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Vorgestellt: Peter Camin, Gute Nachbarschaft

"Als ich hier anfing, war ich noch Reisender", sagt Peter Camin von sich selbst. Man kann sich den beinahe schlaksigen Mittfünfziger immer noch ohne Weiteres mit Rucksack vorstellen. Doch "hier", beim Hamburger Aluminiumwalzwerk, das heute der norwegischen Hydro gehört, ist er sesshaft geworden: Seit 30 Jahren gehört Peter Camin zum Betriebsrat des Walzwerks.

Er hat sich auf Umwelt und Arbeitsschutz spezialisiert. Als sich die Aluminiumwerke in den siebziger Jahren direkt neben den Obstbauern im "Alten Land" niederließen, gab es Konflikte. "Gladiolen oder Arbeitsplätze, das war wohl die erste Umweltdebatte nach dem Krieg", erinnert sich der damalige Kernkraftgegner, der vorher monatelang durch Indien und Peru gepilgert war. Hier wollte er Stellung beziehen - im Betrieb.

Die Kollegen waren leicht zu überzeugen, dass auch die Umwelt und die Anliegen der Anwohner wichtig waren - viele kamen selbst aus dem "Alten Land". Camin, der Elektriker und später Mess- und Regeltechnik gelernt hatte , wurde schnell ihr Vertrauensmann. Seit vier Jahren ist der Metaller Vorsitzender des Konzernbetriebsrats und freigestellt. Nun reist er wieder und verhandelt weltweit für besseren Arbeitsschutz in der Alu-Produktion. Wenn es allerdings nach Brasilien geht, passt er auf: zum Weltsozialforum oder zu den Kollegen der Aluminiumoxidraffinerie Alunorte in Amazonien, wo Hydro beteiligt ist, fährt er nur im Urlaub und nie auf Kosten der Firma. Umwelt und Anwohner liegen dem Globetrotter auch fern von der Heimat am Herzen.

Am meisten freut ihn der Erfolg ehemaliger Sklaven mitten im Regenwald, denen eine Bauxitmine Ende der neunziger Jahre den Lebensraum nahm. Mit Geistlichen und Wissenschaftlern half er den Investor von den berechtigten Anliegen dieser Nachbarn zu überzeugen - bis sie Besitzrechte erhielten und ins Minenkrankenhaus durften. "Nebenbei" bekamen auch die Gewerkschaften eine stärkere Position. "Den Durchbruch hat der internationale Druck gebracht", weiß Camin.

Peter CaminPeter Camin

Demnächst trifft er Kollegen aus den USA und Brasilien, um über Rechte und Normen in seiner Branche zu sprechen.

 

Sigrid Thomsen