Aus den Projekten: Vorbild mit Buntstiften

faber.jpgIm brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo betreibt Faber Castell die größte Buntstiftfabrik der Welt. Ihre Sozialcharta wurde mit der IG Metall erarbeitet. Rosangela blickt konzentriert auf die Buntstifte, die frisch lackiert auf dem Transportband vorbeifahren. Die 42-jährige füllt die Maschine mit Rohlingen, überwacht den reibungslosen Ablauf. Eine anstrengende Tätigkeit, aber verhältnismäßig gut bezahlt.

Mehr als zweitausend der 200.000 Einwohner von Sao Carlos sind hier beschäftigt. Bekannt ist das Werk von Faber Castell für seine Sozialcharta. Die enthält die acht Kernarbeitsnormen der ILO, wie das Recht auf eine Arbeitnehmervertretung, Tarifverhandlungen oder das Verbot von Kinderarbeit.

"Die Charta ist keine einseitige Absichtserklärung, sondern eine Vereinbarung mit fest gelegten Kontrollmechanismen", sagt Bert Römer von der IG Metall. Er hat die Charta vor acht Jahren mit ausgearbeitet und ist seitdem an der Überwachung ihrer Einhaltung beteiligt. Alle zwei Jahre besichtigen Vertreter der IG Metall mit dem Internationalen Bund der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft (BHI) und Kollegen der lokalen Gewerkschaft die Produktionsgesellschaften an den Standorten. Am Ende gibt es einen Defizitkatalog, den das Unternehmen zu bearbeiten hat.

"Die Bedingungen in dem Werk sind vorbildlich", lobt Valdemar Coneo, Vizepräsident der Holzarbeiter-Gewerkschaft in Sao Carlos. "Mein Cousin fragt mich jede Woche, ob ich ihm hier eine Stelle besorgen kann", sagt Rosangela. Faber Castell hat sich verpflichtet, nur bei Zulieferern zu kaufen, die die Kernstandards der ILO einhalten.

faber1.jpgAls die IG Metall vom Observatório Social die Information erhielt, dass beim Lieferanten für Talkum Kinder arbeiten, beendete Faber Castell die Geschäftsbeziehungen. Zulieferer müssen nun eine Checkliste ausfüllen. Weltweit beschäftigt Faber Castell 6.500 Mitarbeiter, in Werken in Malaysia, Indien, Peru, Indonesien oder China. "Wir können an anderen Standorten Brasilien aber auch Malaysia als gutes Beispiel nutzen", sagt Bert Römer. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die Mentalitäten an den einzelnen Standorten sind komplex.

Arbeitnehmervertreter aus Deutschland müssen entsprechend feinfühlig agieren. Es ist nicht leicht, etwa in China gegenüber den Funktionären des staatlichen Gewerkschaftsbundes ACGB eine von den Arbeitern gewählte Vertretung durchzusetzen, auch wenn das deutsche Management dafür ist. "Nichts Erzwungenes hält dauerhaft, da hilft nur sanfter Druck durch Verhandlungen und Überzeugung", sagt Bert Römer.

Auch die Kollegen in Deutschland profitieren von der Sozialcharta. "Das Konkurrenzdenken gegenüber den anderen Standorten hat deutlich abgenommen", sagt Holger Heimbrecht, Betriebsratsvorsitzender in Stein. Nicht zuletzt, weil die Charta auch die eigenen Arbeitsplätze sichern hilft.

Klaus Sieg

Der Autor ist freier Journalist in Hamburg

Foto: © agenda/Jörg Böthling

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