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Vorgestellt: Fritz Hofmann - Klasse Leute
"Was mit Menschen ist die Arbeit im Betriebsrat auch", sagt Fritz Hofmann, und "wenn einer in Verschuldung gerät oder krank wird - das nimmt mich noch immer mit". Sozialarbeiter wollte der Bauernsohn aus dem Schwabenland ursprünglich werden und hat das auch gelernt, aber dann ging er doch in die Industrie. "Sozialarbeit, das galt damals als Reparatur am System", erinnert sich der heute 56- jährige an das politische Klima der siebziger Jahre.
Fritz Hofmann ging in die Produktion und in die Gewerkschaft; bei der BASF in Ludwighafen wurde er zum Chemikanten ausgebildet. Dort ist er geblieben: Zunächst zum Vertrauensmann gewählt, kam er später in die Vertrauensleuteleitung und dann in den Betriebsrat und wurde dort schließlich 1999 freigestellt - die "Ochsentour", wie er es nennt.
Im Betriebsrat hat Fritz Hofmann heute auch mit den Sorgen der Kollegen anderswo zu tun, besonders an den Standorten der BASF in Lateinamerika. Das war schon immer sein "Ding" - aber lange nicht immer sein Job. "Als wir vor 20 Jahren mit anderen Gewerkschaftern aus Chemiefirmen die Kontakte nach Brasilien aufbauten, wurden wir eher von kirchlichen Stellen und Stiftungen unterstützt", erinnert sich Hofmann. Reisen wurden selbst bezahlt, Veranstaltungen über die Kämpfe der Kollegen um Anerkennung meist ohne gewerkschaftliche Unterstützung organisiert.
Während Hofmann Portugiesisch lernte, um die Arbeit von Fabrikkommissionen besser zu verstehen, wuchsen auch Freundschaften. "Man trifft klasse Leute", sagt der überzeugte Internationalist, "das hat mich motiviert". Seit 1999 gibt es nun offizielle Beziehungen zwischen den Gewerkschaften. Es gibt ein Netzwerk der BASF-Arbeitnehmervertretungen in Lateinamerika, zu dessen Treffen alle zwei Jahre auch die deutschen Kollegen eingeladen werden. Fritz Hofmann ist dann dabei, dienstlich und offiziell. Und freut sich, dass die Kollegen dort heute unzensiert ihre Themen auf den Tisch bringen können - auch wenn er das Wort "Sozialdialog" nicht besonders mag: "Heute wird dort keinem Gewerkschafter mehr Hausverbot erteilt".
Sigrid Thomsen
Foto: © BASF
