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Aus den Projekten: Rat für Ungeschützte

Im Versammlungsraum des kolumbianischen Gewerkschaftsbundes CUT in Medellín zeigt der große Holztisch noch Einschusslöcher. Sie stammen vom Mord an einem Gewerkschafter vor einigen Jahren und erinnern an die mehr als 2.000 Morde an Gewerkschaftern in Kolumbien in den letzten zwei Jahrzehnten. Die meisten blieben unaufgeklärt.

Wenige Häuserblocks weiter hat der Gewerkschaftsbund das Arbeitsschutzzentrum "Centro de Atención Laboral" (CAL) eingerichtet. Es wird seit einem Jahr vom DGB Bildungswerk unterstützt. Hier gibt es kostenlose Rechtsberatung für Arbeitende im Einzugsgebiet von Medellín, egal ob jemand Gewerkschaftsmitglied ist oder nicht.

Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Kolumbien verdient ihr Geld im so genannten informellen Sektor der Wirtschaft. Da ist der Organisationsgrad immer gering, denn die Beschäftigungsverhältnisse sind unsicher, und die Gefährlichkeit von Gewerkschaftsarbeit schreckt auch eher ab. Ob eine Hausangestellte weniger bekommen hat, als der gesetzliche Mindestlohn es vorschreibt, ob ein Arbeitgeber die Sozialabgaben schuldig geblieben ist - der Rechtsanwalt Carlos Augusto Jaramillo Villarreal und sein Team, das aus Studenten der Rechtsfakultät der Universität Medellín besteht, erfassen hier anhand von Fragebögen die Beschwerden und Probleme und leiten geeignete Schritte ein.

Manchmal wird direkt mit einer Arbeitgeberin über den ausstehenden Lohn verhandelt und auf die entsprechende Gesetzgebung hingewiesen, manchmal wird eine Beschwerde beim Arbeitsministerium eingereicht. Das liegt praktischerweise auch gleich um die Ecke. Theoretisch könnte man dort schnell mal demonstrieren für die Rechte, die seit 1990 in der Verfassung verankert sind: das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen. Ohne Schutz allerdings.

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