschaften aus der Bekleidungsindustrie in Indonesien. Mit dabei an anderen Orten waren auch Aktivisten aus Indien, China, Thailand, Malaysia, Bangladesh, Sri Lanka, den Niederlanden, den USA und Großbritannien.
Aus Projekten und Kampagnen. Austausch durch Netzwerke
Im Fokus der diesjährigen Tagung zur gewerkschaftlichen Brasilienarbeit im Oktober stand die Analyse gewerkschaftlicher Netzwerke auf Unternehmensebene vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise.
Notiert: Ermutigung durch Nord-Süd news
Nach dem Wunsch von Leserinnen und Lesern sollten die „Nord-Süd news“ im Wesentlichen bleiben, wie sie sind: Das ist das Ergebnis der Auswertung von 44 Fragebögen, die nach dem Erscheinen der dritten Ausgabe 2009 per Post oder E-mail zurückgeschickt worden sind.
Notiert: Freilassung in Izmir
Vor dem zehnten türkischen Strafgerichtshof in Izmir hat am 19. und 20. November die Beweisaufnahme gegen 31 Gewerkschafter der Bildungsgewerkschaft Egitim Sen und des Dachverbands der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst KESK begonnen.
Notiert: Dialog in Südostasien
Am Rande des 15. Gipfels der Vereinigung südostasiatischer Länder (ASEAN) haben sich am 24. Oktober in Bangkok (Thailand) zum ersten Mal Vertreter der Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Arbeitsministerien zu Gesprächen getroffen.
Notiert: Reguliert aus der Krise
Unter dem Titel „Freiwillig in die Krise – reguliert wieder heraus“ ist die Dokumentation einer Fachtagung über Wege aus der Krise vom 26. März in Berlin erschienen.
Termine
06.–07.02.2010
Nähen unterm heißen Blechdach –
Arbeitsbedingungen bei Outdoor-Zulieferern in El Salvador
| DGB Tagungszentrum Hattingen
19.–21.02.2010
Jugendzukunftscamp „Perspektiven einer besseren Welt“
| Jugendbildungszentrum Hattingen
Anmeldung und Informationen:
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