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Aus der Arbeitswelt: Siemens soll Grundrechte für Arbeiter anerkennen
"Einen guten Startschuss" bescheinigten Siemens-Beschäftigtenvertreter aus zwölf Ländern ihrem Vorhaben, durch verbesserte Kommunikation mit der Internationalisierung des Managements Schritt zu halten. Das war vor zwei Jahren.
Beim dritten Treffen im Oktober 2007 gab es mehr Arbeit für sie denn je. 475.000 Beschäftigte in rund 190 Ländern zählt Siemens heute; der Schwerpunkt verschiebt sich von Deutschland und Westeuropa nach Osteuropa und Asien. Für Siemens logische Folge globaler Entwicklungen, stellt dies die Arbeitnehmervertreter vor große Herausforderungen: Zum einen unterliegt der heterogene Konzern ohnehin stetem Wandel, der die Übersicht erschwert. Zum anderen reicht die Spanne der Interessenvertretungen von "faktisch nicht existierend" bis zum hohen Standard im Heimatland Deutschland.
Jetzt plant die Unternehmensspitze eine strategische Neuausrichtung: das globale "Corporate Human Capital Management". Themen gab es also reichlich für die Arbeitnehmervertreter aus mittlerweile 17 so unterschiedlichen Ländern wie Deutschland, den USA und Indien, die jetzt in Frankfurt zusammen kamen. Ihr Dreh- und Angelpunkt ist die Kommunikation, das ist angesichts der unterschiedlichen nationalen Handlungsmöglichkeiten allen klar. Über die Pläne zur Neuausrichtung etwa, die in jedem Land massive Veränderungen für Standorte und Beschäftigung bedeutet, sind Betriebsräte in Indonesien bislang ebenso wenig informiert wie ihre Kollegen in Finnland. Das Management dort ist jedoch längst eingeweiht.
An dieser Informationslücke wird eine wesentliche Funktion des internationalen Treffens deutlich. Der Vorsitzende des Europabetriebsrats "Siemens Europe Committee" Werner Mönius betont: "Die Arbeitgeberseite ist global aufgestellt. Auf unserer Ebene müssen wir Informationsunterschiede ausgleichen, damit nationale Betriebsräte und Gewerkschaften überhaupt erst eine Grundlage haben, auf der sie mit dem Management diskutieren und ihre Möglichkeiten beraten können."
Eine zweite Kernfunktion der internationalen Arbeit ist die Bemühung, langfristig die Standards von Beschäftigungsbedingungen anzugleichen. Die Unterschiede sind enorm: So verdient ein Siemens-Facharbeiter in Indonesien im Jahr umgerechnet 1.035 Euro, sein Kollege in Dänemark dagegen 40.000 Euro.
Einen ersten großen Schritt fordern die Teilnehmer des internationalen Workshops von Siemens in ihrer gemeinsamen Erklärung: Die weltweite Anerkennung grundlegender Arbeitsrechtsstandards wie der Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation und der Leitsätze der OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development) für multinationale Unternehmen.
Hagen Reimer
Link zum "Siemens Dialog" der IG Metall: http://dialog.igmetall.de/Home.5.0.html
