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Mato Lalic: Ein geborener „Syndikalist“

 

LalicDie serbischen Gewerkschafter tagen im Belgrader Hotel „Slavija“, einem Wolkenkratzer aus der Tito-Zeit. Beide haben schon bessere Zeiten erlebt: Das Hotel braucht dringend Renovierung, die „Syndi­kalisten“ dringend Erneuerung. Der Mann, der ihnen den Weg weist, heißt Mato Lalic (61) und kommt aus dem kroatischen Zagreb. Im Auftrag der euro­päischen Gewerkschaftsverbände der Lebensmittel­branche (IUL) und der Chemie (ICEM) begleitet er die Gewerkschaften auf dem Balkan in der neuen, veränderten Gesellschaftsordnung „Er ist einer von uns, er hilft uns gegen die „bösen“ Kapitalisten“, sagt Jovan, einer der serbischen Teilnehmer, ver­schmitzt.

Mato muss schon bei seiner Geburt in Nordkroatien ein „Syndikalist“ gewesen sein. Vor gut 30 Jahren kam der Maschinenbautechniker nach Deutschland, er „wollte die Welt sehen“. Er arbeitet als Schlosser und setzt sich gleich für bessere Arbeitsbe-dingungen im multinationalen Betrieb Neoplan in Stuttgart ein. „Da habe ich begriffen, dass ich zuerst richtig Deutsch lernen muss, wenn ich was erreichen will“, erzählt Mato. Er engagiert sich in der IG Metall, wird 1981 Betriebsratsvorsitzender und bleibt in dieser Funktion vierzehn Jahre lang. „Nebenbei“ studiert er Volks­wirtschaft in Zagreb und gehört dem Ausländerbeirat in Stuttgart an.

1996 kehrt Mato Lalic nach Zagreb zurück und wird ein kroatischer „Syndikalist“. Seit 1998 gibt er im Auftrag der europäischen Gewerkschaften sein Wis­sen und Können auf dem Balkan weiter. Er soll die alten so­zialistischen Gewerkschaften reorga­nisieren helfen: „Die dienten eher der Politik als den Arbei­tern“, meint der Gewerkschafter. Zu seinem Ar­beitsgebiet gehören 49 Gewerkschaften von Albanien und Bulgarien bis Bosnien und Kroatien. Heute bildet er vor allem Gewerkschafter aus, die ihr Wissen an die Basis vor Ort weiter reichen. Be­sonders zu schaf­fen macht ihm die große Armut auf dem Balkan, und die Gewerkschaften, die niemand wahrnimmt.

Mato Lalic ist ständig unterwegs: Sa­rajevo, Tirana, Bukarest, Belgrad ... Hat er überhaupt noch Zeit? Wann spielt er mit seinen Enkeln, die an der kroatischen Küste leben? „Ach, die Zeit ...“, sagt Mato wehmütig und nippt an seinem Espresso, „Schön wäre es, wenn der Tag 48 Stunden hätte ...“

 

Danja Antonovic

Die Autorin ist freie Journalistin in Belgrad und Hamburg.