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Nord|Süd news III/2010
Brasiliens Gewerkschaften müssen wieder mobilisieren
In Brasilien amtiert Luiz Inácio Lula da Silva seit 2003 überaus erfolgreich als Präsident. Drei Viertel der Brasilianer geben dem früheren Metallgewerkschafter gute oder sehr gute Noten. Ob er allerdings seiner Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff im Oktober zum Wahlsieg verhelfen wird, ist ungewiss: Lulas Arbeiterpartei PT ist auf eine Koalition mit Mitte- und Rechtsparteien angewiesen, und im Präsidialsystem kann die Figur des Kandidaten den Ausschlag geben. Chancen kann sich auch der Sozialdemokrat José Serra ausrechnen, der 2002 gegen Lula verloren hatte.
Kommentiert: Lulas erfolgreiche Bilanz
Wenn der Empfang, den die Arbeiter des Volkswagenwerkes in Anchieta bei São Paulo dem brasilianischen Präsidenten Lula an einem verregneten Junimorgen bereiten, repräsentativ ist für das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Präsident, dann sind die Beziehungen glänzend. Mit Jubelgesängen und Sprechchören feiern die VW-Arbeiter Lula als einen der ihren. Bei Zustimmungsraten um die 80 Prozent haben Präsident Lula und seine Regierung in den vergangenen Jahren offensichtlich vieles richtig gemacht.
Vorgestellt: José Drummond - Weitergereichte Solidarität
„Ich habe gespürt, wie machtvoll wir als Gewerkschafter sind“, sagt José Drummond, wenn er sich an die Anfänge seines gewerkschaftlichen Engagements erinnert. Als Student der Chemie und später als Arbeiter bei Volkswagen in São Bernardo do Campo hat er sich am Kampf gegen die Militärdiktatur in Brasilien beteiligt. Bei der BASF stand er auf der oppositionellen Gewerkschaftsliste und hat im Untergrund das Regime bekämpft. Gemeinsam mit Lula, damals Metallgewerkschafter, hat er Generalstreiks organisiert und 1983 den brasilianischen Gewerkschaftsdachverband CUT gegründet.
Vorgestellt: Emilija Mitrovic - Belebende Widerstände
Broschüren und Unterlagen stapeln sich in dem kleinen Büro im dritten Stockwerk des Gewerkschaftshauses am Hamburger Hauptbahnhof. Zwischen Plakaten zum internationalen Frauentag und dem Foto ihrer 21-jährigen Tochter schreibt Emilija Mitrovic wissenschaftliche Studien und plant neue Projekte. Doch ebenso viel Zeit verbringt die umtriebige Gewerkschafterin draußen, wo sie seit ihrer Studie über Prostitution den Ratschlag der Beratungsstellen zu diesem Thema koordiniert oder Migrantinnen interviewt.
Aus der Arbeitswelt: Guinea - Auftakt zur Versöhnung?
Mitte September entscheiden die Guineer über die Nachfolge der regierenden Militärjunta. Unabhängig vom Ergebnis haben Gewerkschaften bei der Zukunft des Landes eine Menge mitzureden. Es ist eine Schicksalswahl, so viel steht fest: wenn am 19. September die Bürger im westafrikanischen Guinea zur Stichwahl an die Urnen gehen, entscheiden sie über nicht weniger als über die Zukunft der ehemaligen französischen Kolonie. Nach zwei Jahren Militärherrschaft wollen die Guineer einen zivilen Präsidenten wählen.
Aus der Arbeitswelt: Vietnam - Betriebsfrieden war gestern
In Vietnam wächst die Privatwirtschaft an den Staatsbetrieben vorbei.
Neue Formen der Konfliktaustragung werden noch gesucht – auch vom alten Gewerkschaftsbund. „‚Aufwachen, du Schlafmütze! Du wirst nicht fürs Schlafen bezahlt!‘ Die Stimme der Aufseherin schallt durch die Fabrikhalle. Es ist 22 Uhr. Die offizielle Arbeitszeit ist seit vier Stunden überschritten, es ist die dritte Nacht in Folge, in der sie arbeiten müssen.“ So schildert Carolin Philipps in dem Jugendbuch „Made in Vietnam“ die ganz normale Hölle vietnamesischer Fabrikarbeit.
Aus Projekten und Kampagnen: Globale Betriebsräte gefragt
Internationale gewerkschaftliche Netzwerke sind die Antwort auf globale Produktionsstrategien multinationaler Konzerne. Immer mehr knüpfen Kontakte in Asien und arbeiten auf einen Weltbetriebsrat hin. „Ein Netzwerk fängt unten an, nicht oben am Kopf. Sonst ist das eine Totgeburt“, findet Alfred Löckle, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Bosch.
Aus Projekten und Kampagnen: Solidarität auf Sendung
Mit kleinen Beträgen und großem Engagement unterstützt der „Solidaritätsfonds demokratische Medien in der Welt“ Radio-stationen, Zeitungen und Journalisten im Süden. „Kommunikation ist die Basis für Organisation, das gilt für Gewerkschaften ebenso wie für soziale Initiativen“, sagt Paul Hell, Vorstandsmitglied und einer der Gründungsväter des Fonds, der sich vor 15 Jahren als gemeinnütziger Verein registrieren ließ.
Aus Projekten und Kampagnen: Futter zum Argumentieren
Die weltweite Wirtschaftskrise hat Argentinien weit weniger stark erschüttert als andere Länder. Dennoch kämpfen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegen vermeintliche Auswirkungen. Arbeitgeber rechtfertigen schlechte Arbeitsbedingungen, Einsparungen beim Gesundheitsschutz, befristete Arbeitsverträge und Lohnkürzungen gern mit der „Krise“.
Notiert: Kein Frontalunterricht
Über Methoden in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit hat sich eine zehnköpfige Delegation der vietnamesischen Gewerkschaft für Industrie und Handel im August in Deutschland informiert. Auf Einladung der IG Bergbau Chemie Energie besuchten die vier Frauen und sechs Männer u. a. das IG BCE-Bildungszentrum in Bad Münder, wo sie bei einem Seminar für Betriebsräte hospitieren konnten.
Notiert: Ernsthafte Spiele
Sogenannte „Serious Games“ sollen das Lernen auf einladende, motivierende und spannende Art so gestalten, dass beim Erreichen von Lernzielen auch die Faszination des Spiels nicht verloren geht. Ob sie auch für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit taugen, soll ein Workshop vom 24. bis 26. September im Tagungszentrum Hattingen untersuchen.
Notiert: Sonderwirtschaftszonen
Unter dem Titel „Sonderwirtschaftszonen – Entwicklungsmotoren oder teure Auslaufmodelle der Globalisierung?“ hat das DGB Bildungswerk BUND in Zusammenarbeit mit terre des hommes und dem Global Policy Forum Europe ein aktuelles Arbeitspapier herausgebracht.
Notiert: Sommer IGB-Präsident
Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer wurde Ende Juni beim Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) zu dessen neuem Präsidenten gewählt. Seine Vorgängerin Sharan Burrow aus Australien wurde Generalsekretärin des IGB und die erste Frau in diesem Amt.
Termine
24.–26.09.2010
Entwicklungspolitisches Edutainment? Einsatz, Entwicklung und Wirksamkeit von Lernspielen in der
(entwicklungs-) politischen Bildungsarbeit
| DGB Tagungszentrum Hattingen
10.–15.10.2010
Containerflut – Der Hamburger Hafen als Drehkreuz im Globalisierungswettlauf
| DGB Tagungszentrum Hamburg-Sasel
15.–17.10.2010
Tagung zur gewerkschaftlichen Türkeiarbeit
| DGB Tagungszentrum Hattingen
17.–22.10.2010
Verknappung von Öl als Treibstoff für Konflikte: Gefährdet der weltweite Energie- und Rohstoffhunger
Frieden und Entwicklung?
| DGB Tagungszentrum Hamburg-Sasel
17.–22.10.2010
Deutschland, Israel und Palästina: Schuldfragen, Interessen und politische Sympathien im Nahostkonflikt
| DGB Tagungszentrum Hattingen
12.–14.11.2010
Tagung zur gewerkschaftlichen Brasilienarbeit
| DGB Tagungszentrum Hattingen
Anmeldung und Informationen:
www.nord-sued-netz.de
