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Aus der Arbeitswelt: Knochenjobs für Biodiesel

Mit den Quoten für Biobrennstoff ist der Bedarf an Palmöl weltweit rasant gestiegen. Arbeiter in Indonesien verlieren ihr Land und riskieren ihre Gesundheit, um die Nachfrage zu stillen. Es dämmert bereits auf der Palmölplantage des Unternehmens PT Bumitama Gunajaya Agro in der indonesischen Provinz Zentralkalimantan. Die meisten Arbeiter sitzen erschöpft vor den Holzbaracken im Arbeitercamp und rauchen. Nur ein Team ist noch unterwegs, um die restlichen Ölpalmenfrüchte auf die Ladefläche des letzten Lastwagens zu wuchten.

Da klingelt das Handy des Vorarbeiters: Der Wagen ist im zähen Schlamm der Plantagenwege stecken geblieben. Er muss noch einmal mit dem Traktor los, um den Laster aus dem Dreck zu ziehen. Das Team, das die Früchte einsammelt, wartet draußen auf ihn, mit beiden Füßen im Matsch, bis es seine Arbeit in der Dunkelheit fortsetzen kann. Die Ernte muss heute noch in die Fabrik. Einen Lohnzuschlag gibt es deswegen nicht. "Auf den Plantagen wird die Arbeitszeit nicht in Stunden gerechnet. Es geht allein um die Menge der abgelieferten Ernte", erklärt Ibu Rulita von der Gewerkschaft für Holz-, Forst- und Plantagenarbeiter in Indonesien (DPP FSP KAHUTINDO) in Jakarta. "Schafft ein Arbeiter das geforderte Pensum nicht, müssen meist seine Frau und Kinder mit anpacken."

6,5 Millionen Hektar Palmölplantagen gibt es zurzeit in Indonesien, insgesamt 20 Millionen Hektar sind bereits verplant. Der Palmölverbrauch hat sich in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt. Bislang wurde das billige Pflanzenöl vor allem in Lebensmitteln und Kosmetika weiterverarbeitet. Doch seit Europa, die USA und nun auch China eine Quote für Biobrennstoffe festgelegt haben, ist der Markt für den Biodiesel-Rohstoff geradezu explodiert.

Um davon zu profitieren, will die indonesische Regierung die Anbaufläche in diesem Jahr auf 8,4 Millionen Hektar ausweiten. Für die Bearbeitung so riesiger Flächen holen sich die Unternehmen immer häufiger kostengünstige Arbeitskräfte von Leiharbeitsfirmen. Arbeitslose Familienväter von den überbevölkerten Inseln Java und Madura oder junge Leute aus unterentwickelten Regionen auf Nias oder Sumbawa suchen oft so verzweifelt nach Einkommensquellen, dass sie sich von deren unsozialen Arbeitsbedingungen nicht abschrecken lassen. Fernab ihrer Heimat schuften sie schwer auf den Plantagen Sumatras oder Borneos - ohne Kranken-, Renten- oder Unfallversicherung oder sonstige soziale Leistungen.

Gewerkschaften gibt es eigentlich nur in den Plantagenbetrieben der Regierung, aber nur auf dem Papier: "Die Köpfe dieser Gewerkschaften sind immer auch die Köpfe des Unternehmens, niemals Arbeiter", berichtet Ibu Rulita. "In privaten Unternehmen trauen sich die Arbeiter kaum jemals, sich zu organisieren - aus Angst, ihren Job zu verlieren. Verbale wie körperliche Bedrohungen kommen leider häufig vor." Private Unternehmen sind bei den Arbeitern dennoch beliebter, weil sie besser zahlen. Andererseits bieten die Regierungsplantagen ihren Arbeiterinnen und Arbeitern immerhin einige soziale Absicherungen wie Krankengeldzuschüsse oder Rente. "Doch auch die Plantagen der Regierung beschäftigen immer mehr Leiharbeitsfirmen, um diese Ausgaben zu umgehen", sagt Rulita. Etwa 40 Prozent der Arbeiter auf Indonesiens Palmölplantagen sind mittlerweile Leiharbeiter. 20 Prozent der Arbeit wird von Tagelöhnern getan. Das sind meist die ursprünglichen Einwohner der Wälder und Felder, die den Ölpalmen weichen mussten. Sie erledigen die niedrigste Knochenarbeit auf den Plantagen, für umgerechnet ein bis zwei Euro am Tag. Viele von ihnen sind neidisch auf die aus ihrer Sicht guten Jobs der Leiharbeiter. "Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen gehören zu den schlimmsten hierzulande, selbst im Vergleich zur Textilwirtschaft, die international viel mehr beachtet wird", weiß die Gewerkschafterin. "Fernab von der Hauptstadt Jakarta ist staatliche Kontrolle genauso schwierig zu realisieren wie ein ausreichender Zugang zu Informationen über Arbeiterrechte."

Christina Schott, freie Journalistin in Jakarta

Weitere Informationen:
http://library.fes.de/pdf-files/iez/05030.pdf