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Kommentiert: Lobby für Mindeststandards

Karin PapeNiemand weiß genau, wie viele Hausangestellte es weltweit gibt. Ein neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geht von "zig Millionen" aus, Tendenz steigend. Das sind im Wesentlichen Frauen, aber auch viele Kinder.

Die ILO hat den Bericht an Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen geschickt. Sie sollen überlegen, wie diese Beschäftigungsverhältnisse künftig geregelt werden können. 2010 und 2011 steht ein Übereinkommen für Hausangestellte auf der Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenzen. Es geht um nicht weniger als eine weltweite Vereinbarung über Mindeststandards für Hausangestellte.

Wie in dieser Ausgabe gezeigt wird, ist die Situation von Hausangestellten sehr unterschiedlich. Alle aber verrichten ihre Arbeit vereinzelt und unsichtbar, in der Regel informell, ohne den Schutz von Arbeitsgesetzen und ohne Zugang zu sozialen Sicherungssystemen. Dadurch sind Ausbeutung und Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Ihre Isolation macht es Hausangestellten besonders schwer, kollektiv für ihre Interessen einzutreten. Dass es trotzdem geht, beweisen Organisationen wie SADSAWU (South African Domestic Service and Allied Workers Union) in Südafrika, deren Generalsekretärin Myrtle Witbooi durch sonntägliche Weiterbildungskurse in der Garage ihrer Arbeitgeberin den Grundstein für die Gewerkschaft legte. SADSAWU bringt diese Erfahrungen in das 2008 in Genf gebildete globale Netzwerk von Hausangestelltengewerkschaften und Unterstützerorganisationen ein. Es wird von der Internationalen Gewerkschaft der Lebensmittel- und Hotelarbeiterinnen (IUL) und der Nichtregierungsorganisation WIEGO (Women in Informal Employment: Globalizing and Organizing) koordinert. Das Ziel ist Lobbyarbeit für eine ILO-Konvention und eine bessere Organisation der Hausangestellten - denn durchsetzen können wird man auch die beste Konvention nur mit starken Gewerkschaften.

Auch in Deutschland wird Arbeit im Haushalt meist informell erbracht. Wenige wissen, dass es dafür auch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Zugang zur Sozialversicherung geben kann - z. B. mit dem Haushaltsscheckverfahren der Minijobzentralen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) schließt auch Tarifverträge für Hausangestellte ab. Wer nicht nur den "armen Menschen im Süden" helfen, sondern sich auch im eigenen Leben gerecht verhalten will, kann sich informieren. In Bremen wird am "Runden Tisch Hausangestellte" auf Initiative der NGG bereits beraten, wie man die Selbstorganisation der Hausangestellten fördern kann.

Karin Pape

Die Autorin ist Europa-Koordinatorin von WIEGO

Foto: © Annette Schulz

Informationen: www.wiego.org,
www.domesticworkerrights.org 
   
Link zum ILO Bericht:
http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/---ed_norm/---relconf/documents/meetingdocument/wcms_104700.pdf