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Aus der Arbeitswelt: Philippinen - Arbeitslose kehren heim
Millionen Filipinos arbeiten im Ausland. Wegen der globalen Finanzkrise verlieren die ersten jetzt ihre Jobs und kehren zurück. Zu Hause erwarten sie hohe Schulden. In Amerika wurden Immobilienkredite schon nicht mehr zurückgezahlt, als Gertrude Capili ihre bescheidene Farm in der Nähe von Manila verpfändete, um ihre beiden Enkelinnen nach Taiwan schicken zu können. Dort arbeiteten sie in einer Fabrik, die Mikrochips für Geräte herstellte, deren Markt in Amerika bereits am Rande des Zusammenbruchs stand. Die 90 Jahre alte Großmutter hatte kaum Ahnung davon, dass der Zusammenbruch schlecht abgesicherter Hypotheken in den USA und die darauf folgende Finanzkrise selbst in Angono zu spüren sein würde. Sie lebt in dieser kleinen Stadt am See östlich von Manila, mit einer Tochter und zwei Enkelinnen in einem 34 Quadratmeter großen Haus aus Sperrholz und Wellblech.
Ein Fluss in der Nähe tritt oft über die Ufer und überflutet bei Regen das Erdgeschoss; die verzogenen Möbel, die vom Einkommen der Enkeltöchter angeschafft wurden, müssen jedes Jahr ersetzt werden.
Auf die Frage von Agence France Press (AFP), was ihr der Job in der ASE Halbleiterfabrik bei Taipeh, die Elektronikriesen wie Motorola und Epson beliefert, eingebracht habe, antwortete die 24-jährige Bernadette Cortas: „Hohe Schulden und reißende Kopfschmerzen“. Als Folge der Überstunden vor winzigen Schalttafeln müssen sie und ihre Kusine Christina de Borja jetzt Hornbrillen tragen. Verdient hatten sie nach Abzug der Ausgaben für Essen und Unterkunft netto etwa 20.000 Taiwan Dollars (etwa 470 Euro). Doch nur acht Monate nachdem die Kusinen ihren Job angetreten hatten, wurden sie und 103 weitere Filipinos mit dem Schiff nach Hause geschickt. Als die Nachfrage nach elektronischen Gütern weltweit zusammenbrach, verkleinerte die Firma die Belegschaft.
Cortas ist geradezu ein Musterbeispiel für die philippinischen Wirtschaftsemigranten. Einst ein kichernder, langbeiniger Teenager, ist sie jetzt eine Studienabbrecherin, die in Fast-Food-Restaurants gearbeitet hat, um durch die höhere Schule zu kommen. Als ältestes von fünf Kindern eines arbeitslosen Busfahrers, der mit einer anderen Frau lebt, hat Cortas ihre Geschwister ernährt, ihnen ein Dach über dem Kopf gegeben und sie durch die Schule gebracht. Ihre Mutter arbeitet als Hausangestellte in Saudi-Arabien, doch sie hat einen neuen Freund und schickt kein Geld mehr für die Familie, sagt Cortas. Als sie selbst ihren Job verlor, mussten die Geschwister ebenfalls die Schule verlassen. Ohne Arbeit, ohne Geld und tief verschuldet, bringt ihr nicht einmal Weihnachten Freude; das Darlehen von 50.000 philippinischen Pesos (842 Euro), das sie und de Borja aufgenommen hatten – mit Großmutters 2.000-Quadratmeter-Farm als Sicherheit – kann sie nichtzurückzahlen. Das Darlehen deckte nur einen Teil der Vermittlungsgebühren von 85.000 Pesos (1.432 Dollar) für jede von ihnen ab. Der größereTeil wurde über kommerzielle Geldverleiher finanziert, die zwei Prozent Zinsen im Monat verlangen.
Die Kusinen sind nur zwei von etwa acht Millionen Filipinos – zehn Prozent der Bevölkerung – die im Ausland arbeiten. Nach Regierungsangaben haben „mehrere hundert philippinische Arbeiterin Übersee“ ihre Jobs wegen der globalen Krise verloren. Laut Warnungen der Internationalen Arbeitsorganisationen (ILO) könnte sie bis Ende 2009 20.000 Menschen arbeitslos machen. Die beiden Kusinen haben eine Klage eingereicht, um einen Teil ihrer Vermittlungsgebühr erstattet zu bekommen, denn ihnen waren Arbeitsverträge inTaiwan für zwei Jahre zugesichert worden.
De Borja, 30, früher in einer pharmazeutischen Firma in Manila beschäftigt, findet Arbeit auf den Philippinen wegen der niedrigen Bezahlung nicht besonders interessant. Zwei von fünf Filipinosleben von zwei Dollar oder weniger am Tag, und ein Drittel der Arbeitskräfte ist entweder ohne Stelle oder unterbeschäftigt. De Borja sagt, sie habe, um die Schulden zu begleichen, den größten Teil ihres Schmucks verpfändet oder verkauft. Bevor die Immobilien-Krise ausbrach, half ihr der Job in Taiwan über die Runden zu kommen.
Cecil Morella
übersetzt nach englischer AFP-Originalmeldung vom 24.12.2008; leicht gekürzt
Foto oben: © Romeo Gacad/AFP Agence France Presse
Foto unten: © Romeo Gacad/AFP Agence France Presse
