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Vorgestellt: Dale Forbes, Kritik unerwünscht

Er ist noch immer etwas misstrauisch. Warum willst du das wissen, fragt er zurück und kneift dabei skeptisch die Augen zusammen, wenn man sich nach seiner politischen Vergangenheit erkundigt. Dale Forbes, der Gewerkschaftsfunktionär aus Kapstadt, ist 39 Jahre alt und hat Gewerkschaftsarbeit in Südafrika noch unter den Bedingungen der Apartheid kennen gelernt.

Politische Arbeit fand damals im Untergrund statt. Über die gab man nicht einfach so Auskunft. Heute vertritt Dale Forbes die südafrikanische Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst SAMWU bei den Tarifverhandlungen. Arbeitszeit, Gehälter, Urlaubsansprüche müssen in den etwa 280 kommunalen Verwaltungseinheiten angeglichen werden, sagt er. Unter der Apartheid gab es etwa 900 verschiedene Kommunen, alle strikt nach der Hautfarbe der Bewohner getrennt: schwarz, weiß oder "coloured", wie er.

Fast 70 Prozent der Kommunen haben inzwischen die 40-Stunden-Woche eingeführt; das ist für die meisten eine deutliche Verbesserung, sagt Dale. So richtig zufrieden aber wirkt der Südafrikaner, der sein ganzes Berufsleben in den Gewerkschaften verbracht und selbst schon für wesentlich weniger Geld gearbeitet hat, damit nicht. Eigentlich ist ihm zu neo-liberal, was der Afrikanische Nationalkongress (ANC), selbst bis vor 17 Jahren im Untergrund, aus Südafrika gemacht hat.

Auch seine Gewerkschaft hat in den letzten Jahren heftig gegen die Privatisierungspolitik der Regierung, die auch ihr Arbeitgeber ist, argumentiert und gestreikt. SAMWU steht der Kommunistischen Partei ebenso nahe wie dem ANC.

Für Dale Forbes ist die Privatisierung ein "antidemokratisches Programm". Der ANC habe sein Versprechen, allen ein besseres Leben zu ermöglichen, gebrochen, sagt er enttäuscht; er gestatte auch in seinen eigenen Reihen immer weniger Abweichung. Ihn zu kritisieren, wird auch in einigen Gewerkschaften nicht gern gesehen; damit hat der Linke vom Kap seine eigenen schlechten Erfahrungen gemacht.

Dale ForbesDale Forbes

Doch eins muss er zugeben:
Kritik zu üben ist heute weniger gefährlich als unter der Apartheid.

 

Sigrid Thomsen