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Aus der Arbeitswelt: Gleicher Mindestlohn in ganz Nordamerika?
Global gleiche Löhne wären das Ende der Standortkonkurrenz auf Kosten der Beschäftigten. Arbeitnehmer in Mexiko fordern das schon mal - für Nordamerika.
[Foto] Wunschtraum eines Arbeiters in Mexiko:
sechs Dollar pro Stunde statt fünf Dollar pro Tag als Mindestlohn
"Nordamerika" sind die Vereinigten Staaten: da sind sich junge mexikanische Gewerkschafterinnen einig. Ihr eigenes Land gehört für sie politisch zum "Süden". Geografisch aber liegt Mexiko zusammen mit Kanada und den USA in Nordamerika, wirtschaftlich gehört es zur nordamerikanischen Freihandelszone. Die ist geprägt durch ungleiche Lebensverhältnisse, ungleiche Arbeitsverhältnisse und ungleichen Lohn. Eine Koalition aus Gewerkschaften und anderen Organisationen der Zivilgesellschaft will das ändern: sie fordert gleichen Mindestlohn in ganz Nordamerika.
1994 hat sich der Handel innerhalb der Region verdoppelt, die ökonomische Abhängigkeit Mexikos und Kanadas von den USA ist gewachsen. Mexiko verkauft 85 Prozent seiner Exporte an den nördlichen Nachbarn. Die sozialen Ungleichheiten der drei Nachbarn haben sich allerdings nicht minimiert; die von vielen sehnsüchtig erwarteten Arbeitsplätze in Mexiko sind nicht entstanden. Doch NAFTA ist nur ein Handelsabkommen. Eine Kampagne unabhängiger Gewerkschaften (FAT, SME oder STUNAM), gewerkschaftsnaher Organisationen (ANAD oder CILAS) sowie radikaler Gruppen der Zivilgesellschaft wie die APPO in Mexiko will "die Integration" Nordamerikas nicht nur den Marktmechanismen überlassen. Sie fordert einen gerechteren Mindestlohn für Mexiko. Derzeit gesamten Freihandelszone. Utopisch ist das sicherlich. Die nationalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der drei nordamerikanischen Länder sind zu unterschiedlich, der politische Wille seitens der US-Regierung fehlt. Aber es ist auch ein wichtiges Signal für Ansätze einer regionalen Arbeitsmarktpolitik. Mexiko ist das Land der Region mit den stärksten sozialen Ungleichgewichten.
Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko
Foto: © Notimex
Der Ruf nach einer regionalen Mindestlohnregelung ist als Reaktion darauf zu verstehen. Die Einführung eines fairen Arbeitsentgelts in Mexiko wäre der erste Schritt in die Entwicklung des eigenen Arbeitsmarktes, in dem beispielsweise Kellner, Müllmänner und Parkwächter überhaupt keinen Lohn erhalten, sondern vom Trinkgeld leben.
Svenja Blanke
Die Autorin ist Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mexiko
Informationen zur politischen Situation in Mexiko:
http://library.fes.de/pdf-files/iez/05017.pdf
