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Aus der Arbeitswelt: Mosambik - Süße Arbeitsbeziehungen

Ab Oktober dürfen Entwicklungsländer Rohrzucker zollfrei und ohne Mengenbeschränkung nach Europa exportieren. Die deutsche Zuckerindustrie hat diese Liberalisierung bekämpft. In Maputo bringt sie Arbeit und Investitionen.

Jeden Morgen um fünf Uhr steigt Alexandrino Julio auf sein orangefarbenes Moped und fährt zu den Arbeiterquartieren auf der Maragra  Zuckerfarm. Die liegt 86 Kilometer entfernt von Mosambiks Hauptstadt Maputo. Dort spricht er mit Arbeitervertretern, nimmt ihre Beschwerden auf, hilft mit Ratschlägen. Julio ist Generalsekretär dieser Ortsgruppe der mosambikanischen Gewerkschaft für Arbeiter in der Zuckerindustrie SINTIA (Sindicato Nacional dos Trabalhadores da Industria do Acucar). "Die Arbeiter leben mit ihren Familien auf dem Gut", erklärt er. "Es gibt drei Arten von Wohngebieten: die erste ist für das Management und ausgebildete Arbeiter, die zweite für die, die allein leben. Die dritte Kategorie ist die größte, dort leben die Feldarbeiter mit ihren Familien. Überall wo mehr als dreißig zusammen leben, haben wir einen Arbeitervertreter."

Die Maragra Zuckerfarm gehört der südafrikanischen Firma Illovo Sugar Limited. Sie beschäftigt mehr als 4.000 Arbeiter auf dem Feld und in der Fabrik. Es ist eines von vier großen kommerziellen Zuckergütern in Mosambik; zusammen beschäftigen sie mehr als 30.000 Menschen, die zweitgrößte Industrie nach dem öffentlichen Dienst. Alle Investoren kommen aus Südafrika, Mauritius oder Brasilien. Das mosambikanische Kapital ist während der Jahre des Bürgerkriegs und der sozialistischen Wirtschaftspolitik verschwunden.

"Für die heißen Sommermonate von September bis November, die jetzt beginnen, haben wir mit der Unternehmensleitung für die Arbeiter eine Reduktion der Arbeitsstunden pro Tag ausgehandelt", sagt Alexandrino Julio. "Jetzt fangen sie um sechs Uhr an und hören um zwölf Uhr auf statt um zwei, denn dann ist es schon zu heiß". Fabrikarbeiter haben nach Julios Auskunft bessere Bildungsstandards und bessere Lebensbedingungen. Sie wohnen in der Nähe des Guts, und in ihren Häusern gibt es Elektrizität und Wasser. Feldarbeiter gehören einer niedrigeren Kategorie an.

"Jeder Arbeiter hat eine Karte für Beschwerden und Vorschläge, und wir sammeln all diese Karten und machen daraus eine gemeinsame Liste mit Forderungen, die wir zum Management tragen", erläutert Julio. "Dieses Jahr haben wir ein neues Abkommen unterzeichnet, nach dem der geringste Lohn für einen Feldarbeiter 1.620 Meticai (umgerechnet etwa 42 Euro) und für einen Fabrikarbeiter 2.220 Meticai (etwa 58 Euro) im Monat beträgt. Gegenüber dem vorigen Jahr ist das eine Verbesserung". "Die Beziehung zu unseren Arbeitgebern ist freundlich und kooperativ", erklärt Alexandre Munguambe, der SINTIA-Generalsekretär. "Auch wenn es ausländische Investoren sind, gibt es keine Feindseligkeit, denn sie haben Arbeitsplätze geschaffen, die vorher nicht da waren. Mosambikaner können diese Aktivitäten nicht finanzieren. Die ausländischen Unternehmen tragen auch zur Entwicklung des Landes bei, besonders in den benachbarten ländlichen Gemeinden", sagt Munguambe, der ebenfalls Generalsekretär des mosambikanischen Gewerkschaftsbundes (OTM) ist. In den letzten zehn Jahren hat sich die Beschäftigung im Zuckersektor verdoppelt; damit rechnet er in einigen Jahren noch einmal.

Es gibt allerdings auch negative Auswirkungen. Die Bevölkerungsexplosion, die aus dem Zuzug von Tausenden von Menschen resultiert, die den Arbeitern und ihren Familien auf den Zuckerfarmen Güter und Dienstleistungen verkaufen wollen, hat Probleme mit HIV und AIDS hervorgebracht. Auch Malaria macht ernsthafte Sorgen, denn die Mücken brüten in Zuckeranpflanzungen. Für dieses Jahr wird ein Anwachsen der Zuckerproduktion auf 419.000 Tonnen erwartet, das sind gut 68 Prozent mehr als 2008. Exporte spielen eine große Rolle für Mosambiks Deviseneinnahmen. Nach Angaben der Internationalen Zuckerorganisation (ISO) gehört Mosambik zu den wenigen Ländern im südlichen Afrika, die von der Liberalisierung des Zuckerhandels in der Europäischen Union profitieren werden, wenn sie Rohrzucker ab Oktober zollfrei verschiffen können.

Givemore Nyanhi
Der Autor ist freier Journalist in Maputo, Mosambik.

Übersetzung aus dem Englischen: Sigrid Thomsen

Foto1: © Givemore Nyanhi
Foto2: © Amy Barry/Oxfam