Aus der Arbeitswelt: Emirate - Intime Verhältnisse
In den Vereinigten Arabischen Emiraten reinigen Migrantinnen aus Asien die Häuser der Reichen. Für das Einkommen einiger Jahre liefern sie sich aus. Die riesige Eingangstür der Villa führt direkt ins Entrée. Ein Marmormosaik ergießt sich über den Fußboden, spiegelblank, ohne den geringsten Makel. Das Hausmädchen, in klassisch schwarz-weißer Dienstuniform mit Röckchen und Spitze, führt uns vorbei am duftenden Blumenbouquet in den Salon.
Die Dame des Hauses kommt aus Deutschland und lebt seit über zehn Jahren in den Emiraten: "Wir haben insgesamt sechs Hausangestellte: einen pakistanischen Fahrer, der meinen Mann zur Arbeit oder zum Flughafen fährt und mich zum "Coffee Morning" bringt; in der Zwischenzeit erledigt er die Einkäufe. Dann haben wir zwei Hausmädchen, eines aus Sri Lanka, das andere aus den Philippinen." Die beiden "Maids" sind für die Sauberkeit in der 15-Zimmer Villa und für die Wäsche zuständig. Damit dieser Job zu bewältigen ist, wird alle Oberbekleidung in die Reinigung gegeben.
Eine indonesische Köchin sorgt für kulinarische Abwechslung, ein indischer Gärtner pflegt das Grundstück und eine Haushaltsmanagerin organisiert die Arbeitsaufteilung. Sie habe ihre Angestellten mit Absicht aus möglichst vielen verschiedenen Herkunftsländern ausgesucht, fügt die Hausherrin leise hinzu, "damit sie nicht so viel miteinander schnacken bei der Arbeit". Sie selbst tauscht sich beim "Coffee Morning" gern mit Landsfrauen aus. In der deutschen Gemeinde gibt es eine "Anti-Maid"-Lobby: "Ich bin seit fünf Jahren in Abu Dhabi und mache immer noch alles selbst!", verkündet eine Dame mit Stolz. "Das ist doch moderne Sklaverei, geradezu unmenschlich! Und dann putzen sie doch nicht so, wie ich es will."
Eine "Fulltime Maid", die bei freier Kost und Logie mit im Haus lebt, kostet monatlich etwa 400 Euro. Dafür übernimmt sie den gesamten Haushalt und passt auf die Kinder auf. Ihre eigene Familie, zuweilen sogar einen Säugling, hat sie zu Hause zurück gelassen. Ihre regelmäßigen Überweisungen finanzieren oft eine ganze Großfamilie, ermöglichen einen überfälligen Hausbau oder sichern die Ausbildung der Kinder. Ihnen soll es einmal besser gehen, wünschen sich die Migrantinnen, auch wenn sie ohne ihre Mutter, manchmal sogar ohne beide Elternteile aufwachsen. In der neuen Heimat ist alles genau geregelt: Offiziell gibt es ein festes Gehalt, einen freien Tag in der Woche, und die tägliche Arbeitszeit sollte acht Stunden nicht überschreiten. Überprüft wird das nicht. Da das Visum der Hausangestellten von ihren Arbeitgebern abhängt, gibt es fast nie Beschwerden.
Unproblematisch ist dieses "intime" Arbeitsverhältnis allerdings nicht. "Mein letzter Arbeitgeber, ein Amerikaner, hat versucht, mich zu vergewaltigen, als seine Frau nicht da war. Ich konnte mich aber einschließen, und so ist mir nichts passiert", berichtet eine Filipina mit stockender Stimme. In ihrem Fall ist die Agentur, die sie an das Ehepaar vermittelt hatte, "unbürokratisch" eingesprungen und hat ihr eine neue Familie gesucht.
Gewerkschaften gibt es in den Emiraten nicht. Für die meisten Frauen sind die Heimatbotschaften der einzige Anlaufpunkt. Etwa 80 Beschwerden jährlich gehen beispielsweise bei der Botschaft von Bangladesh ein. Die Klagen sind vielfältig: Entzug des Passes, Vorenthalten des Lohns, Schläge, Verbrennungen, Vergewaltigungen. Die Botschaft Sri Lankas hat sogar Notunterkünfte für bedrohte Maids eingerichtet. Sie übernimmt auch die Organisation und Bezahlung von Gerichtsverfahren gegen die Arbeitgeber. Die werden immer häufiger zu Entschädigungszahlungen oder Gefängnisstrafen verurteilt. Die Migrantinnen aber können nur hoffen, dass sie mit dem nächsten Arbeitgeber mehr Glück haben.
S. Abed
Die Autorin ist freie Journalistin in Abu Dhabi.
Foto1: picture-alliance/dpa/Daniel Karmann
Foto2: picture-alliance/dpa/Jorge Ferrar
