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Aus der Arbeitswelt: China nimmt Afrika unter Vertrag
China investiert in großem Stil auf dem afrikanischen Kontinent. Was die Regierungen begeistert, bringt afrikanischen Arbeitern wenig. Gewerkschafter im Kongo müssen sich neu aufstellen.
Würde man in der nordkongolesischen Stadt Kisangani in ein kleines Flugzeug steigen und Richtung Süden fliegen, dann hätte man das Gefühl, eine Urlandschaft zu entdecken, die seit Jahrtausenden nicht berührt wurde. Manchmal würde man ein Dorf erkennen, manchmal auch eine große Lichtung, aber nirgends wären Städte oder Straßen zu sehen. Eine solche Flugverbindung jedoch existiert nicht. Es gibt nach Jahrzehnten des Staatszerfalls und des Krieges in der Demokratischen Republik Kongo auch keine Straße mehr, die in die isolierte Dschungelstadt Kisangani führt.
Doch das soll sich nun ändern. Im September hat Kongos Regierung ein Abkommen mit China unterzeichnet, das eine 3400 Kilometer lange Asphaltstraße von Kisangani bis zur sambischen Grenze vorsieht. Außerdem soll eine Eisenbahn von den Bergbaugebieten im Süden bis zum Hafen Matadi im Westen gebaut werden, dazu 31 Krankenhäuser, 145 Gesundheitsstützpunkte und zwei Universitäten. Peking sagte auch Geld für den Aufbau der desolaten Bergwerke zu, damit die gewaltigen Vorkommen an Gold, Kupfer, Kobalt, Coltan, Mangan, Zink, Zinn und Uran wieder gefördert werden können. Rund fünf Milliarden US-Dollar bezahlen die Chinesen.
Im Gegenzug bekommen sie Lizenzen für den Abbau von Kupfer und Kobalt und den Einschlag tropischer Edelhölzer. Allein dazu braucht es die Straße nach Kisangani.China hat inzwischen in jedem Land Afrikas investiert und ähnlich gewaltige Summen auch Angola, Sambia, Simbabwe, Nigeria oder Sudan gegeben. Seine Offensive im Kongo erfolgt nach einem festen Muster: Peking arbeitet dabei eng mit chinesischen Staatsunternehmen und privaten Firmen zusammen; die Staatsbanken geben die Kredite. Außerdem übernehmen die Chinesen nicht nur die Planung und Materiallieferung, sie bringen auch die eigenen Arbeiter mit.
Es gehe dem asiatischen Land nur um das eigene Wirtschaftswachstum und die Sicherung von Rohstoffen, wird deshalb nicht nur von Menschenrechtsgruppen, sondern auch von westlichen Regierungen kritisiert. Sie sehen ihre Bemühungen um mehr Demokratie und weniger Korruption in Afrika gefährdet.Tatsache ist, dass in der Regel nur drei von zehn Arbeitern bei solchen Bauprojekten aus Afrika stammen. Sie werden schlecht bezahlt und haben kaum Rechte. In Kongos Nachbarland Sambia zum Beispiel hat das Staatsunternehmen China Non Ferrous Metal Industry 1998 die Chambeshi-Mine gekauft. Der Vertrag sieht vor, dass die Chinesen keine Steuern in Sambia zahlen und für die Arbeiter keinerlei Sozialleistungen erbringen müssen. Sofort nach der Übernahme senkten die neuen Eigentümer die Löhne auf nur noch einen Dollar pro Tag und kappten die Krankenversicherung. Es kam auch schon öfters vor, dass die Arbeiter gar nicht bezahlt wurden. Regelmäßig kommt es deshalb zu Protesten. Im Juli 2006 eskalierte eine solche Demonstration, als mehrere Hundert afrikanische Arbeiter vor die Wohnhäuser der chinesischen Manager gezogen waren und von dort aus geschossen wurde. Fünf Protestierende wurden damals schwer verletzt.
Auch im Kongo, wo die Chinesen eine Mehrheitsbeteiligung am staatlichen Bergbaukonzern Gécamines übernehmen, werden die Bedingungen für die afrikanischen Belegschaften nicht besser sein. Im Kongo aber sind die Arbeitnehmervertretungen seit Jahren in einem extrem desolaten Zustand. Jean Pierre Muteba von der Gewerkschaft La Nouvelle Dynamique Syndicale, die sich für die Rechte der Bergwerksarbeiter einsetzt, beklagte schon vor einiger Zeit: "Die Arbeitsbedingungen in den Bergwerken sind schlicht inhuman. Die Arbeiter müssen mehrere Monate ohne Lohn auskommen oder werden einfach entlassen. Sie haben keine ausreichende Schutzkleidung - auch dann nicht, wenn sie mit uranverseuchten Produkten arbeiten." Neben der extrem hohen Arbeitslosigkeit besteht laut Muteba noch ein weiteres Problem: "Es gibt leider mehrere Gewerkschafter, die aufgrund der allgemeinen Misere sich sehr leicht bestechen lassen und nicht mehr die Interessen der Arbeiter vertreten." Solange sich das nicht ändert, werden die Chinesen auch im Kongo keine Rücksicht auf die afrikanischen Arbeiter nehmen müssen.
Michael Bitala
Link zu einer Studie über Chinas Aktivitäten in Afrika:
www.giga-hamburg.de/dlcounter/download.php?d=/content/publikationen/pdf/...
