Muji Rahayu: Deutlich werden
Muji Rahayu klopft auf ein Handy. "Wer weiß", sagt sie, "vielleicht ist da auch ein Stück aus meiner Heimat drin." Soll sie stolz sein? Oder sich ärgern, weil das heißt: "Made in Indonesia" war wieder mal billiger als "Made woanders"? Muji Rahayu arbeitet für Lomenik, die Metall und Elektronikgewerkschaft in einem der drei großen Gewerkschaftsbünde in Indonesien. Ihr Job: Die Jugend zu organisieren. Und Rechtsbeistand zu organisieren - wenn Betriebsteile ausgelagert werden und die Arbeiter neue, schlechtere Verträge unterschreiben sollen. Oder wenn Unternehmen sich ins Ausland absetzen, ohne vorher die Löhne auszuzahlen. Ein schwieriger Job? "Ja", sagt Muji Rahayu, "denn die Kräfte sind ungleich verteilt."
Die Arbeiter haben kaum mehr als ihre physische Anwesenheit, um ihre Forderungen laut zu machen. Auf der anderen Seite stehen oft Polizei und Armee, die gegebenenfalls auch die Unternehmen unterstützen. Wie in Cilegon, einem Power-Standort des Landes 85 Kilometer westlich von Jakarta mit Stahlwerken und petrochemischer Industrie. "Dort kamen die Soldaten auf das Betriebsgelände", erzählt Muji Rahayu, "die Arbeiter hatten furchtbare Angst." Zu Recht - denn die Soldaten setzten Gewalt ein. "Wir haben protestiert", erzählt Muji Rahayu. "Die Armee ist zum Schutz des Volkes da. Und nicht zum Schutz der Betriebe."
Muji Rahayu hat Englisch studiert. An der Gewerkschaft gefällt ihr, dass da Leute sind, die kämpfen. Ihr Vater dagegen ist skeptisch. Gewerkschafter? Das sind für ihn die Gewaltbereiten, jene, die immer Ärger machen. "Quatsch", sagt Muji Rahayu auf ihre feine, leise, höfliche Art. "Es ist für alle Beteiligten gut, wenn die Themen auf dem Tisch sind. Und die Gewerkschaften tragen dazu bei." Klar heißt das auch, deutlich zu werden. Ihre Augen blitzen, als sie das sagt. Sie ballt ihre kleinen Fäuste, die Muskeln auf den schmalen Schultern spannen sich. Man ahnt: Wo keine friedliche Lösung in Sicht ist, da wird diese Frau zum Tiger.
Cornelia Gerlach
