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Aus der Arbeitswelt: Der Preis für billiges Gemüse

Afrikanische Wanderarbeiter bauen im Süden Spaniens Gemüse für Europa an. Während die Früchte unter riesigen Plastikplanen reifen, sind die Arbeiter polizeilicher Willkür ausgesetzt. Sie haben keine Rechte, aber eine Gewerkschaft.

Ein Dutzend marokkanische Männer stehen im Kreis, die Hände demonstrativ vor dem Brustkorb verschränkt. Einige scharren nervös mit den Füßen. Erst als Spitou Mendy von der Gewerkschaft zu sprechen beginnt, löst sich die Anspannung langsam. Davon haben die Männer hier schon gehört, einige sind Mitglied.Vielleicht, wenn sie alle zusammenstehen, kann die Gewerkschaft ihre Situation verbessern.

Etwa 50 marokkanische Wanderarbeiter leben in Nijar in abbruchreifen Baracken und aus Plastikplanen selbst gebastelten Zelten. Sie kommen mit unterschiedlichsten Biografien vom Analphabeten bis zum Physiker, doch sie alle eint, dass sie hier teilweise schon seit drei Jahren auf den Gemüsefeldern in der Provinz Almería arbeiten. "Aber offizielle Papiere", sagt Spitou Mendy, der Gewerkschafter von der andalusischen Arbeitergewerkschaft SOC, "hat hier keiner". Der kräftige Afrikaner ist in seinem klapprigen Gewerkschaftsauto hergefahren, weil er davon gehört hat, dass die Guardia Civil hier vor drei Tagen eine Razzia durchgeführt hat. Mendy, 44 Jahre alt, kommt aus dem Senegal. Er weiß aus eigener Anschauung, dass die spanischen Militärpolizisten nicht zimperlich sind: "Sie schlagen zu, und manchmal stehlen sie das Geld der Papierlosen".

Vor sieben Jahren hat Spitou Mendy selbst als Wanderarbeiter in Almería angefangen. Fast 40.000 Hektar Gemüse werden hier zum Schutz vor Wind und Sonnenstrahlen unter Plastikplanen angebaut. Der studierte Literaturwissenschaftler hat es im Laufe der Jahre geschafft, die begehrten spanischen Aufenthaltspapiere zu bekommen. Jetzt setzt Mendy sich als hauptamtlicher Gewerkschafter für die "sin papeles", die papierlosen Wanderarbeiter aus Afrika, ein, die im Plastikmeer rund um Almería versuchen, festen Boden auf europäischem Grund zu finden.

"Die spanischen Betreiber der Gemüseplantagen beuten die Papierlosen aus. Sie zahlen ihnen manchmal nur 20 Euro am Tag", sagt er. Mehrere zehntausend ernten hier in der Saison auch das billige Discountergemüse für den deutschen Markt.

Was kann er für die Marokkaner tun, die keine offiziellen Papiere haben? "Das gestohlene Geld werden wir wohl nicht wieder bekommen", sagt der Gewerkschafter. "Aber für diejenigen, denen ihr Chef noch Geld schuldet, können wir kämpfen und vor Gericht gehen." Es braucht kräftige Männer wie Spitou Mendy, um den afrikanischen Wanderarbeitern zu helfen. Denn hier sind auch schon Gewerkschafter umgebracht worden, wenn sie zu laut gegen die Missstände protestiert haben. Sein Vorgänger zum Beispiel.

Jörn Breiholz

Weitere Informationen:
www.schweiz.attac.org/kampf-der-landarbeiterinnen-fur