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Aus Projekten und Kampagnen - Einfluss auf Mutterkonzerne: Konferenz in Brasilien

Im brasilianischen São Paulo haben sich 180 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Deutschland und Brasilien zu einer Konferenz über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise getroffen. Sie wollen die betrieblichen Netzwerke stärken.

"Solidarität heißt, praktisch zusammenzuarbeiten, um soziale und ökologische Standards durchzusetzen", so der Appell Dietmar Hexel vom DGB Bundesvorstand zum Auftakt der Konferenz. Im Zentrum der viertägigen Veranstaltung Anfang Juli standen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die brasilianische und deutsche Volkswirtschaft, die konkreten Folgen für die Arbeitnehmer in den einzelnen Unternehmen und gemeinsame Strategien in Reaktion auf die Entwicklungen. Eingeladen hatte die Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam mit der gewerkschaftsnahen brasilianischen Bildungseinrichtung Instituto Integrar und unterstützt von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

"São Paulo ist der weltweit größte Industriestandort deutscher Unternehmen - außerhalb von Deutschland", sagte Valter Sanches, der Generalsekretär des brasilianischen Metallarbeitergewerkschaftsverbands CNM/CUT; die Vernetzung der Arbeitnehmervertretungen in den Betrieben über den Atlantik hinweg sei deshalb von großer Bedeutung. Die Rechte der Arbeitnehmer und Gewerkschaften werden jedoch in zahlreichen Betrieben nicht respektiert. So dürfen Versammlungen der Arbeitnehmer meist nur außerhalb der Werktore stattfinden, immer wieder kommt es zu widerrechtlichen Entlassungen von Gewerkschaftern. "Was können wir tun, um solche Vorkommnisse zu verhindern?", fragten deutsche Kollegen.

"Der Austausch von Informationen ist das wichtigste Instrument, das wir hier in der Hand haben", betonte Dietmar Hexel, "selbst wenn uns keine rechtlichen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, so können wir doch machtpolitisch Einfluss auf die Mutterkonzerne ausüben, wenn wir die Vorkommnisse in Deutschland bekannt machen." "Wir brauchen die betrieblichen Netzwerke, um uns in der Globalisierung nicht gegeneinander ausspielen zu lassen", findet Ulrich Schöpplein, Betriebsratsvorsitzender bei Schaeffler, wo erst im April ein Netzwerk gegründet worden ist. Seine Kollegen aus dem Werk in Sorocaba sind froh, dass sie nun die Pressemitteilungen und Stellungnahmen aus Deutschland übersetzt bekommen; sie hatten bisher kaum Informationen über die Verhandlungen mit Continental und fürchten um ihre Arbeitsplätze.

"Mir hat die Konferenz wichtige Einblicke in die Wirtschaft und Arbeitswelt in Brasilien gebracht", sagt Schöpplein, "zum Beispiel dass die Brasilianer durch die Binnenmarktorientierung weniger von der Weltwirtschaftskrise betroffen sind als wir. Was wir jetzt brauchen, sind persönliche Kontakte". Neben Betriebsräten aus den Unternehmen VW und Daimler, in denen es bereits formalisierte weltweite Verhandlungen gibt, haben auch andere Netzwerkvertreter von Thyssen-Krupp, Bosch, ZF und Rheinmetall die Konferenz genutzt, um bestehende Strukturen und Kontakte zu vertiefen.

Als großes Hindernis wird von allen das fragmentierte brasilianische Gewerkschaftssystem genannt. Die Arbeitnehmer an den einzelnen Standorten eines Unternehmens sind in unterschiedlichen Gewerkschaften und Dachverbänden organisiert; das behindert eine Kooperation oft bereits innerhalb Brasiliens. Schon auf nationaler Ebene kann die Netzwerkarbeit solche Grenzen öffnen helfen. Darum werden auf die deutsch-brasilianische Konferenz in den nächsten Monaten weitere innerbrasilianische Treffen der Unternehmensnetzwerke folgen. In Deutschland, Hattingen gibt es im Oktober ein Treffen gewerkschaftlicher Netzwerke (s. Termine).

Valter Sanches sieht in der Netzwerkarbeit eine der großen Herausforderungen der Gewerkschaftsarbeit: "Unsere Aufgabe ist es, die Aktionen der Kolleginnen und Kollegen, die in den unterschiedlichen Fabriken eines Unternehmens arbeiten, zusammen zu bringen und zu organisieren. Die Integration, die bei solchen Treffen erreicht wird, erlaubt eine Stärkung unserer Positionen bei den Verhandlungen mit den Uternehmensleitungen."

Anna Grüner

Die Autorin ist freie Mitarbeiterin des DGB Bildungswerk.

Fotos: © CNM/CUT