Sozialdialog fördern
Arbeitgeber in der Türkei werden sich an Gespräche mit ihren Beschäftigten gewöhnen müssen. Zu den Aufnahmekriterien der Europäischen Union jedenfalls gehört die Einhaltung ihrer Sozialcharta. Ein Projekt des DGB Bildungswerks in Zusammenarbeit mit der IG Metall und der Ruhruniversität Bochum zur Förderung des sozialen Dialogs will die türkischen Sozialpartner in diesem Prozess unterstützen.
In Partnerschaft mit der Metallgewerkschaft Birlesik werden von 2006 bis 2009 Seminare und Austauschprogramme organisiert und Materialien erarbeitet, in denen von Informations- und Konsultationsrechten, von Beschwerdeverfahren und Arbeitsschutz die Rede ist. In Kooperation mit der IG Metall gab es im letzten Jahr bereits eine Jugendkonferenz sowie ein Jugendseminar in der Türkei. Ein weiteres Seminar ist im Juni in Deutschland geplant.
Ziel ist ein Netzwerk von Beschäftigten bei deutschen Unternehmen und ihren Zulieferern. Die türkischen Gewerkschafter kommen vor allem aus den Niederlassungen deutscher Firmen in den Industriezweigen Textil-Bekleidung, Holz- Kunststoff und Metall-Elektro. Sie alle sind in globalisierte Produktionsabläufe eingebunden und können zugleich eine Vorbildfunktion erfüllen.
Ein Beispiel dafür ist der "Fall Grammer": Das deutsche Zulieferunternehmen für die Automobilindustrie reagierte zunächst mit Entlassungen und Druck, als sich die Beschäftigten in der Metallgewerkschaft Birlesik Metal Is organisieren wollten. Die Geschäftsführung zog eine konkurrierende Gewerkschaft vor. Zusammen mit der IG Metall sowie dem europäischen und dem internationalen Metallarbeiterbund aber konnten die türkischen Kollegen die Anerkennung ihrer Gewerkschaft durchsetzen. Über die deutsche Unternehmensleitung wurde erreicht, dass in Bursa Ende Januar 2008 ein Tarifvertrag unterschrieben werden konnte.
Hasan Arslan, Projektleiter
Weitere Informationen über das Projekt:
www.nord-sued-netz.de (Projekte, Türkei)
