Aus Projekten und Kampagnen: Unilever Pakistan - Permanente Leiharbeit

pakistan_1.jpgDer multinationale Nahrungsmittelkonzern Unilever hält sich in Pakistan nicht an die Gesetze, sagt die Internationale Gewerkschaft der Lebensmittelarbeiter (IUL). Die IUL wirft der Firma in einem Bericht auf ihrer Webseite vor, Kontraktarbeiter für dauerhafte Arbeit einzusetzen: "Unilever beschäftigt etwa 750 Arbeiter in der Lipton-Teefabrik in Khanewal, doch davon sind nur 22 direkt bei Unilever angestellt, die anderen werden von Leiharbeitsfirmen beschäftigt. Diese Arbeiter bekommen nur ein Drittel von dem, was die permanenten Arbeiter kriegen, und dürfen nicht einmal ihre Stimme durch die Gewerkschaft erheben."

Die meisten arbeiten schon seit mehr als zehn Jahren in der Fabrik, heißt es in dem Bericht. Sie hätten nach neun Monaten fest angestellt werden müssen. Für den lokalen Repräsentanten der niederländischen Firma, Haroon Waheed, ist das gar nichts Besonderes: "Wir haben Leiharbeitsfirmen engagiert, wie es in der Praxis der Industrie und im Wettbewerb in Pakistan üblich ist. Die Auslagerung von Arbeit war in der Teefabrik von Khanewal schon immer ganz normal, seit den Tagen von Brooke Bond." Diese Tage liegen 15 Jahre zurück.

Der Präsident des pakistanischen Gewerkschaftsbundes Noor Muhammene schätzt diese Tradition nicht: "Die Praxis, Arbeiter von Leiharbeitsfirmen für die Fabrik in Khanewal anzuheuern, um dauerhafte Beschäftigung zu vermeiden, ist ein klares Beispiel von Nachlässigkeit gegenüber den Beschäftigten." Der Unileversprecher jedoch weist den Vorwurf der IUL, die Arbeiter dürften sich gewerkschaftlich nicht organisieren, zurück.  Waheed: "Unilever Pakistan hat das Recht der Arbeiter, Gewerkschaften zu bilden, immer anerkannt. Außerdem haben alle Arbeiter, unabhängig von ihrem Status, nach dem pakistanischen Arbeitsgesetz das Recht in eine Gewerkschaft einzutreten. An jeder Produktionsstätte von Unilever Pakistan gibt es deshalb eine repräsentative Gewerkschaft. Zusammen haben sie einen Verband gebildet, der auch als kollektiver Verhandlungspartner registriert ist."

pakistan_2.jpgUnilever hat seinen Kodex für Geschäftsprinzipien vor sieben Jahren an internationale Standards angepasst, beispielsweise an die Leitlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für multinationale Konzerne. Die Anerkennung von Gewerkschaften gehört dazu. Doch die Verantwortlichkeit für Kontraktarbeiter bleibt ungeklärt. Waheed: "Vom Gesetz her sind die Leiharbeitsfirmen für die Beaufsichtigung, das Management und die Entlohnung ihrer Beschäftigten zuständig." Jetzt haben Vertragsarbeiter in Khanewal ihre eigene Gewerkschaft gegründet. Sie wird von der Nationalen Föderation der Lebensmittel-, Getränke- und Tabakarbeiter in Pakistan unterstützt, dem lokalen Mitglied der IUL. Sie hilft etwa 200 Vertragsarbeitern dabei, permanente Beschäftigung beim Arbeitsgericht zu erstreiten. "Das Urteil steht noch aus", sagt der Sprecher der Firma. Die IUL wirft ihr Strafaktionen gegen die Arbeiter vor und macht eine Kampagne zu deren Unterstützung.

Majid Salman

Die Autorin ist Journalistin in Karachi, Pakistan;
Übersetzung aus dem Englischen: Sigrid Thomsen

Informationen: http://www.iuf.org

Foto1: Unilever
Foto2: Qamar ul Hassan/ IUL

nsn