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Aus der Arbeitswelt: Die Angst vorm Busfahren
Personentransport in Nigeria ist gefährlich. Während Fahrer um ihr Einkommen und Fahrgäste um ihre Sicherheit bangen, plant der Staat Regulierung. Gewerkschafter sind Teil des Problems und arbeiten zugleich mit an der Lösung.
Der Weg zur Bushaltestelle an diesem Abend war beängstigend. Normalerweise lässt der Verkehr zu dieser Zeit nach, aber der Busbahnhof war übervoll mit Passagieren. Als schließlich einige Wagen auftauchten, verlangten die Fahrer fast 500 Prozent mehr als sonst. Die Pendler reagierten mit lautem Geschrei; ihre Nerven lagen blank.
Langsam wird dies zur Regel im Transportsektor. Betreiber erhöhen die Fahrpreise aus dem geringsten Anlass, z. B. Regen oder Verkehrsstaus. Der Transport auf der Straße ist von privaten Bussen dominiert. Die verantwortliche Gewerkschaft ist die Nationale Union der Straßentransportarbeiter (NURTW), eine von 29 Mitgliedsgewerkschaften im Arbeitskongress von Nigeria (NLC). Doch die Gewerkschaftsfunktionäre werden von Fahrern der Erpressung beschuldigt. Angeblich bestimmen sie, wer was zahlt und setzen die Fahrpreise herauf, wie es ihnen und ihren „Paten“ passt. Den Fahrern gehören die Fahrzeuge meist nicht; sie müssen einen erheblichen Betrag des Geldes an die Eigentümer abgeben. So geben sie den Druck weiter an die Passagiere. Viele haben die Pendler großen Gefahren ausgesetzt; sie haben sie aufgenommen und dann beraubt oder sogar getötet. Latif Olipatan ist ein desillusionierter Fahrer: „Ich wache jeden Morgen um vier Uhr auf und komme vor Mitternacht nicht zur Ruhe. Inzwischen sollte ich einen eigenen Bus besitzen,denn ich bin seit fast zehn Jahren im Geschäft. Aber es ist eher eine Geschichte voll Kummer.
Nur kommerzielle Fahrer laufen in geflickten Kleidern herum, die bessere Tage gesehen haben. Der größte Teil dessen, was uns nach der Abgabean die Besitzer zusteht, wird von diesen „Schleppern“, die sich Funktionäre der NURTW nennen, mit Gewalt genommen.“ Doch der Generalsekretär der Gewerkschaft im Bundesstaat Lagos, Stephen Falusi, hält die Vorwürfe gegen die Gewerkschaft für falsch: „Die Fahrer müssen eine bestimmte Summe am Ende des Tages beim Besitzer abgeben. Wenn sie wegen der überfüllten Straßen nicht
genug Fahrten machen können, um diese Summe abzudecken, gibt es astronomische Preissteigerungen. Für eine Gewerkschaft ist es ganz unmöglich, privaten Besitzern den Betrag zu diktieren,den sie in Rechnung stellen sollten, solange sie diese Fahrzeuge nicht kauft.“
In Falusis Augen liegt die einzige Lösung in einer ordentlichen Zugangsregelung für diesen Sektor. Die Regierung des Bundesstaates Lagos arbeitet emsig an der Gründung eines Instituts für kommerzielle Fahrer. Dort sollen die Arbeitsweisen des Sektors vereinheitlicht werden, so dass bald nur noch qualifizierte Fahrer von diesem Institut Lizenzen für das Lenken kommerzieller Wagen bekommen. In einem weiteren Versuch der Intervention hat die Regierung von Lagos im März dieses Jahres das Projekt „Schneller Bustransport“ auf den Weg gebracht. Es soll ein verlässliches unerschwingliches Transportsystem hervorbringen und wurde von der Regierung des Staates und der Gewerkschaft gemeinsam entwickelt. Die Busse gehören Mitgliedern der NURTW, welche bestätigte, dass mehr als eine Milliarde Naira (6,5 Millionen Euro) für die Beschaffung der ersten hundert großen Busse ausgegeben wurde, wobei sich der Wagenpark inzwischen vergrößert hat. Private Betreiber fürchten, dass das neue System sie aus dem Geschäft drängen soll. Die Gewerkschaft glaubt, die meisten ihrer Mitglieder werden wegen der neuen Busse wieder eingestellt werden, selbst wenn sie ihre Jobs zunächst verlieren sollten. Für die Gewerkschaften bleibt der Transportsektor eines ihrer mächtigsten Werkzeuge, auf das sie sich für den Erfolg von landesweiten Streiks schonoft verlassen haben.
Bimbola Oyesola
Foto 1: © Murphy Praiseloluwa
Foto 2: © Bimbola Oyesola
Foto 3: © Louis Kreusel, flickr, cc 2.0
Die Autorin ist freie Journalistin in Nigeria.
