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Titel:„Eigennutz kennt keine Farbe“ – Hausangestellte in Südafrika

Vor dem Gesetz sind Putzhilfen, Gärtner und Farmarbeiter in Südafrika als Arbeitnehmende anerkannt, seit das Land demokratisch regiert wird. Heute steht ihnen sogar ein Mindestlohn von monatlich umgerechnet etwa 100 Euro für 45 Arbeitsstunden die Woche zu, außerdem bezahlte Krankheits- und Urlaubstage. Doch der Alltag ist voll von Herabsetzungen. Oft werden die Löhne zu niedrig bemessen, Überstunden und Urlaubstage unzureichend vergütet.

Köchinnen und Kindermädchen werden auch 15 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch ausgebeutet. Sie bringen die Häuser auf Hochglanz und versorgen den fremden Nachwuchs, während sie meist isoliert in einem kargen Raum im Hinterhof ihrer Arbeitgeber wohnen. Die Hausangestellte Monica Ntuli hat mit Selbstbewusstsein um die Anerkennung ihrer Chefin gekämpft. „Ich bin eine gute Arbeiterin und lasse mich nicht wie ein unmenschliches Wesen behandeln“, sagt die Afrikanerin. Sie setzte sich durch bei ihrer „weißen Madam“, die einen Laden besitzt: Der Lohn stieg, die unbezahlten Überstunden fielen weg, die Beleidigungen hörten auf.

Ntuli kennt ihre Rechte. Als aktives Mitglied in der Gewerkschaft für Hausangestellte genießt sie Rückhalt. Über die schlechten Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz hat sie sogar in einer Fernsehdebatte gesprochen. Als ihre Chefin sie „ohne Grund“ feuern wollte, verweigerte sie die Unterschrift: „Sie hatte einen Satz verfasst: Ich hätte mich entschieden, zu kündigen“, sagt Ntuli. „Sie wollte mich loswerden, weil ich unbequem war und für meine Rechte eintrat.“ Mit ihrer Unterschrift hätte sie ihre Beihilfen für die Arbeitslosenversicherung verloren – eine wichtige Errungenschaft seit dem neunjährigen Bestehen der Gewerkschaft. Beide Parteien müssen je ein Prozent des Lohnes einzahlen. Ntuli ist Vorsitzende der South African Domestic Service and Allied Workers Union (SADSAWU) in der Provinz Gauteng und kennt das Problem vieler Haushaltshilfen: „Sie haben Angst um ihren Job, den sie bei der hohen Arbeitslosigkeit dringend brauchen.“

SADSAWU genießt durch die Kooperation mit dem mächtigen Gewerkschaftsverband COSATU Ansehen. Aber Gelder für die Aufklärungsarbeit sind knapp. Spenden helfen den Frauen, sich besser zu organisieren. Das DGB Bildungswerk unterstützt die Gewerkschaft seit Jahren, damit Resolutionen ausgearbeitet und Weiterbildungsworkshops veranstaltet werden können.

Um ihrem Protest gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz Gehör zu verschaffen, demonstrieren die Frauen mit Plakaten wie „Fight for your Right“ vor dem Arbeitsministerium. Sie gehen in Kirchen und auf Fußballplätze, um Mitglieder zu werben und Mut zu machen. „Wir waren Sklaven für eine lange Zeit während der Unterdrückung, diese Geisteshaltung ist auf beiden Seiten nur schwer zu ändern“, sagt Eunice Dladla, stellvertretende Generalsekretärin von SADSAWU.

Zum Ärger von Dladla verhalten sich die neuen schwarzen Herrschaften nicht besser als die alten weißen gegenüber ihren „Brüdern und Schwestern“. Sie holen sie zum Putzen aus den armen Gegenden in ihre Häuser, zahlen aber häufig zu wenig Lohn und lassen es auch an Respekt fehlen. Dladla: „Eigennutz kennt keine Farbe.“ Wer Migrantinnen aus den Nachbarländern wie Simbabwe und Malawi illegal anstellt, „unterwandert“ zudem oft den Mindestlohn. Die schutzlosen Frauen akzeptieren die Unterbezahlung aus Not. Sie nehmen an den Kampagnen von SADSAWU nur zögernd teil, selbst wenn die ihnen helfen wollen. Nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen im vergangenen Jahr ist das Verhältnis noch immer gespannt.

Dass jede ihre eigene Arbeitgeberin hat, macht das Organisieren und Verhandeln schwer. Arbeitnehmerrechte werden per Telefon oder schriftlich eingefordert, manchmal werden Schlichtungsgremien eingeschaltet. Seit Dladas über zwanzigjährigem Einsatz für Hausangestellte kam es nur ein einziges Mal zum Prozess vor dem Arbeitsgericht, und das war noch vor Bestehen von SADSAWU: „Wir legen Streit vorher bei.“

Martina Schwikowski

Die Autorin ist freie Journalistin in Johannesburg, Südafrika