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Vorgestellt: Kossigan Olympio - Überzeugen mit "Tamtam"

Kossigan OlympioKossigan Olympio ist Boxer. Zehn Jahre hat der Westafrikaner davon gelebt, drei Mal die Meisterschaften von Ost- und Zentralafrika gewonnen. "Als ich bei der Weltmeisterschaft in Südkorea 1999 verlor, hab ich aufgehört", erzählt der 38-Jährige aus Togo mit einem Schmunzeln. Nach der Schule hat er Schneider gelernt, "aber wer Olympio heißt, findet in Togo keine Arbeit". Sein Onkel führt die Opposition in dem jahrzehntelang diktatorisch regierten Land - dessen Vater, 1963 bei einem Putsch ermordet, war nach der Unabhängigkeit der erste Präsident.

Drei Geschwister leben in Deutschland. Olympio kam im Jahr 2000 nach Bayern und hat zuerst als Fitnesstrainer gearbeitet, dann als Packer und später bei einer Zeitarbeitsfirma. 2002 fing er bei "Mike's Sandwich" in Hamburg an, Produzent von belegten Broten, die an Supermärkte geliefert werden; 200 Beschäftigte, niedrige Löhne und keine Arbeitszeitregelungen. Er trat noch im selben Jahr in die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) ein: "Mein Bruder sagte mir, dass auch in Deutschland nicht alle Arbeitgeber fair sind".

Nach einem Jahr wurde immer noch weit mehr als 40 Stunden in der Woche gearbeitet. "Ich wollte das ändern", erzählt Olympio, "es ist eine Zumutung gerade für die Frauen mit Kindern". Der größte Teil seiner Kolleginnen und Kollegen kommt aus Afrika, einige aus der Türkei oder Russland. "Ich habe ihnen gesagt, dass die Gewerkschaft helfen kann", berichtet er. "Zuerst hatten manche Angst, sie könnten die Arbeit verlieren, aber nach zwei Wochen hatte ich 120 neue Mitglieder organisiert". Olympio hat jeder und jedem den Unterschied zwischen Gewerkschaft und Betriebsrat erklärt und was ein Tarifvertrag ist. "Mit dem Gewerkschaftssekretär habe ich immer "tamtam" gemacht, "das heißt trommeln" - per sms.

Inzwischen bereiten sie einen Manteltarifvertrag vor, und Olympio wurde zum Vorsitzenden des Betriebsrats gewählt. Die Löhne wurden kürzlich auf 6,30 Euro die Stunde erhöht - erstmals seit Jahren. Olympio ist Deutscher geworden; ihm gefällt hier die Meinungsfreiheit. Die nimmt er auch im Betrieb in Anspruch: "Mich für andere einsetzen, das liegt mir wohl im Blut", meint der Ex-Boxer und lacht.

Sigrid Thomsen

Foto: © Wolfgang Huppertz/agenda