Kommentiert: Gewerkschaften im Dialog

gnther_fuchs.jpgAls sich vor acht Jahren zum ersten Mal zehntausende Menschen zum Weltsozialforum in Brasilien versammelt hatten, waren die Gewerkschaften im DGB nur durch wenige Einzelpersonen vertreten. Inzwischen erschöpft sich diese Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos nicht mehr nur im Protest gegen die neoliberale Umgestaltung der Welt. Im Vordergrund steht jetzt die Suche nach Alternativen. Die Gewerkschaften im DGB sind zu einem integrierten Bestandteil dieser Bewegung geworden. Damit liegen sie richtig!

Als Interessenvertretungabhängig Beschäftigter greifen Gewerkschaftenaktiv in gesellschaftliche und ökonomische Pro-zesse ein. In einer globalisierten Welt werden auch die Interessenvertretungen immer vielfältiger. Es muss für die Gewerkschaften selbstverständlich werden, am globalen Dialog zur Veränderung der Gesellschaft aktiv teilzunehmen. Sie sind selbst eine soziale Bewegung. Das Suchen nach einer sozial gerechten, friedlichen und ökologischen Welt ist das gemeinsame Ziel.

In diesem Prozess sind alle Beteiligten Lernende. Darin besteht die Stärke der Sozialforumsbewegung. Die einzelnen Organisationen können davon nur profitieren. Durch aktive Mitarbeit können neue Formen der Gewerkschaftsarbeit vor Ort, kreative Aktionsformen, Kooperationsformen und neue Bündnisse entstehen. Nicht zuletzt werden auch Menschen angesprochen, die sich bisher nicht in Gewerkschaften organisiert haben. Ihre verändernde Kraft allerdings wird die Bewegung nur dann entfalten, wenn ihre Vorschläge für eine Umgestaltung der Welt in klare Vereinbarungen gefasst werden. Es geht dabei nicht nur um den Dialog zwischen Nord und Süd. Ein „Sozialforum der Welt“ muss auch die osteuropäischen und asiatischen Regionen in die Bewegung einbeziehen. Die Gewerkschaften im DGB können hier eine wichtige Brückenbaufunktion erfüllen.

Das Weltsozialforum, das Europäische Sozialforum und das Sozialforum in Deutschland müssen stärker als bisher miteinander verbunden werden. Die Gewerkschaften müssen über ihre Aktivitäten viel stärker informieren und sie untereinander vernetzen. Sie sollten zudem die finanziellen Ressourcen erhöhen. Die Gewerkschaften im DGB gestalten diese soziale Bewegung mit und leisten ihren Beitrag zur Entwicklung gesellschaftlicher Alternativen. Dabei werden sie sich auch selbst verändern. Doch der Weg ist noch weit!

Günther Fuchs
Der Autor ist Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Berlin-Brandenburg

Foto: © GEW Berlin-Brandenburg

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