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Vorgestellt: Valter Sanches - Skeptische Kollegen
Den Manager würde man ihm auch abnehmen, wie er da steht und mit ernstem Blick sein Jackett zurecht rückt, um den Kolleginnen und Kollegen von der IG Metall einen Überblick über Arbeitsbeziehungen bei deutschen Firmen in Brasilien zu verschaffen. Aber Valter Sanches ist kein Manager - er ist der erste Arbeitnehmervertreter aus dem Süden der Welt im Aufsichtsrat der Daimler AG und kommt gerade von einer Sitzung.
Dorthin abgeordnet hat ihn die IG Metall Anfang 2008 als einen der drei gewerkschaftlichen Vertreter im Weltkonzern. Der 44-jährige Brasilianer hat dort fast sein ganzes Berufsleben verbracht. Die letzten sieben Jahre vertrat er die Brasilianer in der Weltarbeitnehmervertretung von Daimler-Chrysler.
"Zur Gewerkschaft kam ich eigentlich über die Studentenbewegung", erinnert sich der studierte Geologe, dessen Vater Buchhalter war. "Als ich 16 Jahre alt war, herrschte in Brasilien Diktatur, die wollten wir abschaffen. Solche Ideen wollten wir in die Gewerkschaftsbewegung tragen". Er wäre gern in die Forschung gegangen, doch das ergab sich nicht. Inzwischen arbeitet der Vater zweier Kinder seit 20 Jahren als Prozessplaner bei Mercedes-Benz in São Bernardo do Campo.
Ebenso lange ist er Mitglied der Fabrikkommission, dem wichtigsten Instrument für die Interessenvertretung von Arbeitnehmern. "Unser Gewerkschaftssystem ist kompliziert, wir verstehen es selbst nicht", sagt er im Vortrag vor dem Globalisierungsforum der IG Metall in Berlin. Fabrikkommissionen konnten in einigen Unternehmen Verhandlungsrechte durchsetzen, auch in deutschen. An die Solidarität seiner Mannheimer Kollegen dabei erinnert sich Sanches bis heute. 2007 wurde er zum Generalsekretär der brasilianischen Metallarbeitergewerkschaft im Gewerkschaftsbund CUT gewählt.
Den Kollegen zu Hause musste er das mit dem Aufsichtsrat erst erklären: "Einige waren skeptisch, aber alle haben zugestimmt". Er will aufpassen, dass Interventionen der Firma auf neuen Märkten nicht zu Lasten bestehender gehen. Konkurrenz mit den eigenen Kollegen müssen wir vermeiden", sagt der Gewerkschaftschef, der seine Wurzeln nicht vergessen hat.
Sigrid Thomsen
Foto: © Kerstin Zillmer
