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Vorgestellt: Maja Raußeck - Sprung ins Netzwerk
Maja Raußecks Traum ist das Skispringen. Aber ihr Knie will nicht mehr. Aus der Dresdener Göre hatten DDR-Sportfunktionäre frühzeitig eine Turmspringerin gemacht. Schon mit sieben Jahren bewältigte sie ein enormes Tagespensum: aus der Schule in die Schwimmhalle, Trockentraining, Sprünge ins Schaumgummibecken. „Bis siebeneinhalb Meter“ skizziert die 32-jährige ihre Sportkarriere. Mit 13 hörte sie auf, wegen der Gesundheit. Für den Leistungssport hätten ihre Beine operiert werden müssen.
Nach der Realschule begann Maja Raußeck eine Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellte. Die Prüfung bestand sie nicht: „In der Praxis konnte ich alles machen, in der Theorie lief gar nichts.“ Nach einer Reihe befristeter Jobs wurde sie bei dem weltweit tätigen Automobilzulieferer Mahlein Fellbach als Zeitwirtschaftsbeauftragte eingestellt und bald als IG Metall-Mitglied gewonnen. Seit 2003 ist sie Vertrauensfrau, seit 2006 in der Vertrauenskörperleitung, außerdem Ersatzmitglied im Mahle-Betriebsrat. Jetzt engagiert sie sich in
einem weiteren Ehrenamt: als Richterin am Arbeitsgericht in Stuttgart.
Ein Streik bei Mahle im brasilianischen São Bernado do Campo brachte Maja Raußeck zur weltweiten Gewerkschaftsarbeit. Drei Mitarbeiter waren 2004 unter einem Vorwand entlassen worden. Ein Arbeitsgericht erklärte den Streik für illegal. Daraufhin wurde die komplette Gewerkschaftsführung des Werks auf die Straße gesetzt. DieseVorgänge wurden bei Betriebsversammlungen in Deutschland aufgegriffen.
Vertrauensleute sammelten Unterschriften, der Mahle-Gesamtbetriebsrat und der Europäische Gesamtbetriebsrat schalteten den Internationalen Metallgewerkschaftsbund (IMB) ein. Der forderte die Konzernleitung auf, Gewerkschaftsrechte zu respektieren. Wenig später wurden die Entlassenen wieder eingestellt. Seitdem knüpfen Gewerkschafter ein Netzwerk zwischen Brasilien und Deutschland.
Maja Raußeck beginnt, neben ihrem Fernstudium zur Bilanzbuchhalterin Portugiesisch zu lernen. E-Mails müssen übersetzt, Kontakte gepflegt werden. Ein Bild prägte sich ihr beim Besuch in Brasilien besonders ein: Das stacheldrahtgesäumte Mahle-Werk in Indaiatuba. „Wie in der DDR“, sagt sie. Erst nach eineinhalbstündigem Hin und Her habe die Werkleitung die Delegation schließlich eingelassen.
Thomas Kinzel
Der Autor ist freier Journalist in Stuttgart
Foto: © Joachim E. Röttgers
