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Aus den Projekten: Novamed Türkei - Reden statt Regieren

Nach mehr als einem Jahr Konflikt sind 85 Frauen bei der Firma Novamed in der Türkei wieder eingestellt worden. Ihre Gewerkschaft Petrol-Is hat den ersten Tarifvertrag in einer Freihandelszone unterschrieben. Die Gewerkschaft Petrol-Is hat bei der Tochterfirma des deutschen Unternehmens Fresenius in Antalya im Dezember 2007 ihre eigene Anerkennung durchgesetzt: dort wird in Zukunft mit den Arbeitnehmervertretern geredet.

Internationale Solidarität hat bei diesem Erfolg eine wichtige Rolle gespielt, sagt Kemal Özkan von der internationalen Gewerkschaft für Chemie, Energie und Bergbau ICEM. Um Löhne ging es bei dem Hersteller von Teilen für Dialysegeräte nur am Rande - die sind in der Freihandelszone besser als im Landesdurchschnitt und werden in Euro ausgezahlt. Gestört hat die etwa 300 Beschäftigten die autoritäre Art der Betriebsleitung. Am meisten empört waren die überwiegend weiblichen Beschäftigten über den Versuch der Firmenleitung, auf den Zeitpunkt ihrer Eheschließungen und Schwangerschaften Einfluss zu nehmen. Darüber sollen sogar Listen geführt worden sein.

85 junge Frauen traten im September 2006 in den Ausstand und entfachten mit Solidaritätsdemonstrationen allerhand öffentliche Aufmerksamkeit in der Türkei. Sie sind jetzt in den Betrieb zurück gekehrt. Während vor Ort die Wogen hochschlugen, versuchten die deutschen Kollegen sie eher zu glätten. "Wir haben darauf verzichtet, den Konflikt bei 7000 Kollegen von Fresenius in Deutschland zu thematisieren", sagt Volker Weber, Konzernbetreuer von der Giessener Geschäftsstelle der IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE), in deren Bereich die Konzernzentrale von Fresenius liegt. "Protestnoten aus der Belegschaft hätten die Tür beim Unternehmen eher wieder zugeschlagen".

Die internationalen Sekretäre von ICEM und IG BCE setzten auf stille Diplomatie: sie schalteten die Beschwerdestelle der Konzernzentrale und den Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat ein und reisten mehrfach nach Antalya, um Gewerkschaft wie Management an einen Tisch zu bringen. Beide zusammen, die lauten und die leisen Solidaritätsaktionen, haben geholfen, dass zukünftig Anliegen der Arbeitnehmer auf Augenhöhe und vor Ort diskutiert werden.

Sigrid Thomsen