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Vorgestellt: Casimira Rodríguez Romero - Vielseitige Dienstleistungen

"Auf der Straße müssen wir unsere Rechte durchsetzen. Wir müssen auf uns aufmerksam machen, denn von allein ändert sich gar nichts", erklärt Casimira Rodríguez und nimmt den hellen Strohhut ab. Die Bolivianerin weiß genau wovon sie spricht, denn als Vorsitzende der Gewerkschaft der Hausangestellten hat sie genauso für Veränderung gesorgt wie als Justizministerin. Leise und bestimmt spricht die Frau, die weit über Bolivien hinaus für Schlagzeilen gesorgt hat. Als Boliviens erste indigene Ministerin ließ sie sich 2006 traditionell gekleidet vereidigen, mit dem Umhang, dem Faltenrock, der Pollera, und dem Strohhut, unter dem die beiden dicken Zöpfe hervorquellen.

Die 43-Jährige ist ein Symbol für die indigene Bevölkerungsmehrheit in Bolivien, für die Frauen und für die Hausangestellten, denn zu ihnen gehört Casimira Rodríguez. Wie viele andere junge Mädchen vom Land wurde sie mit gerade 13 Jahren in die Stadt geschickt, um Geld für die Familie zu verdienen. "Ich wurde wie ein Objekt behandelt, und die ersten Jahre erhielt ich keinen Lohn", erzählt Rodríguez. Irgendwann verlor sie die Angst, brach aus der Isolation aus, traf sich mit anderen Hausangestellten und informierte sich über die eigenen Rechte. Das war der erste Schritt zur Gründung der lokalen Gewerkschaft.

1993 legte der Dachverband, die Fenatrahob, dem Parlament einen Gesetzesentwurf zur Regelung der Arbeit in fremden Haushalten vor. "Für die Presse war das eine Sensation, denn bis dahin waren die lokalen Gewerkschaften und die Hausangestellten selbst kaum wahrgenommen worden", erzählt Casimira Rodríguez lächelnd. Das hat sich geändert, denn seit sechs Jahren gibt es das Gesetz Nummer 2450, welches die Rechte der Hausangestellten definiert. Rechte, die im Alltag allerdings oft noch durchgesetzt werden müssen. Dabei hilft Casimira Rodríguez bis heute mit. Allerdings nicht mehr in vorderster Linie, denn die ehemalige Ministerin hat sich aus der Politik zurückgezogen. Heute studiert sie und arbeitet in einer Menschenrechtsorganisation in Chochabamba für die Durchsetzung der Frauenrechte in Bolivien.

Knut Henkel

Der Autor ist freier Journalist in Hamburg

Foto: © Knut Henkel