Aus den Projekten: Was Betriebsräte wissen

betriebsratswissen1.jpgFreistellung? Schulungen? Internationale Betriebsräte? Manche Gewerkschafter inSüdafrika horchen auf bei solchen Worten. Dabei gibt es das auch in ihrem Land, zum Beispiel bei einigen großen deutschen Firmen. Doch wer Bezüge für Autositze in einer kleinen Zulieferfirma näht und sich um den Bestand seines Arbeitsplatzes sorgt, hat davon meist nichts gehört. Er – oder sie – kennt oft nicht einmal die Rechte, die es bei Elternschaft gibt.

Zum Austausch über die Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen in deutschen Firmen sowie ihren Zulieferern in Südafrika haben sich im November etwa 50 Gewerkschafter, Betriebsräte und Mitarbeiter von gewerkschaftsnahen Wissenschaftseinrichtungen in Johannesburg versammelt. Eingeladen hatten das gewerkschaftliche Forschungsinstitut Naledi und die Gewerkschaften NUMSA (Metall)  und  CEPPWAWU (Chemie,Energie, Holz und Papier).

betriebsratswissen2.jpgSie trafen sich im Rahmen ihres gemeinsamen Projekts zur Stärkung von Arbeitnehmerrechten und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Südafrika. Dieses Mal waren auch internationale Gäste dabei,  zum Beispiel aus Vietnam und Brasilien. In dem südamerikanischem Land gibt es bereits Erfahrungen mit dem Ansatz, Netzwerke von Arbeitnehmenden zu knüpfen, die in verschiedenen Standorten und bei den Zulieferern eines deutschen Unternehmens beschäftigt sind und nichts voneinander wissen. Sobald sich das änderte, konnten sie ihre Bedürfnisse gegenüber den Managern besser artikulieren und durchsetzen.

In Südafrika geht es zunächst um die gegenseitige Information unter Kolleginnen und Kollegen. „Die Beschäftigten müssen erst mal herausfinden, ob es andere Betriebe derselben Firma im Land gibt“, berichtet der südafrikanische Projektkoordinator Rob Rees. „Wir haben für sie einen Fragebogen entwickelt, der nach Löhnen, Arbeitsbedingungen und den Beziehungen zum Management fragt. Solche Informationen müssen auf Betriebsebene vorhanden sein, nicht nur in den Gewerkschaftszentralen.“ Rob Rees hat vier Papiere verfasst über die wirtschaftliche Situation in den Industrien, in denen es besonders viele deutsche Investitionen gibt: Automobil, Metall, Chemie und Maschinenbau.

betriebsratswissen3.jpgDie Erhebung der innerbetrieblichen Datenaber will das Forschungsinstitut Naledi den Gewerkschaftern nicht abnehmen: Sie sollen sie mithilfe der Fragebögen selbst beschaffen und dabei auch gleich lernen, wie man das macht, welche Schlüsse man aus Informationen ziehen und wie man die Ergebnisse in konkrete Handlungen umsetzen kann. „Das wichtigste Ziel des Projekts ist es, die Gewerkschaften zu stärken“, sagt Rob Rees. Wie ähnlich die Probleme international sind, hat Nina Berg vom DGB Bildungswerk, das dieses Projekt unterstützt, aus den Berichten der südafrikanischen Kolleginnen und Kollegen in Johannesburg entnommen: „Arbeitsplätze werden ausgelagert und abgebaut, Betriebsräte werden nicht angehört und kommen wegen ihres Engagements im Unternehmen nicht weiter, der Arbeitsschutz ist mangelhaft“, berichtet sie von der Konferenz.

Rob Rees weiß: „Probleme mit Löhnen gibt es weniger in den großen deutschen Firmen, sondern vor allem bei den Leiharbeitsfirmen“. Wer dort beschäftigt ist, verliert seinen Job im Krisenfall zuerst. Leiharbeitsfirmen bringen auch Probleme für die gewerkschaftliche Organisation mit sich, weil sie den Industriebereichen nicht eindeutig zugeordnet werden können. „Angesichts der internationalen Krise geht es ums Organisieren selbst“, sagt der Naledi-Mitarbeiter. Das Treffen in Johannesburg hat nicht nur den Austausch zwischen Nord und Süd, sondern vor allem unter Kollegen aus verschiedenen Ländern im Süden in Gang gebracht.

Sigrid Thomsen

Foto 1: © Cordula Kropke
Foto 2: © Rob Rees
Foto 3: © Rob Rees

nsn