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Vorgestellt: Barbara Geier - Gut ausgeschlafen

Barbara GeierBarbara Geier nimmt ein Stück Kreide in die Hand und blickt über den Rand ihrer Brille. "Was sind die Voraussetzungen für gute Bildung?", fragt sie die Jugendlichen, die vor ihr in den Bänken sitzen. Hände schießen hoch. Barbara Geiers Schüler kennen die Antwort: Kostenloser Unterricht, genug Schulen und Lehrer, kleine Klassen, gute Atmosphäre, man muss ausgeschlafen sein und sollte nicht schon gearbeitet haben. Alle wissen, dass dies in vielen Teilen der Welt nicht gegeben ist. Und dass es an der Zeit ist, das zu ändern. Darüber wollen sie mit Politikern sprechen. Barbara Geier ist Lehrerin für Englisch und Französisch an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Hamburg.

Und sie ist Gewerkschafterin und engagiert sich für internationale Zusammenarbeit. Als Studentin ist sie nach Brasilien gereist, um die Arbeit des Pädagogen Paolo Freire kennen zu lernen. Freire wollte die Menschen umfassend alphabetisieren: Außer Lesen und Schreiben sollten sie lernen, ihre eigene Situation zu analysieren und mündige Bürgerinnen und Bürger zu werden.

Im Januar war Barbara Geier wieder in Brasilien, diesmal als Delegierte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beim dritten Weltkongress der Globalen Bildungskampagne. Dort wurde die größte Unterrichtsstunde der Welt vorbereitet: Weltweit sollten sich gleichzeitig Millionen von Schülerinnen und Schülern mit Bildung und Chancengleichheit für alle befassen.

Voller Elan kam Barbara Geier nach Hamburg zurück. Aber hier wurde die Idee zunächst zögerlich aufgenommen. "Kein Wunder", sagt sie, "die Kolleginnen und Kollegen sind überlastet, für Extras fehlt Kraft." Letztlich machte die Schule dann doch mit, und Barbara Geier fuhr nach Berlin, um vor dem Reichstag öffentlich zu unterrichten. "Ich will, dass meine Schülerinnen und Schüler begreifen, dass sie in einer Welt leben", sagt sie.

Die Kontakte zu Gewerkschaftern in anderen Ländern erlebt Barbara Geier als "anregend, aber auch beschämend" - weil sie oft sehr viel weiter denken, während hier "die Entdemokratisierung voran schreitet." Sie will dagegen halten. Demnächst wird sie 62. Ein Jahr noch, dann lässt sie sich pensionieren. Sie will mehr Zeit haben für die internationalen Kontakte der GEW .

Cornelia Gerlach