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Aus der Arbeitswelt: Sambia. Krise im Bergbau heißt Armut
Sambia ist einer der größten Produzenten von Kupfer. Die Wirtschaft des Landes, welches zu den ärmsten der Welt zählt, hängt am Schicksal des Edelmetalls. Durch die globale Finanzkrise verfiel der Kupferpreis dramatisch und stürzte tausende Bergbauarbeiter in die Arbeitslosigkeit.
Beim Erlegen einer Antilope stieß Anfang des 20. Jahrhunderts ein britischer Jäger im südlichen Afrika überraschend auf Kupfer. Kurz darauf gründete er die „Roan Antelope Copper Mines Ltd“ und begann mit dem Abbau des Edelmetalls: so will es die Legende. Die Mine liegt heute im Ort Luanshya im sambischen Kupfergürtel.
Sie ist eines von vielen Bergwerken in der Region, welche die zweitgrößten Kupfervorkommen der Welt aufweist. Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Betreibergesellschaft „Luanshya Copper Mines“ die Arbeit dort einstellen wird. 1.720 Arbeiter verloren nach Angaben der Gewerkschaft „Mineworkers’ Union of Zambia“ (MUZ) ihren Job. Nur wenige blieben zurück, um das Areal betriebsbereit zu halten. Die Ereignisse führten der sambischen Gesellschaft vor Augen, dass die weltweite Finanzkrise, die nach dem Zusammenbruch führender amerikanischer Geldinstitute auf die Realwirtschaft übergesprungen war, den afrikanischen Kontinent erreicht hatte. Zugleich offenbarte sie die Anfälligkeit Sambias für globale Handelsschwan-kungen. Im Jahre 2008 erwirtschaftete das Land 65 Prozent seines Bruttoinlands-produkts im Handel, davon allein 31 Prozent durch Exporterlöse. Verstärkt wird diese Abhängigkeit durch die Konzentration auf den Kupferexport. Die Wirtschaftskrise ließ die Nachfrage nach Kupfer einbrechen. Der Preis fiel 2008 binnen weniger Monate um fast zwei Drittel.
Die sambische Bergbauindustrie hat bereits viel erlebt. Der kolonialen Ausbeutung folgte kurz nach der Unabhängigkeit die Verstaatlichung. Schulden und anhaltend geringe Kupferpreise verhinderten notwendige Investitionen. Anfang der 1990er Jahre wurde daher die Privatisierung eingeleitet. Das neue Geld und ein steigender Kupferpreis brachten den Sektor zurück ins Geschäft. Leidtragende dieser Radikal-kur waren die Arbeitnehmer. Gehälter wurden gekürzt, Leistungen gestrichen und die Arbeitsbedingungen rauer. Viele Minenarbeiter verloren ihren Job.
Auch die jüngste Krise trifft die Beschäftigten hart. Die Konzerne reagierten mit Stilllegungen von Produktionsanlagen, Kündigungen von Zuliefererverträgen sowie Stellenabbau auf die fallenden Preise. Die Gewerkschaft MUZ schätzt, dass 8.100 von 30.000 Minenarbeitern im Jahre 2008 arbeitslos wurden und mangels sozialer Absicherung direkt in die Armut rutschten. Die sambische Regierung versuchte die Produktionskosten zu drosseln, indem sie bereits beschlossene Steuererhöhungen wieder zurücknahm.
„Man wird das Gefühl nicht los, dass manche Konzerne das Fehlen eines Bündnisses und einer einheitlichen Plattform für die Herausforderungen der Wirtschaftskrise in Sambia dazu nutzen, Arbeitsplätze zu streichen und die Regierung zu Steuererleichterungen zu bewegen,“ argwöhnte MUZ-Präsident Rayford Mbulu bei einem Seminar der Friedrich-Ebert-Stiftung Anfang 2009.
Die Wirtschaftskrise behindert auch die gewerkschaftliche Arbeit. Beim Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen aber hatte die MUZ auch Erfolge: gespart wurde zuerst an der Arbeitszeit und bei ausländischen Kräften aus Europa und Asien.
Die Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Dennoch steigt der Kupferpreis inzwischen wieder an, wobei vermehrte Einkäufe Chinas vermutlich eine Rolle spielen. Die Konzerne beginnen zögerlich, entlassene Arbeiter wieder aufzunehmen. Auch in Luanshya wird in Kürze wieder gearbeitet. Die Regierung hatte die Mine nach der Stilllegung übernommen und schließlich an einen chinesischen Betreiber weiterverkauft. Bis Oktober wurden 1.200 der gekündigten Arbeiter wieder eingestellt. Bis zur nächsten Krise.
Christoph Mönnigmann
Der Autor studiert Politik- und Verwaltungswissenschaft in Konstanz und war Praktikant im Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Sambia.
