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Vorgestellt: Bettina Ellermann-Cacace - Dicke Bretter bohren für die Solidarität
Eigentlich ist es erstaunlich, dass Bettina Ellermann-Cacace nicht schon früher auf einem Weltsozialforum gelandet ist. Die temperamentvolle 46-Jährige aus Offenbach ist nämlich schon seit den 1980ern in der internationalen Solidaritätsarbeit tätig. Damals richteten sich besonders viele Hoffungen der Linken auf das sandinistische Nicaragua. Bettina, die 1986 als Facharbeiterin beim Druckmaschinenhersteller Manroland anfing, engagiert sich bis heute für die Städtepartnerschaft zwischen Offenbach und dem nicaraguanischen Rivas. 2002 erfüllte sie sich einen alten Traum.
Mit einer Offenbacher Brigade fuhr sie nach Rivas, um sich am Bau eines Frauenhauses zu beteiligen; Mann und Kinder waren auch dabei. Seit neun Jahren ist sie aktiv im Arbeitskreis Palästina-Israel in Frankfurt und organisiert Mahnwachen oder Informationsveranstaltungen. Die Gruppe knüpft dabei an die Positionen der israelischen Friedensbewegung an. Auslöser war der Streit mit einer Kollegin. „Wegen des Holocausts gibt es bei uns selten einen klaren Blick auf den Nahostkonflikt“, findet Bettina Ellermann-Cacace.
In Krisenzeiten ist es noch schwerer, an der Basis Gewerkschafts- und Nord-Süd-Arbeit miteinander zu verbinden, weiß die langjährige Betriebsrätin. Solidarität mit Hartz-IV-Empfängern scheint näher zu liegen als mit Menschen in Entwicklungsländern.„Am offensten ist noch die Gewerkschaftsjugend, aber eine Nicaraguabrigade haben hier wir trotzdem nicht auf die Beine stellen können“, erzählt Bettina, die sich in ihrer täglichen Gewerkschaftsarbeit vor allem für Frauenbelange stark macht. Aus dem IG-Metall-Arbeitskreis Globalisierung, zu dem sie vor kurzem gestoßen ist, bringt sie ein Argument mit, das auch im Betrieb zieht: „Wenn wir mit Gewerkschaften des Südens zusammenarbeiten, sorgen wir dafür, dass man uns nicht so leicht gegeneinander ausspielen kann“.
Wie viel Spaß das machen kann – das hat sie beim Weltsozialforum im brasilianischen Belém erfahren, wo engagierte Menschen aus 142 Ländern das Bild prägten – Dickbrettbohrer wie Bettina.
Gerhard Dilger
Der Autor ist freier Journalist in Brasilien
Foto: © Gerhard Dilger
